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Außerdem von uns empfohlen: "Sozialdemokratische Zukunftsbilder" auf YouTube (Visualisierung und Vertonung des gleichnamigen Romans von Eugen Richter durch die "Kapitalistenschweine"):

Sozialdemokratische Zukunftsbilder


Nieder das Kapital!



                      1896, von Julius Stettenheim





Die Versammlung war nun vollständig, nachdem mehrere Mitglieder derselben theils wegen zu mangelhafter Nüchternheit, theils wegen des Verdachts, dem verachteten Stande der Hauswirthe anzugehören, hinausgeworfen worden waren. Das Wort "hinausgeworfen" muß dahin abgemildert werden, daß die Männer zur Thüre geleitet wurden, was eigentlich dasselbe war, aber in den über diese Verhandlungen veröffentlichten Zeitungsberichten einen angenehmeren Eindruck machte, wenn auch nicht auf die betreffenden nicht ungeleitet aus dem Saal entfernten Volksmänner. Denn diesen that meist immer noch Manches weh, woraus zur Evidenz hervorgeht, daß das Hinauswerfen und das Geleit zur Thür sich auch darin vollkommen glichen, daß sie von zielbewußten Fäusten zur Ausführung gelangten. Ich will damit nur oberflächlich, wie dies ja auch die ernsten Folgen der unsanften Entfernung waren, andeuten, daß die Männer, welche zu den betreffenden Versammlungen zusammenzutreten pflegten, sich in einer ziemlich gereizten Stimmung befanden.


Und dies war begreiflich. Denn der Gegenstand der Tagesordnung, welcher auch heute wieder einen kolossalen Andrang zu dem Versammlungslokal hervorgerufen hatte, harrte schon seit Jahren der Erledigung. Immer wieder war er zur Debatte gestellt, immer wieder hatten die Besten des Bezirks erschöpfend an ihm herumgesprochen, immer wieder waren solche dieser Besten, welche sich freventlich zu einer anderen Meinung ermannt hatten, zur Thür geleitet, immer wieder war eine Resolution gefaßt worden, durch welche die im Saal des "Blauen Elephanten" versammelten Männer einstimmig die Herrschaft des Kapitals verwarfen, und noch immer herrschte das doch so deutlich und so ermüdend oft des Thrones verlustig erklärte Kapital.


Das macht nervös, und diese Männer machte es nervöser als die Kapitalisten, welche sich allmälig derart daran gewöhnt hatten, für ihren Besitz zu zittern, daß sie es selbst kaum noch bemerkten. Wenigstens machten sie diesen Eindruck auf Jeden, der sie sah, so daß seit Jahren Niemand einen Kapitalisten zu Gesicht bekommen hatte, welcher augenscheinlich zitterte. Freilich war der Begriff Kapitalist noch nicht ganz klargestellt. Wer war denn des Kapitals verdächtig? Wer hatte das compromittirende Gerücht, Kapitalist zu sein, so auf sich gelenkt, daß ihm das Vergehen nachgewiesen werden konnte? Wem stand denn das goldene Kalb an der Stirn geschrieben? Die Männer, welche nun schon seit vielen, vielen Jahren das Kapital und seine Herrschaft aus der Welt schaffen wollten, hatten noch nicht Zeit gefunden, klipp und klar zu erklären, wen sie für einen Kapitalisten hielten. Der scharfe Beobachter merkte nur, daß sie Jeden für einen Kapitalisten erklärten, der sich ihrem Kampf gegen das Kapital nicht angeschlossen hatte. Das war auch ziemlich richtig vermuthet. Wer eine Familie oder sich allein zu ernähren und deshalb keine Zeit hatte, an den Säulen der Kapitalsherrschaft zu rütteln, wurde Kapitalist gescholten und war dem bitteren Vorwurf ausgesetzt, sich vom Schweiß der Enterbten zu mästen.


So galten namentlich die Beamten der Post des Städtchens, welche Abends zu müde waren, um Resolutionen zu beschließen, oder die unter scharfer Kontrole der Oberpostbehörde standen, für Kapitalisten, obschon sie absolut nicht daran dachten, der tropfbarflüssigen Hautausdünstung besagter Enterbten irgend einen Mastkurerfolg zuzuschreiben, oder auch nur Gelegenheit hatten, solche zu erproben. Auch die noch schulpflichtigen, oder als Lehrlinge wirkenden jungen Leute, die den Besitz eines Hausschlüssels noch als das Begehrens- und Erstrebenswertheste betrachteten und bis auf Weiteres nicht nach zehn Uhr Abends außer dem Hause ihrer Eltern und Lehrmeister sein durften und daher noch nicht an den Bestrebungen der Kapitalsgegner theilnehmen konnten, mußten es sich gefallen lassen, mit den Nabobs in einen goldenen Topf geworfen zu werden. In dieses kostbare Geschirr mußte ihnen Jeder nachfolgen, der einen anständigen Rock trug, eine nasenfreundliche Cigarre rauchte und eine Wohnung mit separatem Eingang innehatte.


Der Saal des "Blauen Elephanten" -- Elephanten sind ja nicht blau, und dennoch hieß das Etablissement Blauer Elephant, weil der Wirth eines Tages das schadhaft gewordene Bild des Dickhäuters auf seinem Schild mit blauer Farbe, die er zufällig besaß, zu einem naturwissenschaftlich unglaublichen Thier restauriert hatte, -- der Saal des Rüsselbläulings war so überfüllt, daß keines der Seidel, die auf den Tischen vor der Rednertribüne voll und leer umherstanden, zur Erde fallen konnte. Die Mitglieder des Vereins "Weltreform", zu welchem sich der ehemalige Kegelklub des Städtchens herausgebildet hatte, waren bis auf Wenige, welche sich durch Untersuchungshaft für entschuldigt halten mußten, sämmtlich erschienen. Eben war mit Anderen auch der Berichterstatter des Kreisblattes unter dem unberechtigten Vorwurf, die Reden der Hauptredner in feindseligem Sinne wiederzugeben, halb zur Thür geleitet und halb hinausgeworfen worden, als der Leiter der Versammlung, ein unbedingt handfest aussehender früherer Tischlergeselle, nach mehrmaligen Klingeln, sodaß die anwesenden Kellner fortwährend "Gleich!" riefen und die Servietten schwangen, eröffnet worden.


Dieser Präsident übertönte mit einem sonoren Baß, der in der Tiefe das "Doch" des Sarastro mühelos erreichte, den noch immer tobenden Lärm und ließ die Versammlung durch den mächtigen Cigarrendampf in die bewährte Tagesordnung eintreten. Dieselbe lautete: "Die Sünden des Kapitals", und der Präsident erläuterte kurz die Bedeutung derselben. Immer grauenvoller, so erklärte er, wüthe die Pest, welche er das gelbe Goldfieber nennen möchte. (Sehr richtig!) Dem Verderben Einhalt zu gebieten, müsse das Bestreben der Besten des Volks sein (anhaltender Beifall), und so sei denn auch die Versammlung anberaumt, um der blutigen Herrschaft des Kapitals (Pfui!) endlich den Boden abzugraben. Er wisse wohl, daß dies gewissen Leuten keine angenehme Augenweide biete (Heiterkeit), und er wisse ferner, daß sich die Heilung der vorhandenen wirthschaftlichen Schäden nicht über das Knie brechen ließe, (Oho! Unruhe. Glocke des Präsidenten) aber das dürfe die Mitglieder der "Weltreform" keinenfalls abhalten, immer und immer wieder die Abschaffung des mörderischen Kapitals zu erstreben. (Donnernder Beifall.) Nun ertheilte er das Wort dem Genossen Bummelmann.


Genosse Bummelmann, früher Kassenbote und durch unaufgeklärt gebliebene Additionsfehler in die behagliche Stellung eines Schankwirths gedrängt, trinkt rasch sein Bier aus und bricht sich Bahn an das Rednerpult. Er ist ein Mann in den besten Jahren und macht keinen Anspruch darauf, vertrauenserweckend auszusehen. Dagegen macht er den Eindruck, daß man nicht in ernste Differenzen mit ihm gerathen möchte. Ferner genießt er, seit er, schwerer Körperverletzung angeklagt und wegen mangelnder Beweise freigesprochen, allgemeine Achtung.


"Genossen," ruft er, "wo war ich doch das letzte Mal stehen geblieben? Richtig, bei den Mitteln, mit denen wir dem Kapital auf die Bude rücken müssen. Müssen! Haben Sie mich verstanden, Genossen? (Ja! Nein!) Denn es geht nicht länger so weiter. Daß das Kapital abgeschafft werden muß, darüber sind wir uns ja einig, und das ist auch bereits beschlossen, und so wollen wir denn den alten Kohl nicht nochmals aufwärmen. Dadurch wird er ja auch nicht besser, oder fetter, oder sonst was. (Bravo!) Alter Kohl bleibt alter Kohl. (Sehr richtig!) Das Kapital ist die Reblaus in unserem Weinberg. Raus also mit dem verderblichen Insekt! (Rufe: Raus!) Wenn wir das Kapital fest anfassen, dann können es alle Gänse der Welt nicht retten. (Anhaltender Beifall. Ein Anwesender ruft: Capitol! und wird zur Thür begleitet.) Genossen! Eins der sichersten Mittel, das Kapital endlich unschädlich zu machen, ist die Abschaffung des Erbrechts. (Jubel.) Was ist das Erbrecht? Erbrecht ist, daß Jemand Millionen ansammelt, dann in seinem seidenen Bett und zwischen elektrischen Flammen stirbt und nun den ganzen Raub an die Erben fallen läßt, damit diese sich in den Kassenscheinen, Hypotheken, Wechseln und Baarbeständen herumwälzen. (Hört! Hört!) Da verlange ich denn, daß alle Erbschaften, besonders die großen, an den Zukunftsstaat fallen und an die von dem Erblasser bestohlenen Proletarier zurückbezahlt werden sollen. (Anhaltender Beifall.) Ja, Genossen, zurückbezahlt, denn die Reichen erben unser Geld, unsere wohlerworbenen, durch harte Arbeit geschafften Millionen. (Sehr wahr!) Wir müssen also nicht bloß immer rufen: Nieder das Kapital! sondern auch: Nieder das Erb--"


Genosse Bummelmann wir hier leider unterbrochen, indem seine Frau im Saal erschienen ist und sich nun als eine überaus robuste Lebensgefährtin durch die Menge eine Gasse bahnt, unbekümmert um das Schelten der zur Seite gequetschten Bürger des Zukunftsstaates.


Jetzt steht Frau Bummelmann neben ihrem Gatten, dem sie zuflüstert: "Denk' Dir bloß das Glück, Willem, wir haben ein Zehntel vom großen Loos gewonnen."


Der unterbrochene Redner wankt einen Augenblick, dann sagt er: "Donnerwetter, aber rede doch leise, Rieke, sonst werden wir ja furchtbar angepumpt. Wie viel macht es denn?"


"Ueber vierzig Tausend Mark!" antwortet ihm die athemlose Gattin.


"Na schön," sagt Bummelmann, "ich komme gleich mit nach Hause." Dann wendet er sich in seiner Eigenschaft als Genosse wieder an die durch den Zwischenfall sehr unruhig gewordene Versammlung, welche Zeugin einer häuslichen Scene zu sein glaubte, indem sie annahm, der Genosse werde von seiner Frau wegen seines Herumtreibens in den Versammlungen zur Rede gestellt. Und schon hört man rufen: "Pantoffelknecht! Ehesklave! Pfui!" als Herr Bummelmann wieder das Wort ergreift.

"Genossen! Seien Sie nicht böse, mein Kind ist krank, und ich soll nach Hause kommen. Ich will also nur noch hinzufügen: Natürlich ist es leicht gesagt: Nieder das Kapital! Nieder das Erbrecht! Aber ist es auch gerecht? Nein! (Oho!) Nein, Genossen, ohoen Sie, soviel Sie wollen, gerecht ist es nicht, es ist dumm. (Tumult.) Denn wenn ich etwas Geld besitze und es kommt so ein Faulenzer und sagt: "Her damit!" oder sagt zu meiner Frau und zu meinem kranken Kind, wenn ich gestorben bin: "Her damit!" dem werde ich mir erlauben, eins auf den Kopf zu geben und dann wird ihm das Her damit! schon vergehen. (Neuer Tumult. Rufe: Raus! Raus!) Ich gehe gleich, Genossen, aber was mein ist, das ist mein, sonst muß ich verhungern, und ohne Kapital kein Leben, keine Industrie, Nichts! Wer das bestreitet, der ist ein --"


Augenscheinlich will kein Mitglied der Versammlung wissen, was er ist, und sei dies auch die Auskunft eines so verehrten Genossen, wie des Herrn Bummelmann, der unter den immer stärker werdenden Rufen: Raus! Raus! mir seiner Gattin den Saal des "Blauen Elephanten" verläßt.


Und als das glückliche Paar den Saal längst verlassen hatte, tobte daselbst immer noch das "Raus!" der entrüsteten Genossen und die Glocke des Präsidenten.



Bricht die DM-Zone auseinander?




                  3. Oktober 2011, von Henning Helmhusen





Für alle, die erst jetzt zugeschaltet haben, noch mal eine kurze Zusammenfassung, was bisher geschah. Wie ja allgemein bekannt ist, scheiterte die Einführung des Euros 1999. Deshalb haben wir heute immer noch unsere D-Mark. Um die ist es aber aktuell nicht gut bestellt.


Los ging es mit der Verschuldungskrise in Bremen. Der Stadtstaat trudelte unaufhaltsam dem Bankrott entgegen, bis sich die anderen Bundesländer endlich zusammenrauften und ein Rettungspaket schnürten. Das stieß allerdings auf Unmut der Südstaaten, die von Bremen radikale Sparmaßnahmen verlangten. Eine Troika aus bayrischem und baden-württembergischem Ministerpräsidenten sowie der Bundeskanzlerin reiste dazu eigens in den Norden, um dem Bremer Bürgermeister unmißverständlich klarzumachen, daß er einen Großteil seiner Beamten entlassen müsse. Es sei unsinnig, daß man sich beispielsweise eigene Stadtmusikanten auf Kosten der Steuerzahler halte.


Schien das Problem der D-Mark zuerst noch beherrschbar zu sein, weil es sich bei Bremen um ein kleines Bundesland handelte, eskalierte die Krise mit der Finanznot von Berlin zusehends. Immer noch glaubte man daran, mit einem Rettungspaket die Lage in den Griff bekommen zu können, aber es kam auch erste Kritik in den Medien auf. Deutschland sei kein einheitlicher Wirtschaftsraum, eine einheitliche Währung von daher unangemessen. Für manche Bundesländer seien die Zinsen der Bundesbank zu niedrig, weshalb sie sich bedenkenlos verschuldeten, für andere zu hoch, was bei ihnen das Wachstum hemme.


Als mit Schleswig-Holstein dann erstmals ein Flächenstaat in Bedrängnis geriet, begannen die Finanzmärkte an der Fähigkeit der deutschen Bundesrepublik zu zweifeln, alle Haushaltslöcher in den Bundesländern mit Adhoc-Maßnahmen zu stopfen. Immer lauter wurden von Experten nun gemeinsame Bundesanleihen gefordert, mit denen ein dauerhafter Finanzausgleich im Zuge einer Schuldenunion finanziert werden sollte. Die Lage wurde noch dadurch verschärft, daß Bremen die Auflagen der Troika trotz gegenteiliger Zusagen erneut verletzt hatte.


Und als dann auch noch die Zahlungsfähigkeit von Nordrhein-Westfalen in Frage stand, mußte die Bundesregierung schließlich auch über drastischer Maßnahmen nachdenken. Ein Minister plädierte etwa dafür, daß auch ein Bankrott von Bremen kein Tabu mehr sein dürfe. Und andere gingen sogar weiter und verlangten, Bremen aus der D-Mark zu werfen, ja sogar aus der Bundesrepublik Deutschland, auch wenn es dafür bislang noch keinen Mechanismus gibt.


Die Bundespolitik steht mittlerweile vor einem Scherbenhaufen. Die Alternativen sind alle nicht sehr attraktiv. Eine Richtung vertritt hier weiterhin Bundesanleihen, die mit der Bonität der Bundesrepublik Deutschland ausgestattet sind und mit denen dann den notleidenden Bundesländern unter harten Auflagen geholfen werden soll. Allerdings wird vermutet, daß das zu einer immer höheren Staatsverschuldung führen könnte und letztlich auch die Bonität der Bundesrepublik Deutschland zweifelhaft wird, wenn große Bundesländer insolvent sind. Radikalere Töne kommen hingegen aus dem Süden. Hier wird schon laut darüber nachgedacht, aus der D-Mark auszutreten und den alten Gulden wiedereinzuführen. Die Preußen könnten ja schließlich den Taler als Weichwährung aus der Versenkung holen. Und überhaupt gebe es hier auch unüberbrückbare Unterschiede in der Mentalität.


Bei dieser Lage möchte man nicht in der Haut von Angela Merkel stecken. Wie es weitergeht, ist ungewiß. An den Märkten wird befürchtet, daß sogar das deutsche Einigungsprojekt scheitern könnte und die Bundesländer wieder im Krieg untereinander versinken. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht.




Soziale Kfz.-Versicherung




                  1. Oktober 2011, übernommen von Mehr Freiheit





Von den Sozialisten lernen, heißt siegen lernen! Die Sozialisten aller Parteien rechtfertigen die Gesetzliche Krankenversicherung als das bestmögliche aller denkbaren Versicherungssysteme. Wenn dem so ist, dann müssen die Grundsätze der GKV auch in anderen Bereichen ihre segensreiche Wirkung entfalten. Wir wollen am Beispiel der Kfz-Versicherung zeigen, daß eine Übertragung der GKV-Regeln auf den Autoversicherungssektor nicht nur möglich, sondern dringend geboten ist. Folgende Änderungen sollten von unseren fürsorgenden Politikern zu unser aller Wohle durchgesetzt werden:


  • Ab sofort ist eine "Rundum-sorglos-Vollkasko-Versicherung" für alle Fahrzeughalter mit einem monatlichen Arbeitseinkommen bis zu 4.000 Euro Pflicht.

  • Die Versicherungsprämie bestimmt sich nicht nach den Eigenschaften des Fahrzeugtyps oder des -halters, sondern berechnet sich als Prozentsatz von dessen Arbeitsverdienst bis zur oben genannten Beitragsbemessungsgrenze. Das bedeutet, daß für die gleiche Versicherungsleistung unterschiedliche Prämien zu zahlen sind. Die Besserverdienenden zahlen mehr als die Gutverdienenden, obwohl erstere nicht mehr erhalten als letztere.

  • Es ist ein Geschenk der Politiker an ihre glücklichen Wähler, daß diese Versicherung nicht nur Unfallschäden abdeckt, sondern auch Reparaturen, die auf normalen Verschleiß zurückgehen, einschließlich Ölwechsel, Lackpflege und Wellness-Kurse für Vielfahrer. Nur einige Störenfriede fragen, wer das alles zu bezahlen hat.

  • Die Autos der im Haushalt des Versicherungsnehmers wohnenden Kinder sind beitragsfrei mitversichert, ebenso das Zweitauto einer/s nicht berufstätigen Ehefrau/mannes. Das ist ein Erfordernis der "sozialen Gerechtigkeit", die in jedem Wahlkampf neu definiert wird. Das Ausmaß des politisch zu bestimmenden Versicherungsschutzes gehört zur unverzichtbaren Manövriermasse eines professionellen Politikers.

  • Im Schadensfall sind die Autohersteller gesetzlich verpflichtet, bis zu 6 Wochen kostenlos ein Ersatzfahrzeug zu stellen. Diese "Autofortgewährung im Schadensfall" ist eine von der Arbeiterbewegung erkämpfte soziale Errungenschaft, ohne die unser Land sozial kalt wäre.

  • Der Fahrzeughalter darf nicht selbst mit einer Kfz-Werkstatt einen Reparaturvertrag abschließen. Gesetzlich anerkannt sind nur Kollektivverträge, die der Kfz-Landesversicherungsverband mit der Kfz-Innung vereinbart. Diese Kollektivverträge bedürfen der staatlichen Genehmigung, um wirksam zu werden.

  • Die Kfz-Werkstatt darf nicht ihre tatsächliche Reparaturleistung in Rechnung stellen, sondern bekommt von der Versicherung nur Pauschalbeträge, die sich nach den landesweiten Kostendurchschnitten in ähnlichen Fällen orientieren.

  • Die Kfz-Versicherer legen ein globales Reparaturbudget fest, daß die Werkstätten nicht überschreiten dürfen. Die Kfz-Innung bestimmt für jede einzelne Werkstatt den Höchstbetrag, bis zu dem sie Zahlungen der Versicherung erhalten darf.

  • Die Kfz-Werkstätten dürfen nur Ersatzteile einbauen, die vorher in einem langwierigen Genehmigungsverfahren vom Staat für Reparaturzwecke freigegeben wurden. Begründung: "Auch von der kleinsten Schraube kann das Leben des Fahrzeughalters abhängen". Nur staatliche Bürokraten haben die moralische und technische Qualifikation, in diesen Fragen zu entscheiden.

  • Wettbewerb der Werkstätten ist gesetzlich verboten. Nicht nur die Preise sind den Werkstätten vorgeschrieben, sondern für sie gilt auch ein Werbeverbot, die Aufhebung der Niederlassungsfreiheit und die staatlich reglementierte Zulassung zur Berufsausübung.


Warum empfehlen wir dieses System, trotz seiner kleinen Schönheitsfehler? Weil alle Beteiligten damit zufrieden wären:


  • Die Mehrheit nutzt die Vorzüge des demokratischen Systems, indem sie eine Minderheit zwingt, für die gleiche Leistung mehr zu bezahlen, als sie selbst.

  • Die Kfz-Werkstätten genießen den Wettbewerbsschutz.

  • Die Kfz-Versicherer wissen es zu schätzen, daß sie in diesem regulierten Markt nicht mehr zu tun haben, als die Versicherungsprämien einzusammeln und pauschal an die Kfz-Innung weiterzugeben, welche die eigentliche Abrechnung durchführt. Für diese verantwortungsvolle Tätigkeit genehmigen sich die Versicherer ihre wohlverdienten Verwaltungsanteile.

  • Viele Versicherungsnehmer freuen sich über die Geschenke der Politiker, nur wenige von ihnen fragen, wer das alles bezahlt und alle beteiligen sich mit Begeisterung am beliebten Spiel: "Wetten, daß es mir gelingt, aus der Kfz-Versicherung mehr rauszuholen, als ich eingezahlt habe?"

  • Die Politiker freuen sich darüber, Gutes tun zu dürfen, auch wenn sie dafür die Last auf sich nehmen müssen, Entscheidungen für andere Menschen zu treffen, die dazu, nach allgemeiner Übereinkunft, nicht selbst in der Lage sind.


Preußischer Beamten-Stress 1864




                  1878, von Eugen Richter





Die Verschleppung der Sachen durch die Bezirksregierungen ist eine alte Klage. Man kann durchweg aus Amerika rascher Bescheid bekommen, als von einer benachbarten Bezirks-Regierung.


Als ich noch in Beziehung zu einer solchen stand, lernte ich eine Geschäftsinstruction kennen, wonach eine Sache zwei Monate liegen konnte, ehe sie auf den Restenzettel kam. Erst dann erhielt der betreffende Rath eine Mahnung, sich etwas zu beeilen.


Ich kannte damals bei der Düsseldorfer Regierung drei verschiedene Behandlungen der Sachen. Die gewöhnlichen Sachen kamen nach zwei Monaten auf den Restenzettel, die Cite-Sachen nach einigen Wochen. Dann gab es noch Citissime-Sachen; die unterschieden sich von den Cite-Sachen dadurch, daß sie nicht einen gelben Umschlag hatten, sondern einen feuerrothen, so daß sie auffallen mußten; es sollte bedeuten, daß es sich um eine brennende Frage handle. Bei einer solchen brennenden Frage dauert es gewöhnlich zwei bis drei Wochen.


Nun dauert das für manche Sachen noch zu lange; deshalb gab es Sachen, auf denen stand „Sofort!“ und darunter: „Muß von Hand zu Hand gehen!“ Diese Sachen brauchten etwa zehn Tage, ehe ein Bescheid darauf erging.


Ich wurde mitunter gefragt, auf welche Weise man rasche Antwort bekommen könne. Ich antwortete damals: „Telegraphiren Sie an die Regierung! Auf das Telegrafiren ist die Geschäfts-Instruction noch nicht eingerichtet. Man kommt in Verlegenheit, und vielleicht bekommen Sie da rasche Antwort.“


Die Sache ist schon lange her, vielleicht nützt das Telegrafiren jetzt auch nichts mehr. Man wird sich wohl jetzt auch darauf bequemer eingerichtet haben.




Rettet den Staat!




                  27. September 2011, von Henning Helmhusen





Wolfgang Schäuble war nicht mehr er selbst. Mit demütig gesenktem Haupt und in Tränen trat er vor die Kameras: Ja, er bitte die Bürger um Verzeihung, dass er ihnen zu wenig Steuern abverlangt habe, und deshalb gehe es dem Staat nun schlecht. Gelte doch für den Staatshaushalt wie für jeden kleinen Haushalt, dass Sparen heiße, mehr auszugeben und noch mehr einzunehmen. Jetzt bleibe bloß ein Ausweg: "Frag nicht, was der Staat für Dich, sondern was Du für den Staat tun kannst."


Dieser Hilferuf blieb nicht ungehört. Und so hat sich nun eine Schar aufrechter Kämpfer zusammengefunden: die "Staatsschützer". Diese wollen die ahnungslose Öffentlichkeit notfalls auch mit unkonventionellen Mitteln aufrütteln. So ketteten sich Mitglieder von "Friends of the State" und "Robin Loot" vor Finanzämtern an, um Stimmung für höhere Steuern zu machen. Die ursprünglich französische, aber nun weltweite Organisation ETATIC (Etatistes pour plus des taxes, impôts et cetera) fordert eine Abgabe auf alles, mit der alles finanziert werden soll. Und in England sorgte "Queenpeace" mit einem Transparent "God save the State" für Aufsehen, das vom Londoner Tower entrollt wurde.


Aber auch von der kulturellen Front erhält der Staat nun endlich Rückenwind. ARD und ZDF veranstalteten eine große Spendengala unter dem Motto "Helft Schäuble". Moderiert von Boris Becker und Klaus Zumwinkel konnten hier Zuschauer hinterzogene Steuern melden. Ihr Name und effektiver Steuersatz erschienen dann im Laufband. Und auch die AStAs hatten eine Idee: aus Solidarität mit der hohen schwedischen Staatsquote verkaufen sie nun Flickenteppiche und Knäckebrot.


Leider haben die Bürger den Ernst der Lage noch nicht genügend verstanden, so dass nur unzureichende Beträge zusammenkommen. Deshalb fordern die Staatsschützer neuerdings staatliche Subventionen. Das ist nur logisch, denn wie einer ihrer Sprecher treffend ausführte: "Wenn etwas gemeinnützig ist, dann wohl unser Anliegen. Jeder muss einen Beitrag leisten, ohne etwas dafür zu bekommen. Genau das meinen doch alle mit der Forderung "Gemeinnutz geht vor Eigennutz"" -- "Voller Staat voraus", kann man da nur wünschen.




Leinwand bleibt unser




                  25. September 2011, von Henning Helmhusen





Die immer wieder erfolgversprechenden Bemühungen der deutschen Musikbranche ("Arbeiter der Saite und des Kehlkopfes"), das heimische Sangesgut durch eine Quote zu verteidigen, haben nun auch Nachahmer in anderen Bereichen gefunden. Als nächstes soll hier das deutsche Kino dran sein, das trotz massiver Subventionen immer noch nicht den verdienten Sieg über Hollywood davongetragen hat. Das ist jedenfalls das erklärte Ziel einer neuen Initiative, die sich gestern der Presse vorstellte und auf breite Unterstützung aus allen politischen Lagern rechnen darf.


Unter dem Motto "Deutsche schaut deutsche Filme" soll demnächst nicht einfach nur eine Quote durchgesetzt werden, sondern gleich ein allgemeines Verbot amerikanischer Filme. Man sei keineswegs intolerant oder gar ausländerfeindlich, nur gegen Amerikaner, betonten dabei die Sprecher des Komitees "Arbeiter der Kamera und der Mimik". Selbstverständlich dürften weiterhin bekannte Klassiker aufgeführt werden, allerdings in einer für das deutsche Publikum angepassten Version.


In Verfolgung unser Informationspflicht möchten wir nun unseren Lesern eine "Peak Preview" -- hoppla, fast hätten wir schon wieder einen Anglizismus verwendet, wir meinen natürlich: eine "Reinschnupper-Vorschau" bieten, was die Renner der nächsten Kinosaison sein könnten:


"Castrop-Rauxel" (war: "Casablanca")


Richard (Jens Riewa) betreibt in Castrop-Rauxel eine Imbissstube. Eines Tages taucht Ilse (Iris Berben), seine alte Liebe, auf. In Ihrer Begleitung: Viktor Laslinger (Till Schweiger), der vor den Türken flieht, die seit dem Anschluss Europas an das Osmanische Reich Kebab als Pflichtessen durchsetzen wollen. Auch Ilse entdeckt ihre alte Liebe zu Richard wieder, während im Hintergrund Wolfgang Niedecken bis zum Abwinken "Verdammt lang her" klampft. In einem schweren Gewissenskonflikt entscheidet sich Richard schließlich, Ilse und Viktor bei ihrer Flucht nach Mallorca zu helfen. Ergreifende Schlussszene auf dem Flughafen Frankfurt-Hahn.


"Rudi" (war: "Rocky")


Aus Anlass des letzten Tags der deutschen Einheit entschließt sich Alfons "Apollo" Krieg (Till Schweiger), seines Zeichens deutscher Meister im Halma, einem namenlosen Spieler die Chance zu einem Titelkampf zu geben. Die Wahl fällt auf Rudi Ochsenknecht, den "westfälischen Ochsen". Dieser beginnt daraufhin unter Anleitung von Paule (Jens Riewa) ein hartes Training in einem Schlachthof. Besonderes Augenmerk bei der Vorbereitung gilt dabei dem Wurf der Halmafiguren gegen ausgenommene Kaninchenhälften (wegen Einwänden von Tierschützern aber nur Attrappen aus Tofu!). Nebenher verliebt sich Rudi in Andrea (Iris Berben), Paulchens schüchterne Schwester, wobei die beiden über ihre gemeinsame Liebe zu einem Goldhamster zueinanderfinden. Im entscheidenden Spiel gegen Alfons Krieg gewinnt Rudi nur äußerst knapp in der zwölften Runde. Beglückwünschung durch den Bundespräsidenten (hervorragend gespielt von Christian Wulff).


"Hoher Mittag" (war: "High Noon")


Der Sozialarbeiter Willy Kehn (Till Schweiger) ist in seinem Kiez sehr angesehen. Heute freut er sich auf seine Hochzeit mit Amelie (Iris Berben), der Vorsitzenden der örtlichen Tierschutzgruppe. Doch wie durchsickert, soll gegen Mittag mit der S-Bahn Frank Müller (Jens Riewa) anreisen, ein mit seiner Resozialisierung unzufriedener Mitarbeiter im offenen Strafvollzug, um mit Willy Kehn einige Probleme auszudiskutieren. Das Kiez scheint den Sozialarbeiter bei seinen Bemühungen zuerst unterstützen zu wollen, distanziert sich dann aber schrittweise von ihm. Willy Kehn lädt daraufhin Frank Müller und seine Kumpels zu sich auf einen Jasmin-Tee ein. Nur durch Eingreifen seiner Verlobten in das Beratungsgespräch kann er seine Schützlinge von einem Engagement im Umweltschutz überzeugen. Das junge Ehepaar fährt nach getaner Arbeit in die Flitterwochen nach Mallorca.




Landwirtschaft: Chance oder Risiko?





                  24. September 2011, von Ulrich Wille





Kürzlich kehrte unser „Zeitpirat“ Ragnar Danneskjöld von einer Reise ins Jahr 8003 v. Chr. zurück. Er hatte ein hirschledernes Flugblatt der Organisation „Grünkern“ ergattert, dessen Text sich als geradezu beklemmend aktuell erwies und deshalb hier erstmalig und exklusiv veröffentlicht wird:


Schweine ohne Haare, Wölfe, die den Menschen aus der Hand fressen, flugunfähige Vögel im Hinterhof, ganze Landstriche, die nur von Getreide bewachsen sind? Das sind keine Horror-Phantasien skeptischer Domestizierungsgegner, sondern tatsächliche Produkte aus der Landwirtschaft. Ginge es nach dem Willen der Agrarindustrie, wären landwirtschaftlich angebaute Lebensmittel längst die Regel, und domestizierte Pflanzen hätten sich längst in unserer Umwelt ausgebreitet. Dabei kann niemand abschätzen, wie sich die Eingriffe in den Naturkreislauf auf Mensch und Umwelt auswirken.


Bei der sogenannten „Züchtung“ von Pflanzen und Tieren werden Organismen mit für die Agrarbosse erwünschten Eigenschaften ausgesondert und gezielt miteinander „gekreuzt“, in der Hoffnung, dass die „vorteilhaften“ (d.h. profitbringenden!) Eigenschaften in die nächste Generation weitervererbt werden. Dabei ist nicht bekannt, wie viele für den Menschen und die Umwelt schädliche Eigenschaften mitvererbt werden!


Ackerbau und Viehzucht unterscheiden sich in ihren Methoden deutlich vom normalen Jagen und Sammeln. Ob zum Beispiel ein Brot sicher ist, das aus landwirtschaftlich angebautem Getreide gebacken wurde, oder ob gezüchtete Organismen die Umwelt schädigen, kann niemand im Voraus beurteilen.


Deswegen ist Grünkern aus Vorsorgegründen gegen die Freisetzung von landwirtschaftlich angebauten Organismen. Ansonsten werden die Verbraucher zu Versuchskaninchen und die Natur zum riesigen Versuchslabor.


Doch wem nützt die Landwirtschaft eigentlich? Die Agrarindustrie erhofft sich große Profite. Sie will mit den Agrarpflanzen die Herstellung unserer Nahrungsmittel kontrollieren. Vom Feld bis auf unsere Teller!“


Durch dieses frühe Zeugnis ökologischen Verantwortungsbewusstseins neugierig geworden, beauftragten wir unseren Zeitpiraten mit einer erneuten Reise in die Zeit der Neolithischen Revolution, um weitere Forschungen über diese Zeit durchzuführen.


Eine weite Hügellandschaft verbirgt den Eingang zur Steinhöhle, die das Institut für Agrartechnik beherbergt. Hier bin ich mit Prof. Feuerstein verabredet, dem Leiter des Instituts und Erfinder der Selektions-Kreuzungs-Technik (SKT), im Volksmund auch „Züchtung“ genannt. Am Eingang der Höhle tritt er mir entgegen: ein untersetzter Zwanziger im Lendenschurz mit schütterem Haar und festem Händedruck. Die Strapazen um die öffentliche Diskussion der letzten Zeit sind ihm ins Gesicht geschrieben.


Natürlich spreche ich ihn sofort auf das Flugblatt an. „Ach ja, die Grünkerns“, seufzt er. „Wissen sie, eigentlich bin ich ja auch dagegen, dass der Mensch allzu sehr in die Schöpfung eingreift. Was ich zum Beispiel ganz entschieden ablehne, sind Cross-Spezies-Kreuzungen, bei denen aus zwei unterschiedlichen Tier- oder Pflanzenarten eine ganz neue Spezies entstehen soll. Damit maßt sich der Mensch eine göttinnengleiche Macht über die Natur an, die ihm einfach nicht zusteht. Auch der Entwicklung neuartiger Drogen durch landwirtschaftliche Methoden muss natürlich ganz entschieden ein Riegel vorgeschoben werden.


Auf der anderen Seite muss man aber doch auch die Vorteile der neuen Züchtungstechnologien sehen: Wahrscheinlich wird die breite Einführung der Landwirtschaft das Ernährungsproblem lösen! Schon jetzt gibt es 6 Millionen Menschen auf der Welt und ihre Zahl steigt ständig! Wie will man diese Bevölkerungsexplosion in den Griff bekommen? Man braucht sich ja nur die riesigen Berge von Müll in der Nähe jeder von Menschen bewohnten Höhle anzusehen, um zu erkennen, dass es eigentlich jetzt schon viel zu viele Menschen auf der Welt gibt! Seit der Entdeckung des Feuers hat die Naturzerstörung durch den Menschen ungeahnte Ausmaße angenommen!


Durch die angeblich „friedliche“ Nutzung des Feuers hat sich das Klima auf der Erde immer mehr erwärmt. Dadurch wird die Entstehung von Eiszeiten, die sonst für eine natürliche Regulierung der Bevölkerungszahlen sorgen würden, verhindert! Um so viele Menschen zu ernähren, müssen wir einfach neue, sanfte Technologien entwickeln, und dazu gehört eine, natürlich streng reglementierte und einem ständigen öffentlichen Diskurs unterworfene Landwirtschaft. Vor allem aber ist es wichtig, dass wir langfristig den Ausstieg aus dem Feuer planen. Wenn ich jetzt schon höre, dass es unter jungen Leuten neuerdings Mode geworden ist, Mahlzeiten mit Feuer zu behandeln, weil sie dann angeblich „besser schmecken“ und „leichter verdaulich sind“, während andere hungern müssen, dann fällt mir nichts mehr ein, das ist einfach nur noch dekadent!“


Richtig in Rage hat sich der Professor geredet. Zur Beruhigung zeigt er mir seine Versuchsfelder. Ich erblicke wogenden Weizen in der Abendsonne, nichts, was an die Horrorszenarien des Flugblattes erinnert. „Das sollten sich die Grünkernaktivisten einmal ansehen, dann wüssten sie, dass ich im Grunde doch auf ihrer Seite bin“, sagt er versonnen.

Alles Quatsch“ kontert Grünkern-Chefin Britta Beerensammler, mit der ich mich kurz darauf im Hauptquartier der frühzeitlichen Umweltgruppe treffe.


Dieses Gerede von der Bekämpfung des Hungers durch Landwirtschaft! Die Menschen in den ärmeren Regionen, vor allem in Europa, können sich das Agrar-Food doch ohnehin nicht leisten! Durch uniforme Agrarpflanzen wird das Problem noch verschärft, weil die Kontrolle über die Nahrung dann in den Händen der Bauern [abfällige Bezeichnung für die Inhaber von Agrarkonzernen, die Red.] liegt. Sie zerstören die Artenvielfalt und damit die natürliche Grundlage unserer Ernährung. Niemand weiß, was passiert, wenn die landwirtschaftlich erzeugten Produkte ausbrechen und sich mit wilden Organismen vermischen!“ Wie Grünkern denn die Ausbreitung der Landwirtschaft und die Bevölkerungsexplosion verhindern will, frage ich. „Wir arbeiten an der Entwicklung neuer Konzepte, über die ich aber hier noch nicht allzu viel verraten will. Unser neues Projekt STAAT („Solidarisch-territoriale Aktion abgabenpflichtiger Teilhaber“) verspricht jedoch, ein Meilenstein bei der Entwicklung des Menschengeschlechts zu werden!“




Muckenichs letztes Wort in dieser Sache



                      20. Februar 1880, aus Berliner Wespen





Hochverehrter un dreizehnter Leo!


Wie ick eben von Schnabelkopp höre, -- det is derselbe Schnabelkopp, der mit Henneberg un Hackmeier zusammen bei Klüthe die Jermania mitliest, Sie werden ihn aber trotzdem nich kennen, -- also wie mir dieser Schnabelkopp sagt, haben Sie sich in einem öffentlichen Actenstück jejen die Auflöslichkeit der Ehe ausjesprochen, indem Sie sagen, daß die Ehescheidung die Jesellschaft zerstört. Also es soll nich jeschieden werden, un wenn sich Mann un Frau uf'n Kopp stellen.


Ick nehme an, daß Sie sich noch herumkriejen lassen, indem es ja keene Kunst is, immer auf seine Hinterbeene zu stehen un keene kalte Füße zu kriegen, was nie was Jutes im Jefolge hat. Ick bin nämlich für Scheidung. Denn wenn zwee Leute sich jeirrt haben un sich nich mehr sehen können, oder wenn die Frau ehemannzipirt is un ihren Siegfried hörnt, oder wenn der Jatte heimlich einer Anderen treu is, denn muß man wieder auseinander können. Det sagt Jeder vernünftige Mensch, der seine fünf Sinne zu verzehren hat.


Nehmen Sie zum Exempel an, Ihre jeehrte Frau Jemahlin, die ick ja nich zu kennen das Vergnügen habe, so daß mir der sämmtliche Dolus fehlt, ick sage also, Ihre jeehrte Frau Jemahlin hinterjeht Sie, indem sie mit einem Cardinal, der wie Kind im Vatikan is, hinter Ihrem jeheiligten Rücken allerlei Stelldicheine hat, so daß es schon alle Dompfaffen von die Dächer zwitschern. Oder Ihre jeehrte Frau Jemahlin verschwendet Ihren sauer erworbenen Peterspfennig für den luxuseriösesten Staat, der ja noch immer nich von der Kirche jetrennt is, indem sie, während Sie sich bekanntlich hungrig uf Stroh wälzen, von einem Modeladen in den anderen jeht un Sammt un Seide un Handschuhe mit zwölf echte Knopflöcher trägt. Oder Ihre jeehrte Frau Jemahlin -- ick wiederhole, daß ick sie nich kenne! -- brennt Ihnen böswillig durch, un Sie fühlen sich im Schooße des Cardinal-Collegiums einsam un wollen wieder, wie unser Schiller so schön sagt, den Himmel offen sehen un det Schönste auf den Fluren suchen. Is es in alle diese Fälle nich nöthig wie das liebe Brod, daß Sie jeschieden werden?


Sie werden dies einsehen, verehrungswürdigstes un allerdreizehntstes Oberhaupt, un sich die Sache nochmal reiflich überlejen. Ick bin für Scheidung un jeder Vernünftige jleichfalls un es is ja ooch das Beste. Mit den besten Jrüßen an Ihre jeehrte Frau Jemahlin, die ick, wie jesagt, nich kenne,


Ihr erjebenster
Muckenich.


Nachschrift. Um Jottes Willen, eben sagt mir Schnabelkopp, daß Sie ja als heiliger Vater, Papst un Oberhirte ledig sind und keene Frau haben. Da nehme ick natürlich Allens zurück un finde es sehr natürlich, daß sie jejen die Löslichkeit der Ehe sind. Wie ick Jungjeselle war, habe ick ooch so gesprochen wie Sie!



Der Obige.



Ein anderes Wetter ist möglich




                  20. September 2011, von Henning Helmhusen





Die Kritik am Wetter ist so alt wie die Menschheit. Wohl jeder kennt aus seinem Bekanntenkreis Sprüche wie "so ein Sauwetter" oder "das ist ja überhaupt kein richtiger Sommer". Aber bis vor kurzem verhallten derartige Äußerungen des Volkszorns ungehört. Das Wetter nahm seinen Lauf. Und der deutsche Michel beruhigte sein Gewissen, dass er daran sowieso nichts ändern kann.


Doch nun tut sich etwas. Eine neue soziale Bewegung nimmt das Land im Sturm ein: die Wetterbewegung. Ihre Hauptforderung: Die Bürger sollen das Wetter nicht mehr einfach hinnehmen, sondern demokratisch selbst gestalten. Schließlich gebe es Alternativen zum herrschenden Wetter-Regime. Dazu verweist Pfarrer Bremse, einer der Organisatoren der Sonntagsdemos in Regensburg, auf die Vergangenheit. "Sogar beim Kaiser gab es Kaiserwetter. Wir sind heute gesellschaftlich viel weiter. Und da soll das etwa nicht gehen?"


Er steht mit seiner Meinung nicht alleine, denn mittlerweile haben sich Millionen den Protesten angeschlossen, die im Großen und Ganzen friedlich verlaufen. Es gibt allerdings Ausnahmen wie die Zerstörung von Wetterhäuschen durch radikale Antimeteorologen, von denen sich die Wetterbewegung aber bei allem Wohlwollen auf das entschiedenste distanziert: "Wir sind keine Wetterfeinde, wir sind Wetterskeptiker. Unser Ziel ist ein anderes Wetter. Die Gewalt haben nicht die zu verantworten, die das als einzige Möglichkeit sehen, ihre Ohnmacht auszudrücken, sondern die, die den berechtigten Forderungen nicht schnell genug nachkommen."


Für die Kanzlerin ist die Wetterbewegung zu einem ernsten Problem geworden. Hatte sich ihr Vorgänger Schröder noch im Protest gegen vom Wetter angerichtete Überschwemmungen gesonnt, so hat der Wind nun gedreht. Selbst seine Ankündigung, bald wieder eine Schön-Wetter-Politik zu machen, ja sogar DGB-Chef Sommer zum Bundeswetterbeauftragten zu ernennen, wurden von der Wetterbewegung kritisch kommentiert. Besonders übel wird vielen heute politisch Aktiven angekreidet, dass sie noch 1968 unter der Parole "alle reden vom Wetter, wir nicht" angetreten sind.


Selbstverständlich versuchen auch extreme Parteien die neue Volksbewegung für sich zu vereinnahmen. So verweist die Linkspartei darauf, dass Regen bislang unter dem Kapitalismus vorgekommen ist und eine Lösung des Problems deshalb erst von einer umfassenden gesellschaftlichen Umgestaltung zu erwarten sei. Wesentlich populistischer hier die NPD, die Ressentiments gegen ausländische Wolken schürt. Diese kämen völlig ungehindert über die Grenzen und zerstörten "unser deutsches Wetter".


Aber die Wut im Volk ist trotzdem echt und ehrlich. Und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Politik hier aktiv werden muss. Um genügend Druck von der Basis für gutes Wetter aufzubauen, sollen die Sonntagsdemos deshalb vorerst weitergehen und sogar ausgebaut werden. Wie die Organisatoren ankündigen, läuft alles auf einen "heißen Herbst" hinaus. Als unvoreingenommener Journalist kann man da nur zu massenhafter Teilnahme aufrufen.




Global denken, beschränkt handeln




                  18. September 2011, von Marco „Che“ Bummmelmann





Das Wichtigste sind immer die Zusammenhänge. Das ist wenigstens meine Meinung. Denn ohne die Zusammenhänge verstehen die Leute überhaupt nicht, wie die Sachen zusammenhängen – besonders wenn es um den Neoliberalismus geht. Wieviel da noch zu tun bleibt, sieht man vielleicht an folgender Szene aus unserer Anti-Hedgefondsgruppe von vor einer Woche.


Um nicht missverstanden zu werden: Ich habe das nicht mitgeschnitten, und deshalb ist es etwas aus dem Kopf. Aber der Sinn stimmt schon irgendwie. Es fing jedenfalls damit an, daß wir überlegt haben, wie wir den allgegenwärtigen Neoliberalismus anprangern können, damit die Leute überhaupt etwas davon merken. Und wie wir aktiv werden.


Marco: Wir dürfen nicht einfach nur rumlabern. Wir müssen was tun!


Juppes: Aber was denn, Che? Das ist doch selbst wieder Gelaber, wenn keiner eine Idee hat.


Marco: Es gibt tausend Ideen!


Juppes: Welche denn?


Marco (entnervt): Meine Güte, ich kann doch nicht alle für Dich herzählen!


Juppes: Los, sag wenigstens eine.


Marco (überlegt einen Augenblick): Halt irgendeine medienwirksame Aktion, so dass drüber diskutiert wird. Das entwickelt dann eine Eigendynamik, und wir können unsere Argumente rüberbringen.


Juppes: Und was genau?


Marco: Auf jeden Fall etwas Großes, was gut reinzieht. Oder willst Du hier nur im stillen Kämmerlein rumlabern?


Juppes: Nein. Aber –


Suse (versucht zu schlichten): Vielleicht können wir ja etwas aus dem einen Aktionsvorschlag vom Anti-Hedgefonds-Netzwerk machen?


Juppes: Weiß nicht, was Du meinst. Normalerweise schreiben die doch nur, dass wir von der Basis uns Aktionen ausdenken sollen.


Suse: Ich mein den mit dem Boykott von "From Dusk till Dawn".


Juppes (verwirrt): Hä? Warum das denn?


Suse: Das ist eine bundesweite Aktion gegen den Neoliberalismus.


Juppes: Und warum?


Marco: Warum, warum. Die haben sich bestimmt was dabei gedacht! Das ist doch wegen …


Suse: Genau. Das ist wegen … also ... (fängt an in ihrer Handtasche zu kramen) … ich hab mir das noch kopiert, weil ich das ganz gut fand … warte mal … (sie sucht weiter) … ah, hier!


Juppes: Und was steht da jetzt?


Suse: Also hier steht, dass wir "From Dusk till Dawn" boykottieren sollen, weil diese Salma Hayek da mitspielt.


Juppes: Ja, und? Ich finde die eigentlich ganz sexy.


Suse (empört): Was bist Du nur für ein Macho! Du würdest so was nie über einen Mann sagen!


Juppes (kleinlaut): 'Tschuldigung, sollte nur ein Witz sein. Verstehe aber immer noch nicht, wieso wir den Film boykottieren sollen.


Marco: Auf welchem Stern lebst Du eigentlich? Die Hayek hat doch das Buch "Der lange Marsch zur Knechtschaft" geschrieben. Da geht’s drum, wie die Neoliberalen die ganze Welt unterjochen wollen. Na, klingelt’s langsam?


Juppes: Ich dachte, die wäre bloß Schauspielerin.


Marco: Boah, bist Du ein Penner! Und wer Milton Friedman ist, weißt Du wohl auch nicht?


Juppes (in die Enge getrieben): Ich bin doch nicht doof! Das ist der mit dem Rumkoksen und den Nutten, der zur Strafe jetzt die Schäfer heiraten musste. – Und trotzdem glaub ich nicht, dass die Hayek so eine Neoliberale ist. Wie soll die überhaupt dazu kommen? Die ist doch Mexikanerin, die besonders unter der Globalisierung leiden.


Suse: Und als Frau, vergiss das mal bitte nicht!


Marco: Aber darin liegt doch grade der Zynismus dieser ganzen Globalisierung. Sogar die Opfer müssen sich zum Handlanger machen. – Zuerst ist die Hayek nach Hollywood gelockt worden, um sich von den Filmmultis ausbeuten zu lassen. Und dann hat sie sich wohl an das Leben in dieser Schickeria gewöhnt und plappert jetzt den ganzen neoliberalen Müll nach. Aber das ändert nichts dran, dass das Müll ist. – Also ich finde einen Boykott sehr sinnvoll.


Suse: Ich auch. Hab den Film sowieso schon dreimal gesehen.


Juppes: Okay, ahnte ja nicht, was dahintersteckt …


(
Versonnene Pause.)


Suse: Was läuft denn sonst noch?


Marco: Wie? Was läuft denn sonst noch?


Suse: Was sonst im Kino läuft. Ich denke, wir wollen aktiv werden und "From Dusk till Dawn" boykottieren.




Zukunftstechnologie Droschke




                      17. September 2011, von Henning Helmhusen






Manchmal kann man mit den Paralleluniversen ganz schön durcheinander kommen. Deshalb vorweg meine aufrichtige Entschuldigung an die Leser, falls dieser Bericht in die falsche Welt gegangen sein sollte. Doch einerlei, ich muß meine Eindrücke einfach loswerden. Gestern war ich nämlich auf der Internationalen Kutschenausstellung 2011 in Frankfurt und, was sich in diesem für unser Kaiserreich so bedeutenden Wirtschaftszweig tut, ist nichts weniger als beeindruckend.


Eröffnet wurde die Leistungsschau von der Reichskanzlerin, die es sich nicht nehmen ließ, die einleitenden Worte zu sprechen, auch wenn die aktuellen Verstimmungen wegen der unbedachten Äußerungen des italienischen Königs ihre volle Aufmerksamkeit verlangen. In ihrer Rede betonte die mecklenburgisch-vorpommersche Dame, was für eine visionäre Entscheidung es war, 1886 die Weiterentwicklung des sogenannten Automobils durch ein Verbot zu unterbinden und stattdessen auf die Zukunftstechnologie Pferdegespann zu setzen. Das deutsche Kaiserreich habe sich hiermit und durch beherzte Subvention die weltweite Marktführerschaft an der Sonne erworben.


Das dem so ist, davon konnten sich die Besucher bei einem Rundgang über die Ausstellung überzeugen. Ohne mich hier erschöpfen zu können, möchte ich einige der Highlights hervorheben:


Aus Roßburg kommt so etwa das neue Modell von Volkskutsche, eine Überarbeitung des klassischen VK Polos - aber mit vielen neuen Features wie beispielsweise in den Kutschbock eingebaute Airbags oder einem papierbasierten Navigationssystem mit Landkarten. Witzig ist auch die Idee, eigene Editionen des Modells herauszubringen, die nach aktuellen Matineeidolen wie Justin Bismarck oder Freifrau Gaga benannt sind.


Die Bayerischen Fiakerwerke (BFW) hingegen bieten mehr etwas für den sportlichen Kunden. Der neue Offroader Z-Pferd aus dem weißblauen Königreich ist nicht nur rennbahntauglich, sondern schlägt sich auch hervorragend bei Planwagenralleys im offenen Gelände. Dafür ist allerdings die Federung etwas härter eingestellt. Ganz anders da der Opel Arabica aus den Rennställen in Rösselsheim, der nicht nur mit Automatic-Zügeln aufwartet, sondern bei dem man auch sehr detailverliebt darauf geachtet hat, daß die Hufgeräusche in der Fahrgastzelle fast nicht zu hören sind.


Sorgen bereitet der Branche nur die zunehmend harte Konkurrenz von Billig-Rikshas aus dem fernen Osten. So kündigte Royal Tata Carriages einen Einsitzer für unter 1.000 Goldmark an. Ein starkes Argument für diese mit Menschenstärken betriebenen Gefährte ist dabei natürlich die Umwelt. Doch auch hier hat unser Kaiserreich etwas zu bieten. Wie der Vertreter der Vereinigten Königreiche Baden und Württemberg, Winfried von Kretschmann, ausführte, werde in den Sindelfinger Kutschenfabriken fieberhaft an der Entwicklung von elektrischen Pferden gearbeitet, die kein vegetabiles Futter mehr benötigen und somit das Unwesen der Tränken und Haferstellen in unseren Innenstädten lösen könnten.


Zusammenfassend kann man angesichts des rasanten technischen Fortschritts, wie er sich auf der IKA 2011 zeigte, nur feststellen, daß, wiewohl die deutsche Kutschenindustrie immer wieder tot gesagt wurde, hier eine goldene Zukunft auf das deutsche Kaiserreich zu lauern scheint. Der Kurs bleibt der alte, und nun volle Pferdekraft voraus!




Die Renaissance des guten Tons



                      1896, von Julius Stettenheim




Es ist leider nicht mehr in Abrede zu stellen, daß sich in den persönlichen Verkehr ein Ton eingeschlichen hat, der wegen seiner Plumpheit kaum noch zu ertragen ist. Namentlich nicht für das gebildete Ohr und den geläuterten Geschmack, die gezwungen sind, sich hülflos beleidigen zu lassen. Ich glaube daher, daß es die höchste Zeit ist, eine Umkehr anzubahnen und zur Aufbesserung des herrschenden Tons Vorschläge zu machen, welche zum ersehnten Ziele führen können. Es ist zuerst der Versuch anzustellen, den Ausdruck da zu mildern, wo er durch seine Unverblümtheit das feinere Gefühl verletzt, während die Milderung an dem, was gesagt werden soll, nichts ändern, aber doch wenigstens salonfähig gestaltet wird.


Wie ich es verstanden wissen will, mögen Beispiele erläutern.


Wenn man z. B. einem Dummkopf sagen will und sagt, er habe das Pulver nicht erfunden, so klingt das grob und ist dies ja auch. Viel feiner aber klingt es und drückt doch dasselbe aus, wenn man, vielleicht mit einer Verbeugung, erklärt: "Ach verzeihen Sie meinem schlechten Personengedächtnis, ich hielt Sie irrthümlich für Berthold Schwarz."


"Sie sind ein Theekessel!" klingt ganz gewiß beleidigend. Wenn man statt dessen sagte: "Ich habe gehört, daß Sie singen können," so drückt man dasselbe aus, ohne daß der Beleidigte irgend etwas erwidern kann, wodurch die Aeußerung einiges von ihrer Schärfe verlöre.


Wie entsetzlich klingt das Wort: "Sie Ochse!" Man kennt auch die unausbleiblichen Folgen. Wer dafür das Wort: "Sie Entführer Europas!" setzt, wird sich die Folgen vom Leibe halten und doch nach Wunsch grob gewesen sein.


Wird man durch schlechtes Klavierspiel gepeinigt, so wäre es immerhin verwerflich, dem armen Pianisten zu sagen, er spiele wie ein Schuster. Erklärt man aber, er spiele wie Hans Sachs, so wird der gleichfalls geschädigte Ohrenzeuge wohl wissen, was dies bedeutet, während der Klavierspieler sich vielleicht geschmeichelt fühlt und erst nach einigen Tagen durch Anfragen bei Literaturkennern erfährt, daß Hans Sachs nicht Klavier spielte, aber ein Schuster gewesen sei.


"Sie sind ein Schwätzer!" klingt gleichfalls schrecklich und beleidigt. Gegen die Behauptung aber: "Sie sind vielleicht ein großer Stratege, indeß kein Moltke" kann Niemand etwas einzuwenden haben, denn es ist kein Verbrechen, nicht Moltke zu sein.


Wie roh klingt der Zuruf: "Sie sind ein Lump!" Wie viel zarter der Zuruf: "Sie sind bescheiden!" Wer Goethe's Faust kennt, wird aber wissen, was der Wüthende hat schelten wollen. Auch wer für: "Sie Kameel!" "Sie Schiff der Wüste!" schilt, wird weniger den guten Ton verletzt haben.


In Gegenwart der Mutter und anderer Familienmitglieder nenne man ein Kind nicht Ferkel, um sie nicht mehr als das Kind zu beleidigen. Man streichle das Kind, als wäre es ein junges Glück. Es ist das, wie man nach einigem Nachdenken finden wird, ganz dasselbe und doch wenigstens für den ersten Moment durchaus nicht verletzend.


Will man einem Erzähler klar machen, daß man das Erzählte für Lüge hält, so unterlasse man es, dies Wort zu gebrauchen. Man behaupte dafür, selten so viel Kurzbeiniges gehört zu haben.


Man unterlasse es, einem Gast zu sagen, seine Tischrede währe zu lang. Das muß ja einen Redner auf das Tiefste kränken. Ebenso grob und doch freundlich ist es, statt dessen ihm zuzurufen: "Ihre Rede wird gut."


Will man gegen Jemand behaupten, daß das, was er gesagt habe, Wahnsinn sei, so schmeichle man ihm durch die Bemerkung, welche genau dasselbe behauptet: "Was Sie vorbringen, hat doch Methode."


Jede Tafelrunde wird entrüstet und jede fröhliche Stimmung zerstört sein, wenn man seinem Tischnachbar einen Esel aufbrummte. Entrüstung und Zerstörung aber wären vermieden, wenn man statt Esel sagte: "Herr, wir, Ihre beiden Nachbarn zur Rechten und Linken, sind keine Heubündel!" Will man Jemand sagen, daß er ein Thor sei, so kleide man das in die Schmeichelei: "Sie gehören an den ersten Platz in der Stadt."


Es ist ja schlimm, gelangweilt zu werden. Aber wir sollten dies doch nicht Jedem in's Gesicht schleudern, der uns diese Langeweile zufügt. Höflicher klingt es doch jedenfalls, wenn man freundlich erklärt: "Obschon wir erst eine Stunde zusammen sind, so ist es mir doch, als verkehrte ich schon sechs Monate lang mit Ihnen." Man wird zugeben, daß der Langweilige durch diese Worte eher erfreut als verblüfft sein wird.


Darf man einem Weibe sagen, sie sei eine Hexe, auch wenn sie dies ist? Nein. Aber wenn man die Worte anwendet: "Ihrem Dialekt nach zu urtheilen, sind Sie in der Nähe des Blocksberges zu Hause," so kann diese Grobheit sogar sehr harmlos und freundlich klingen.


Aber das soll nur eine Anregung sein, Jeder wird meinen Plan weiter ausbauen und so zur Renaissance des guten Tons beitragen können.



Satan sei mit Euch




                      13. September 2011, von Henning Helmhusen





Die alljährlichen Kirchentage sind in aller Munde. Wenig bekannt blieb bislang hingegen der ebenfalls jährlich stattfindende Deutsche Satanistentag. Vom 28. August bis zum 4. September war es wieder so weit. In Stuttgart gaben sich die Teufelsjünger unter dem Zeichen des Drudenfußes ein Stelldichein. Durch die ganze Stadt wimmelte es von jungen Leuten mit den offiziellen schwarzen Halstüchern mit der Aufschrift "Mehr Gewalt". Die meisten hatten aus dem Anlass schulfrei bekommen.

Nach einleitenden Worten des Ex-Ministerpräsidenten Ernst Teufel wurde der Satanistentag dann mit einer ökumenischen schwarzen Messe eröffnet. Hier wurden die althergebrachten Rituale gemeinsam mit Landesbischöfin Margot Käßmann und Gegenpapst Eugen Drewermann zelebriert. Wie der Religionswissenschaftler Hans Küng ausführte, könne es keinen Weltfrieden geben, wenn nicht alle Glaubensbekenntnisse sich gegenseitig verstünden. In gleichem Sinne äußerten sich auch Sting, die No Angels, Xavier Naidoo und Bundespräsident Christian Wulff.


Nach diesem Auftakt verteilte sich der Satanistentag auf viele kleine Veranstaltungen, in denen Basisinitiativen ihre jeweiligen Anliegen der Öffentlichkeit vorstellten. Eine der Forderungen, die immer wieder anklang, war dabei, dass die Teufelsanbetung den anderen Religionen gleichgestellt werden solle. Die Forderungen der Satanisten klingen hier eigentlich vertraut: Satanismus als gleichberechtigtes Fach an den Schulen neben dem normalen Religionsunterricht, eine paritätische Besetzung des "Wortes zum Sonntag" auch durch Teufelsjünger sowie die staatliche Subventionierung karitativer Einrichtungen wie des Notfalldienstes "Roter Drudenfuß" (Rufnummer: 666).


Aber es gab auch kritische Stimmen gegen den Amts-Teufelskult. So beklagte eine Gruppe mit dem Namen "Kritische Satanisten", dass viel zu wenig Aufmerksamkeit auf den Kampf gegen die "ungerechte Weltwirtschaftsordnung" verwandt werde, in der der Neoliberalismus ungezählte Leiden verhindere. Trotz solcher Misstöne fassten sich am Abschlusstag die versammelten Teufelsjünger doch bei den Händen und sangen gemeinsam alte Choräle wie "Sympathy for the Devil" oder "Highway to Hell". Dann strömten sie hinaus, um etwas des Gemeinschaftsgefühls in ihre Zirkel zu Hause zu tragen. Bis ins nächste Jahr dann.




Kritische Solidarität mit Amiland – eine Fernsehdiskussion





                      11. September 2011 (geschrieben 2001), von Henning Helmhusen





Moderator: Bevor wir anfangen, möchte ich unser Mitgefühl mit den Opfern der unbegreiflichen Anschläge in New York aussprechen - aber auch mit den Menschen in der islamischen Welt, die vielleicht schon bald wieder Opfer von amerikanischen Anschlägen werden könnten.


Peter: Seit Jahren habe ich das vorhergesagt. Aber keiner wollte auf mich hören. Die arabischen Mojremin haben sich nun mit den islamischen Majanin zusammengeschlossen. Wie weit das geht, kann man daran sehen, daß Bin Laden vor kurzem Mullah Omar zum Ahmaq ernannt und der sich umgekehrt mit der Erhebung zum Pesar-e Fahesche revanchiert hat.


Ulrich: Der Witz dabei ist ja auch, daß die Amis das noch selbst finanziert haben. Während des zweiten Weltkriegs haben sie die Sowjets massiv gegen Hitler aufgerüstet. Ohne diese Hilfe hätten die später nie in Afghanistan einmarschieren können, was letztlich zu Bin Laden geführt hat.


Rupert: Und jetzt machen die Amis schon wieder dasselbe mit den Abwürfen von Essenspaketen. Das bringt doch die Hungernden eher in Gefahr. Wenn man zum Beispiel mehrfach solche Abwürfe macht, können die Pakete genau auf die Pakete des letzten Abwurfs fallen und sich so immer höher stapeln. Und wenn dann jemand das nicht merkt und unten eines rauszieht, bricht alles in sich zusammen, und er wird davon erdrückt.


Hans-Christian: Das auch. Aber wichtiger ist noch, daß wir bei aller Solidarität auf die Amis einwirken, daß sie nicht aus primitiven Rachegelüsten Millionen Moslems umbringen.


Don: Als Demokrat bin ich prinzipiell gegen Bush. Aber das geht mir jetzt doch etwas zu weit.


Horst-Eberhard: Ich wehre mich dagegen, daß Sie jetzt mit dem Totschlagsargument "Antiamerikanismus" operieren. Nur weil jemand gegen diesen ungehemmten amerikanischen Kapitalismus mit seiner Freiheit von Coca-Cola und McDonald's ist, ist er doch noch lange nicht antiamerikanisch.


Ulli: Genau. Die Amis tun gerade so, als wenn jemand, der sein Leben verteidigt, "gut" und jemand, der ein paar Tausend Leute umbringt, "böse" wäre. Von den Denkstrukturen her ist das doch eigentlich genau dasselbe wie bei Bin Laden. Ich finde sowas zutiefst unmoralisch, wenn Leute glauben, es gäbe "gut" und "böse".


Roger: Bei mir evoziert das alles eher die Ästhetik eines viertklassigen Western, was dieser Texaner Bush da inszeniert. Als wenn das hier "High Noon" wäre, wo sinnlos rumgeballert wird.


Moderator: Sie nicken so. Ist das auch ihre Meinung?


Gina: Ähm. Ich war eigentlich zum Thema "Ende der Spaßgesellschaft" eingeladen. Aber dann kam das in Amerika dazwischen. Was ich nur sagen wollte, ist, daß es in Deutschland sehr schwer ist, als richtige Schauspielerin ernst genommen zu werden. Nur weil ich in fünfzig Erotikfilmen mitgespielt habe, werde ich gerade von Emanzen sofort in eine Schublade gesteckt.


Alice: Meine Liebe! Immerhin habe ich als eine der ersten dafür gekämpft, daß sich die Frauen im Iran entblößen dürfen. Es geht darum, daß Männer nicht bestimmen dürfen, was Frauen zeigen können und was nicht. Das dürfen nur Frauen!


Heidemarie: Das Grundproblem ist aber doch, daß wir eine ungerechte Weltwirtschaftsordnung haben. Wer ersetzt denn den Moslems den Verdienst und die Kosten, wenn sie demonstrieren und amerikanische Flaggen verbrennen? Und das führt dann zu Armut, Verzweiflung und Gewalt.


Antje: Und Gewalt erzeugt immer Gegengewalt. Wenn ich jemand angreife und der bringt mich um, dann fängt zwischen uns eine Gewaltspirale an, die, wenn wir uns nicht entscheiden, irgendwann einfach aufzuhören, bis hin zum Dritten Weltkrieg eskalieren könnte. Ich finde, wir müssen uns jetzt unbedingt dieser Logik des Krieges entziehen und ent-schleunigen.


An dieser Stelle wurde die Diskussionsrunde von Zuschauern gestört, die Laken mit Aufschriften wie "Kein Blut für Schwarzen Afghanen" ins Bild hielten. Der Moderator brach daraufhin die Sendung ab und bedankte sich bei den Demonstranten für ihr Engagement.



Atmen erste Bürgerpflicht




                      10. September 2011, von Henning Helmhusen





Das kleine Kind des Politikers war gerade in seiner Warum-Phase.


"Warum darf ich mir keine Plastiktüte über den Kopf ziehen, Papa?"


"Weil Du dann erstickst."


"Warum darf ich nicht ersticken?"


"Weil man atmen muß."


"Warum muß ich atmen?"


Der Politiker erschrak. Daran hatte er noch nicht gedacht: Es gab kein Gesetz, das den Bürgern das Atmen vorschrieb. Man konnte nur von Glück sagen, daß noch nicht viele erstickt waren. Oder waren es wirklich nicht viele? Vielleicht lauerte hier ein großes Problem.


Der Politiker ging also sofort ans Werk und veranlaßte, daß eine Untersuchungskommission eingesetzt wurde. Die Ergebnisse der Kommission waren erschreckend. Jährlich starben viele Menschen durch Erstickung. Und es gab tatsächlich keine Regelungen, die den Bürgern eine Pflicht zum Atmen auferlegten. Daß schon morgen massenhaft Menschen das Atmen einstellen würden, konnten die Experten nicht mit absoluter Sicherheit ausschließen. Und deshalb war es höchste Zeit, daß der Staat hier einschritt, bevor Millionen von Opfern zu beklagen wären.


Schnell war ein Gesetz aufgesetzt: das "Bundesgesetz über die ordnungsgemäße Verbringung von Luft in dafür vorgesehene Hohlräume des menschlichen Körpers". Schneller als sonst wurde es in den Bundestag eingebracht, denn jeder war sich der Tragweite bewußt. Entsetzt war der Politiker nur über die Auslassungen eines unbelehrbaren Freiheitsfanatikers in der Debatte. Dieser erdreistete sich doch zu behaupten, daß Menschen ganz von alleine atmen würden und ein solches Gesetz von daher überflüssig sei.


Das konnte der Politiker natürlich nicht auf sich sitzen lassen: "Sie mit Ihrem fundamentalistischen Glauben an die unsichtbare Hand der Natur haben wirklich keinen Grund anzunehmen, daß Menschen von sich aus atmen würden, wenn der Staat hier nicht regulierend eingreift. Es geht um die Opfer und unsere Kinder. Sie mögen vielleicht so herzlos sein und an ihrer überholten Ideologie festhalten. Ich aber möchte nicht in einer Gesellschaft leben, wo Menschen ersticken."


Das saß. Doch dann kam Kritik auch von anderer Seite. Es genüge nicht, einfach nur ein Gesetz zu erlassen, ohne für dessen Durchsetzung zu sorgen. Deshalb müsse es auch Mittel für eine einschlägige Polizei geben. Diese Atempolizei solle bei unangekündigten Kontrollen das ordnungsgemäße Atmen überprüfen und mit einem Punktesystem und Ordnungsgeldern die Bürger zu regelmäßiger Luftaufnahme anhalten. Über von den Bürgern verpflichtend beigeführte Meßgeräte, die mit einem Zentralcomputer verbunden sein sollten, lasse sich auch eine lückenlose Überwachung sicherstellen. Bei Vorliegen einer unregelmäßigen Atmung dürfe hier als letztes Mittel auch eine Zwangsbeatmung nicht ausgeschlossen werden.


Und damit nicht genug. Es gehe auch um Prävention, meldete sich die energische Familienministerin zu Wort. Bereits in den Schulen, ja in den Kindergärten, müsse den Kindern eingeimpft werden, wie wichtig das Atmen ist. Und auch bei den Erwachsenen dürfe man nicht ruhen. In den Medien müsse es zu einer groß angelegten Kampagne "Ich atme gerne" kommen, bei der Prominente die Gefahren des Nicht-Atmens geißelten.


Der Innenminister seinerseits verwies auf die Tätigkeit von atemfeindlichen Organisationen. So werde in dem Machwerk "Außer Atem" eines gewissen Godard bereits im Titel Werbung für die Untergrabung der sauerstöfflich-oxidierten Grundordnung betrieben. Auch das Internet habe etwas damit zu tun. Man komme von daher nicht um eine Vorratsdatenspeicherung herum, auch wenn das einige unbelehrbare Anhänger des "freien" Atmens nicht einsehen wollten.


Der Wirtschaftsminister hatte schließlich auch noch etwas zu sagen. Er stellte die Vorteile einer staatlichen Atemordnung heraus. Schon bald werde Deutschland führend bei Atemtechnologien sein, was uns viele neue Arbeitsplätzen bringen. Und auch die Finanzierung bereite keine Probleme, da diese mit einer Sauerstoffabgabe auf luftige Unternehmen erfolgen könne.


Der Politiker sah das alles ein und verlängerte seinen Gesetzentwurf zu einem kleinen Gesetzbuch. Wegen der hohen Dringlichkeit passierte dieses den Bundestag mit großer Mehrheit. Aber das kleine Kind des Politikers war immer noch in seiner Warum-Phase.


"Warum darf ich mir keine Plastiktüte über den Kopf ziehen, Papa?"


"Weil Du dann erstickst."


"Warum darf ich nicht ersticken?"


"Weil man atmen muß."


"Warum muß ich atmen?"


"Weil sonst die Polizei kommt und Dich bestraft."


"So ein Unsinn!"



Indirecter Steuer-Enthusiasmus





                      1884, von Alexander Moszkowski





Oh, hätten wir in Deutschland doch

An indirecten Steuern noch:


Eine Steuer für Solche, die sich beweiben,

Eine Steuer für Solche, die ledig bleiben,

Eine Steuer für Solche, die Liebe fühlen,

Eine Steuer für Solche, die Geige spielen,

Eine Steuer für Mädchen, eine Steuer für Knaben,

Eine Steuer für Solche, die's Gardemaß haben,

Eine Steuer für die, welche Bärte besitzen,

Eine Steuer auf's Frieren, eine Steuer auf's Schwitzen,

Eine Steuer auf's Trinken, eine Steuer auf's Speisen,

Eine Steuer auf's Wandern, eine Steuer auf's Reisen,

Eine Steuer auf's Schlafen, eine Steuer auf's Wachen,

Eine Steuer auf's Weinen, eine Steuer auf's Lachen,

Eine Steuer auf's Träumen, eine Steuer auf's Denken,

Eine Steuer auf's Nehmen, eine Steuer auf's Schenken,

Eine Steuer auf's Laufen, eine Steuer auf's Rasten,

Eine Steuer auf's Schlemmen, eine Steuer auf's Fasten,

Eine Steuer auf's Fluchen, eine Steuer auf's Beten,

Eine Steuer auf's Schwimmen, eine Steuer auf's Skaten, –


Dann könnte man ja den untersten Classen,

Ein zweites Quartal der directen erlassen!




Niedecken schreibt Rockoper über Helmut Kohl




                      6. September 2011, von Henning Helmhusen




Es war in den letzten Jahren still geworden um Wolfram Niedecken, den legendären Frontmann der kölnischen Rockgruppe BAP. Eine schwere Zeit für die Fans, denn außer einem Fitness-Video (zusammen mit Ute Lemper und Harald Juhnke) gab es seit 'Luxus' kein Lebenszeichen mehr von ihm.


"Ich bin wieder da", mit diesen Worten meldete sich Niedecken nun in einem Exklusiv-Interview für Explosiv Weekend zurück. Und er hat viel vor: So soll bereits in den nächsten Monaten ein Buch mit seinen besten BILD-Kommentaren sowie die CD 'Zins-Jedöngel' mit Songs gegen die wachsende Staatsverschuldung erscheinen.


Das opus magnus des Rockbarden sprengt alles, was man aus dem deutschen Popbereich gewohnt war: Unter dem Arbeitstitel 'Kanzler der Einheit' schreibt Niedecken an einer monumentalen Rockoper über Helmut Kohl. Diese soll auf dem nächsten Arbeitstreffen der Jungen Union Rheinland uraufgeführt werden, bevor sie dann ihre dauernde Bleibe in einem eigens dazu errichteten Freizeitpark in Bergheim findet.


Zum Inhalt der Rockoper will der BAP-Sänger noch nichts verraten. Musikalisch, so lässt er durchblicken, soll aber eine große Palette von Stilen abgedeckt werden. Diese reicht vom Reggae 'Geistig-moralische Wende' bis hin zu harten Grunge-Stücken wie 'Soli-Zuschlag'.


Eingefleischte BAP-Fans wird die Hommage an Helmut Kohl vielleicht irritieren. Niedecken besteht aber darauf, sich treugeblieben zu sein. "Seit meiner Schulzeit unterstütze ich die CDU. Vielleicht liegt es ja an meinem undeutlichen Gesang, dass das keiner gemerkt hat. 'Verdampt lang her' habe ich zum Beispiel auf einer Klassenfahrt zum Grab von Konrad Adenauer geschrieben."


Auch ein anderen Missverständnis klärt Niedecken auf: "Alle denken immer, ich singe Kölsch. Ich habe zwar mal einen Kursus in der Volkshochschule gemacht, aber mein eigentlicher Dialekt ist Sächsisch, wo meine Eltern herstammen. Schon deshalb bin ich Helmut Kohl für den Anschluss der Zone sehr dankbar."




Wie Storch Heinar den Zweiten Weltkrieg gewann





                      4. September 2011, von Henning Helmhusen





Da soll noch einmal jemand behaupten, die Deutschen hätten keinen Humor. Denn jetzt haben die Jusos Mecklenburg-Vorpommern bewiesen, wie falsch das ist. Mit ihrem Maskottchen Storch Heinar wollen sie nämlich dafür sorgen, daß den Wählern der NPD das Lachen im Hals stecken bleibt. Wer versucht, eines der Wortspiele zu verstehen, der verfällt sogleich in einen Starrkrampf, aus dem er sich erst wieder nach dem Wahltag löst. Diejenigen, die es dennoch zur Wahlurne – kostenloser Hinweis: das wäre auch mal ein Wortspiel wert – schaffen, die werden dazu aufgerufen, den Wiedereinzug der NPD in den Landtag durch Nichtwahl der NPD zu verhindern. Darauf muß man erst mal kommen, und hat auch hervorragend funktioniert.


Allein das Maskottchen hat es ja schon in sich. Um dem wenig bekannten Modelabel Thor Steinar zu Breitenwirkung zu verhelfen, hat man hier keine Mühe gescheut, mehrere Buchstaben im Namen Storch Heinar wiederzuverwenden. Und weiter geht es mit dem Maskottchen selbst. Würden sich Neonazis schon tief getroffen fühlen, wenn sie mit einem Storch in Verbindung gebracht werden, so setzt man noch eins drauf: Mit einem Hitlerbärtchen auf dem Schnabel wird geschickt auf Adolf Hitler angespielt, der sich bestimmt in seinem Bombentrichter umdreht, wenn er erfährt, daß der Bart auf und nicht unter seiner Nase montiert ist.


Überhaupt bekommt es der Alt-Reichskanzler von den Jusos in Mecklenburg-Vorpommern ganz schön drüber. So hat man sich für Storch Heinar ausgedacht, daß dieser an einer Froschfleisch-Intoleranz leidet und gerne Eierlikör trinkt, eine subtile Attacke auf den Vegetarier und Anti-Alkoholiker Hitler. Bedarf es hierzu allein schon eines fast übermenschlichen Mutes, sich einer Anzeige wegen Verunglimpfung des Führers auszusetzen, so wird es vollends gewagt bei zwei Wortspielen, die ich wegen ihrer Komplexität dem Leser eingehender erläutern möchte:


Auf einem T-Shirt heißt es da etwa „Braune Szene wegputzen“. Zu sehen ist bei diesem Rebus ein Kopf mit einem Seitenscheitel, in dessen Mund links braune und rechts weiße Zähne prangen, davor eine Zahnbürste mit Zahnpasta. Mit leichtfüßigem Wortwitz soll so darauf aufmerksam gemacht werden, daß die Worte „Szene“ und „Zähne“ bei schludriger Aussprache ähnlich klingen. Ist das allein schon löblich, so wird der Leser überdies auch zum Nachdenken über rechtsextreme Zahnhygiene angeregt. Ähnlich behend sind auch Anspielungen wie „Die Acht am Reim“, das an das Lied aus dem Kaiserreich „Die Wacht am Rhein“ erinnern könnte, oder das „Hose-Weste-Lied“, das vermutlich darauf gemünzt ist, daß Horst Wessel nicht nackt herumlief.


Den Vogel – verzeihen Sie bitte dieses harte Wort! – schießen die Jusos dann allerdings mit dem Neologismus „Grömaz“ ab. Wie Wikipedia erklärt: „Nach dem zu Gunsten von Storch Heinar entschiedenen Prozess über die Verwechslungsgefahr mit der Marke Thor Steinar teilte der Storch beispielsweise mit: „Ich habe im Nürnberger Modeverbrecherprozess meinen Gegner vernichtend geschlagen.“. Damit bezog er sich auf die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse und die im Rechtsextremismus verbreitete kriegerische Rhetorik. Der Storch Heinar bezeichnet sich auch als „Grömaz“ – ein Akronym für Größter Modedesigner aller Zeiten –, ein Verweis auf Hitler, der als Gröfaz verulkt wurde.“


Danke Wikipedia, das hätte man ohne diese Erklärung bestimmt nicht verstanden, und das ist auch wirklich nichts weniger als brilliant. Die Nazis sind nicht etwa Verbrecher, weil sie Raubkriege begonnen sowie Millionen Menschen versklavt und ermordet haben, sondern weil sie uncoole Klamotten trugen, wie beispielsweise Hitlers häßliche, feldgraue Weltkriegsuniform. Mit Storch Heinar wäre das nicht passiert.


Einzige Frage von mir an Storch Heinar: War der Humor der Ärzte zu schöngeistig, als Sie in „Schrei nach Liebe“ die Zeile sangen: „Zwischen Störkraft und den Onkelz steht 'ne Kuschelrock-LP“?





Heiße Trends von der IFA 2011





                      3. September 2011, von Henning Helmhusen





Wer beim Wort "Funkausstellung" nicht sofort an den rasanten Fortgang der Technik denkt, dem ist einfach nicht zu helfen. Für alle anderen möchte ich einige der faszinierenden Entwicklungen vorstellen, die unser Leben in Zukunft revolutionär verändern werden.


Erstaunliches tut sich so zum Beispiel im Haushalt. Es wirkt fast schon wie in einem James-Bond-Film. Wer früher vom Armaturenbrett seines Aston Martin das Durchschütteln des Martinis steuern mußte, kann dies heute ohne große Umstände von seinem Handy aus in Angriff nehmen. Nichts weniger als genial ist auch der Haushaltsroboter eines japanischen Herstellers. Er ermöglicht es dem Anwender, selbst zu kochen. Dazu muß man den Maschinenknecht einfach nur ausschalten. Und auch andere Anwendungen erweisen sich als überaus richtungsweisend. Per Internet läßt sich so ganz einfach die Temperatur von kochendem Wasser abfragen. Auf diese Weise ist man sogar im Urlaub immer auf dem Laufenden und kann die Stereoanlage mitten in der Nacht aufdrehen, damit einen die Nachbarn nicht vergessen.


Wie schon seit langem verschmilzt jetzt plötzlich auch immer mehr Fernsehen und Internet. So ist es zukünftig möglich, Websites bequem vom heimischen Sofa per Eintippen der IP-Adresse auf der Fernbedienung aufzurufen. Ist im Internet mal nichts Neues zu finden, so erscheint nach Abspielen der Nationalhymne ein Testbild, mit dem sich das ordnungsgemäße Funktionieren des Monitors überprüfen läßt. Und es kommt noch besser. Interaktivität heißt hier das Zauberwort. So kann der Zuschauer zukünftig seinen Unmut über eine Sendung sofort loswerden. Dazu muß er nur mit seiner Fernbedienung eine Kritik eintippen, diese mit dem angeschlossenen Drucker auf Papier bannen und schließlich als Brief mit der Post abschicken.


Mehr ein Gadget für Angeber ist hingegen der Blackberririzer. Mit ihm wird es auch für Nicht-Besitzer des namensgebenden Smartphones zum Kinderspiel, Emails mit den typischen Rechtschreibfehlern zu versenden und so seine Mitmenschen zu beeindrucken. Willkürlich werden dabei Groß- und Kleinbuchstaben vertauscht, die Grammatik verstümmelt und sogar hochkomplexe Dreher eingebaut. Aber auch der Erzkonkurrent Apple läßt sich nicht lumpen und wartet mit dem iBall auf. Was auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Fußball aussieht, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als wahres Kommunikationswunder, denn jedes der regelmäßigen Sieben- und Neunecke, aus denen der Ball aufgebaut ist, dient auch als Taste, mit der sich durch geschicktes Treten SMS schreiben und versenden lassen.


Während 3D-Radio schon ein alter Hut ist und keinen Medienpinscher mehr hinter dem Ofen hervorzulocken vermag, setzt sich mittlerweile das viel innovativere 1D-Fernsehen auch zusehends bei den Zusehern in Österreich und der Schweiz durch. Anstatt das Bild von oben nach unten aufzubauen, werden die Zeilen hier nebeneinander angezeigt. Leider sind die Receiver noch unhandlich breit. Doch an einer Verbesserung wird nach Angaben der Hersteller bereits eifrig gearbeitet, sodaß sich die Geräte bald schon in jedem gutsortierten Stadion finden werden. In eine ähnliche Richtung geht auch das Internet-Morsen, mit dem Nutzer ohne Handyanschluß ihre Finger wendig halten können.


Natürlich darf bei so viel Innovation die GEZ nicht fehlen. Nicht allein hat sie sich in „e-GEZ 2.0“ umbenannt, sie wartet auch mit technischen Neuheiten auf. Zum einen stellt sie auf der IFA den neuen "People's Receiver" vor, mit dem sich der Hörer nicht mehr versehentlich zu privaten Sendern verirren kann, weil dieser nur noch ein einziges Programm aus kontrolliertem Anbau überträgt. Zum anderen ist nun auch endlich für jeden Haushalt eine "Sendertransaktionssteuer" fällig, mit der das Channel Hopping drastisch reduziert und der Staatshaushalt im Nu saniert werden soll, ohne daß irgendwer merklich dafür bezahlen müßte.


Freuen wir uns also auf die nächste IFA, wenn es wieder heißt: Fernsehen und Internet verschmelzen immer mehr, jetzt auch in 3D. Und bis dahin kann man uns allen nur „Fernsehen as Fernsehen can“ wünschen!




Krieg ist ziemlich uncool



                  1. September 2011, von Marco „Che“ Bummmelmann





Die Leute haben irgendwie in der Schule nicht aufgepasst. Anders kann ich mir nicht erklären, dass selbst viele in meinem Bekanntenkreis mit einem Datum wie dem 1. September nichts anfangen können.


Ich will natürlich jetzt keine Namen nennen, aber etwas entsetzt war ich schon, als ich mit einer guten Freundin telefonierte und beiläufig fragte, ob sie etwas für den Tag vorhat. "Nein", meinte sie, donnerstags sei in der Stadt sowieso nichts los. Oder gäbs eine angesagte Party?


Eine angesagte Party? Ich war fassungslos und wusste nicht, was ich sagen sollte: "Du denkst immer nur ans Partymachen und an Dich selbst. Aber 1. September ist Anti-Kriegstag! Da müssen wir alle aufstehen, um etwas gegen den Krieg zu machen."


"Aufstehen" war natürlich das falsche Wort, wie ich gleich merkte. Denn sie kam sofort zurück mit: "Wenn Du aufstehst, ist der Tag sowieso schon fast rum. Und was willst Du überhaupt gegen den Krieg machen?"


"Aktiv werden. Flagge zeigen. Die Zusammenhänge aufdecken. Da gibt es vieles."


"Welche Zusammenhänge denn?"


"Na, wie das alles zusammenhängt. Mit Bush und Hitler. Und wie der Kapitalismus letztlich immer zu Krieg und noch mehr Krieg führt."


Nun endlich wurde sie etwas nachdenklich: "Klar, ich finde Krieg auch doof. Aber wir können da sowieso nichts dran machen. Die da oben sind doch am längeren Hebel."


"Wenn die Massen zusammenhalten, dann sind wir aber stärker! -- Und dazu müssen wir die Ursachen beseitigen, die zu Krieg führen."


"Welche Ursachen denn?"


"Das hab ich doch schon gesagt. Hör doch einmal zu! Der Kapitalismus. Du tust grade so, als wenn Dir das alles am Arsch vorbeigeht. Aber wenn die ganzen Hedgefonds alle auf fallende Kurse spekuliert haben, dann treten die einer Marionette wie Bush in den Hintern, damit er einen Krieg macht und die Kurse in den Keller gehen und sie sich eine goldene Nase dran verdienen."


"Ja, stimmt schon. Diese Bänker haben wirklich keine Skrupel. Die gehen ja sogar mit Krawatte aus, auch wenn das total uncool aussieht."


"Und dann führen sie Studiengebühren ein und quetschen Indios in den Anden aus, weil nichts mehr zählt als der maximale Profit."


"Im 'Slam' haben sie auch schon wieder den Preis für das Bier hochgeschraubt. Das ist wirklich alles total zum Kotzen. Und die Türsteher haben ein paar Glatzen reingelassen."


"Siehst Du! Die Zusammenhänge kennst Du doch alle. Aber aktiv werden, dazu bist Du Dir wohl zu fein? Oder was?"


Jetzt hatte ich sie. Oder das dachte ich wenigstens, bis sie wieder anfing: "Hör mal, Che, es ist aber trotzdem Donnerstag. Und da ist nichts mit Aktivwerden. Die Stadt ist total tot."


"Das ist doch genau das Problem an Krieg, dass alles tot ist. -- Und was machst Du am Wochenende?"


"Natürlich ins 'Slam'. Wie immer."


"Dann sehen wir uns wahrscheinlich. Aber denk wirklich noch mal drüber nach. Wir müssen alle gegen Krieg sein."


"Bin ich doch. Ich finde Krieg auch eher uncool."


"Ich auch. Immerhin sind wir uns darüber einig."


"Na, klar. -- Bis Samstag dann. Und pass gut auf Dich auf, Che."


"Bis Samstag."




Die Wasserprobe



                      29. Oktober 1880, aus Berliner Wespen





Wie verlautet, beschäftigt sich das Reichsgesundheitsamt mit Untersuchungen, durch welche festgestellt werden soll, was gutes Trinkwasser ist, und welches die erlaubten Grenzzahlen für die Mengen der gewöhnlichen Wasserbestandtheile sind.


Das Publikum, dem im Allgemeinen die Apparate fehlen, um derartige Untersuchungen anzustellen, wird nun wünschen, in den Besitz eines Verfahrens zu gelangen, durch welches es ohne Hülfsmittel in den Stand gesetzt wird, sich sein Trinkwassser selbstständig zu untersuchen. Wie wir vernehmen, empfiehlt das Reichsgesundheitsamt für diejenigen Kreise, welche mit Berliner Leitungswasser zu thun haben, die folgende Methode.


1) Die Fingerprobe. Man steckt den Finger in das zu prüfende Wasser und sieht zu, ob es beißt. Ist dieses der Fall, so stimmen die oben erwähnten Grenzzahlen nicht, und das Wasser ist zu verwerfen. Bleibt der Finger aber ungebissen, so mache man


2) die Angelprobe. Man wähle den Angelhaken nicht zu groß, also etwa Nr. 7-10. Fängt man etwas mit der Angel, so kann das als ein Beweis für die Unreinheit des Wassers gelten. Liefert aber die Angelprobe ein negatives Resultat, so folgt


3) die Siebprobe. Ist kein Sieb vorhanden, so leistet auch eine Fenstergardine oder ein Zwirnhandschuh gute Dienste. Läßt sich das Wasser trotz aller Anstrengung nicht durchpressen, so ist es verdächtig. Hat die Flüssigkeit aber auch diese Probe zur Zufriedenheit bestanden, so ist gegründete Ursache zu der Annahme vorhanden, daß sich nunmehr nur noch unschädliche Wasserflöhe, Algen und Infusorien darin befinden. Alsdann läßt sich das Wasser unbedenklich zum Waschen, Fußbodensprengen, Kleisteranmachen etc. benutzen, und es wirkt, in dieser Weise verwandt, durchaus nicht mehr gesundheitsschädlich.



Jammern auf höchstem Niveau





                      28. August 2011, von Henning Helmhusen





"Nur gemeinsam sind wir stark", das dachten sich auch die Götter im Himmel und gründeten eine Gewerkschaft, um sich gegen 'die da unten' zu wehren. Dankenswerterweise erhielt ich die Gelegenheit, mich auf dem ersten Kongreß von ver.tigo (Vereinigte Titanen und Gotteswesen) darüber zu informieren, wo die Unsterblichen der geflügelte Schuh drückt.


Wie mir der Gewerkschaftsvorsitzende Wotan Zeus-Jupiter klagte, habe in den letzten Jahrtausenden die Arbeitslosigkeit unter den Überirdischen rasant zugenommen. Griechische und römische Götter schlügen sich mit Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen in der Lyrik oder als Sternbilder durch. Aber noch schlimmer würden die aztekischen Götter diskriminiert, die wegen Menschenopfern als schwer vermittelbar gälten. Überhaupt habe die Opferbereitschaft der Sterblichen bedenklich abgenommen.


Woran das liege, fragte ich Herrn Zeus-Jupiter. "Natürlich am Kapitalismus." Zum einen wohne diesem Wirtschaftssystem eine Tendenz zur Monopolisierung inne. Der religiöse Kunde schaue nur auf das billigste Angebot, und das schaffe dann marktbeherrschende Multis wie 'God, Inc.' oder 'Allah Enterprises'. Seine Gewerkschaft setze sich demgegenüber für eine Regulierung des Religionsmarktes ein, die auch den angestammten Tante-Emma-Göttern ihre Arbeitsplätze erhalte.


Andererseits habe die Globalisierung verheerend gewirkt. Es sei ein eklatanter Fehler gewesen, eine Greencard für den Olymp einzuführen. Seitdem drängten verstärkt indische Billiggötter auf den Markt. Als abschreckendes Beispiel nannte der Arbeiterführer hier den unlauteren Wettbewerb der Göttin Durga, die mit ihren zehn Armen fünf europäische Götter außer Lohn und Manna geworfen habe. Deshalb mache ver.tigo bei der Politik Druck für eine Entsenderichtlinie und für internationale Religionsstandards.


Ob denn aber die Überirdischen nicht selbst teilweise schuld an ihren Kalamitäten seien? Der Gewerkschaftsfunktionär verneinte dies, räumte jedoch ein, daß man durch einige Skandale die Position der Unsterblichen geschwächt habe. Es sei z. B. wenig hilfreich gewesen, daß die Göttin Venus in der Boulevardpresse über ihre Schönheits-OPs geplaudert habe. Auch die Kritik von Amnesty Celestial an den ungöttlichen Haftbedingungen von Prometheus sei nicht ganz unberechtigt. Dennoch wolle er auf einen Bestandschutz bei der Gottesverehrung nicht verzichten.


"Und was will Ihre Organisation konkret tun?" erkundigte ich mich schließlich. Herr Zeus-Jupiter sprudelte vor Ideen. Mit einer 35-Stundenwoche für Herkules könne die himmlische Arbeit gerechter verteilt werden. Außerdem wolle man die Menschen mit Slogans wie "Sonntags gehört Gott mir" oder "Unsterbliche aller Olympe, vereinigt Euch" für das Thema sensibilisieren. Und wenn alles nicht helfe, würden die Kollegen aus der Götterbranche auch nicht vor einem Wunderstreik zurückschrecken.


Ich war tief beeindruckt und, als der Kongreß von ver.tigo ausklang, stimmte ich lauthals mit ein in das skandierte "Hoch die überirdische Solidarität!"




Allein gegen den Börsenwahnsinn





                      26. August 2011, von Henning Helmhusen





Jahrelang kannten die Kurse auf dem Frankfurter Parkett nur eine Richtung: immer geradeaus. Aber das war dummerweise vor meiner Zeit. Denn just als ich vor zwei Wochen meine erste Aktie kaufte, ging das Chaos an den Börsen los. Auf einmal fingen die Kurse an zu schwanken! Mal hoch, mal runter, mal seitwärts und dann sogar rückwärts. Ich war entsetzt. Binnen kurzem hatte meine Aktie schon mehr als 10 Euro von ihrem Kurs eingebüßt. Ich rechnete nach. Die Aktie hatte 500 Euro gekostet. Und wenn das so weiterginge, dann würde ich in nicht einmal zwei Jahren ins Minus geraten. Und dann immer weiter, bis ich pleite wäre. So hatte ich mir das nicht vorgestellt.


Ich rief also bei der Börse an, um mich zu beschweren. Die Dame am Apparat war durchaus freundlich und bat mich mehrfach bitte zu warten, bis ein Mitarbeiter frei würde. Ich wartete also, und dann meldete sich endlich jemand, dem ich mein Leid klagte. Nein, er bedauere es sehr, aber da könne er nicht helfen. Schließlich arbeite er nur in der Telefonzentrale und mit wem ich denn sprechen wolle. Obzwar ich diese Finte selbstredend sofort durchschaute, ließ ich mir nichts anmerken und verlangte, zu einem Börsianer durchgestellt zu werden.


Börsianer gebe es nicht, bekam ich zur Antwort.


"Und worüber berichten die bei den Börsensendungen? Da heißt es doch immer, daß die Börsianer heute verkauft oder gekauft haben. Und jetzt soll es keine geben?"


"Es gibt keine Börsianer. Das ist nur eine Redeweise."


Erbost knallte ich den Hörer meines Festnetz-Handys auf die Gabel. Langsam machte das Ganze auf mich den Eindruck einer abgekarteten Verschwörung. Doch wer steckte dahinter? Irgendjemand mußte sich doch um 10 Euro bereichert haben, als meine Aktie um denselben Betrag gefallen war. Ich gugelte also mehrere Minuten, bis ich endlich auf Informationen stieß. Hinter den Turbulenzen an den Finanzmärkten stecken offensichtlich hochgeheime Hedgefonds, die ohne Rücksicht auf die Kleinanleger mit immer aberwahnwitzigeren Manipulationen das Chaos schüren, um davon mal mit Gewinnen, dann wieder mit Verlusten zu profitieren.


Und ihr perfidester Trick: Leerverkäufe!


Den meisten wird wohl nicht geläufig sein, was ein Leerverkauf ist. Deshalb erkläre ich es besser mal in meinen Worten. Nehmen wir also einen Spekulanten, der schnell mit Profit reich werden will. Er verkauft einfach eine Aktie, die er nicht hat, und hofft, daß das keiner merkt. Und dann wartet er und treibt die Kurse mit Gerüchten ganz langsam nach oben. Ist der Kurs erst einmal auf dem Höhepunkt angelangt, kauft er die Aktie ganz schnell und hat doch eine Aktie. Und weil er vorher keine hatte, hat er jetzt eine Aktie mehr und dadurch einen leichten Gewinn. Das führt offensichtlich wieder zu Nervosität an den Märkten, sodaß die Kurse in Unordnung kommen. Und daher kommen die Schwankungen.


Als all das mir klar geworden war, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ich war das Opfer solcher Spekulanten geworden. Fast konnte ich ihr Gekicher auf dem Parkett hören, als ich meine Aktie gekaufte hatte: "Wieder ein Kleinanleger, den wir ausbeuten können."


Doch diese Herren hatten ihre Rechnung ohne mich gemacht. Ich gründete auf der Stelle eine antikapitalistische Bürgerinitiative und erklärte mich zu deren Sprecher. Im Namen der Kleinanleger richtete ich dann einen geharnischten Brief an die Bundesregierung, in dem ich ein entschiedenes Vorgehen gegen das Unwesen der Leerverkäufe anmahnte. Und um meinem Anliegen Nachdruck zu verlieren, beschloß ich, mich vor der Deutschen Bank anzuketten, mußte dann allerdings feststellen, daß schon alle Plätze zum Festketten belegt waren.


Immer noch ist nichts gut in Börsenland. Meine Aktie ist weiter gesunken. Aber ich zeigte es den Spekulanten. Statt der windigen Aktie habe ich mir nun Anteile an einem Rettungsfonds zugelegt, der nur in Staatsanleihen mit stabilem Nominalwert investiert. Seitdem kann ich wieder ruhig schlafen. Und an höherer Stelle ist man auch auf mich aufmerksam geworden. Im Nu bekam ich ein Angebot als Börsenexperte für einen europäischen Staat, das ich natürlich annehmen werde, schon allein wegen der sofortigen Verbeamtung. Mein einziges Problem: Vorher muß ich mir noch eine Fliege kaufen!





Liebes-Strike



                      1894, von Julius Stettenheim




Das sag' ich Dir, bald reißt mir die Geduld,
Und wenn sie reißt, Du trägst allein die Schuld,
Was ich verlange, weig're's mir nicht wieder,
Sonst lege ich, bei Gott! die Arbeit nieder.
Denn eine Arbeit ist es, weiter nichts,
Muß schmachten ich im Schweiß und Angesichts,
Das Schmachten, und ich mein' es nicht ironisch,
Ist mir denn doch am Ende zu platonisch.
Du hältst den Händedruck für etwas schon,
Doch ich verlange einen höhern Lohn,
Du willst, je stürmischer mein zärtlich Drängen,
Mir Deine Lippen nur noch höher hängen.
Von Morgens nach dem ersten Hahnenschlag
Bis Abends spät, kurz, fast den ganzen Tag
Soll ich Dir treu und Dich liebend schätzen,
Die Arbeitszeit wünsch' ich herabzusetzen.
Es ist, lang ausgebeutet, nun zur That
Erwacht das Liebesproletariat,
Der Liebesarbeitnehmer will nicht minnen
Als Sklav herzloser Arbeitgeberinnen.
Nimm Dich -- verzeihen Sie das harte Wort! --
In Acht, sonst, Liebste, strike ich sofort,
Dann werd' ich höher meine Forderung treiben,
Und alles hast Du selbst Dir zuzuschreiben.




In tiefer Sorge um die Schöpfung





                      22. August 2011, von Henning Helmhusen





Ich war gerade im Begriff, mich in den samstäglichen Kaufrausch einer überfüllten Fußgängerzone zu stürzen, als mich das junge Mädchen hinter dem Infotisch ansprach:


"Haben Sie einen Moment Zeit?"


"Ja," antwortete ich: "Einundzwanzig, zweiundzwanzig -- nur leider jetzt nicht mehr."


"Es ist sehr wichtig!"


Irgendwie roch der ganze Stand sonderbar. Aber die junge Dame schien wirklich ein intensiv gefühltes Anliegen zu haben, wie die beginnenden Tränen in ihren Augen verrieten.


"Gut. Aber machen Sie schnell."


"Also was würden Sie sagen", begann sie mit zittriger Stimme: "wenn Sie um sich nicht Haut, sondern eine Wand hätten, die sie schützt und ohne die sie elend verbluten müssten. Und dann tut Ihnen jemand Chemie ins Essen. Und wenn Sie Ihre Wand reparieren wollen. Oder Sie möchten eine Familie gründen und sich dazu in der Mitte teilen. Und dazu müssen sie auch für Ihr Kind eine Wand bauen. Dann führt die Chemie dazu, dass Sie das nicht können und sterben müssen. Fänden Sie das nicht auch sehr unmenschlich?"


Ich war etwas perplex und musste einräumen, dass ich mir diese Frage noch nie gestellt hatte.


"Sehen Sie", fuhr sie fort: "Sie sind also auch darüber empört. Wenn man sowas mit uns Menschen machen würde, dann gäbe es einen Aufschrei. Aber für unsere Mitgeschöpfe die Bakterien ist das das tägliche Brot - oder besser gesagt das tägliche Penicillin. Und das alles nur, damit die Pharma-Multis immer mehr Profite machen können."


Ich war immer noch nicht ganz so beeindruckt, wie sie vielleicht gehofft hatte. Sie versuchte es deshalb nun noch einmal eindringlicher:


"Oder stellen Sie sich vor, die Amis hätten Sie mit Ihren Kindern und Freunden in eine Bombe gesperrt, damit die Russen nicht kommen. Irgendwann ist aber der kalte Krieg vorbei, und die Amis wollen mit Abrüstung glänzen. Anstatt Sie endlich freizulassen und Ihnen für Ihre Verdienste einen Orden zu geben, wollen die Sie jetzt verbrennen. Ist das nicht abscheulich?"


"Aber Bakterien verursachen Krankheiten", gab ich zu bedenken.


Auf diesen Einwand war meine Gesprächspartnerin gefasst. Das alles sei eine Legende, die interessierte Kreise in die Welt gesetzt hätten. Selbst Bakteriologen räumten mittlerweile ein, dass Viren weitaus häufiger den Menschen schädigten. Und genau genommen, gebe es gar keine Beweise, dass Bakterien wirklich zu Erkrankungen führten. Der Vorgang sei noch nie lückenlos dokumentiert worden. Ganz im Gegenteil:


"Wir können viel von den Bakterien lernen. Zum Beispiel, wie man im Einklang mit der Natur leben kann. Sie machen keinen Müll. Sie haben eine uralte Kultur schon seit Milliarden Jahren. Jeder hat genug zu essen, und alle Bakterien sind völlig gleich. Es gibt auch praktisch keine Diskriminierung unter ihnen, besonders nicht gegen Frauen, weil sie asexuell sind und die Kinder durch Zellteilung zur Welt kommen."


Dazu lächelte sie mich fordernd mit ihrer Reihe von verfaulten Zähnen an. Und ich konnte verstehen, wieso sie ihre Hoffnungen eher auf die ungeschlechtliche Vermehrung konzentrierte.


"Ich muss jetzt wirklich weiter", entschuldigte ich mich.


"Aber nehmen Sie doch wenigstens etwas von unserem Infomaterial mit!"


Sie drückte mir eine Broschüre "Körperpflege, der tägliche Holocaust" in die Hand.


"Und vergessen Sie nicht für uns zu spenden. 'People for the Ethical Treatment of Bacteria' kann jede Unterstützung gebrauchen!"





Grundversorgung ohne Grenzen





                      20. August 2011, von Henning Helmhusen





Die letzte Wachstumsbranche in Deutschland sind die Öffentlich-Rechtlichen. Auch wenn sie mit einem spärlichen Etat von gerade einmal 9,1 Milliarden Euro pro Jahr – also in etwa der Börsenkapitalisierung von Adidas oder fast dem Doppelten der von Lufthansa - auskommen müssen, fällt ihnen immer wieder etwas Neues ein, womit sie uns grundversorgen können. Leider bleiben dabei die besten Programme oft vollkommen unbekannt. Dem möchten wir Abhilfe verschaffen und einen Überblick geben, was sich der Zuschauer demnächst in der Bildröhre brutzeln kann:


Astro-WDR: Wer noch keinen Stern auf dem Walk of Fame hat, kann sich hier aus denselben lesen lassen. Dazu muß man nur bei der kostenpflichtigen Gebührenleine anrufen und sich die GEZ-Formulare legen lassen, Die Moderatoren im Studio kombinieren das mit leichter Belehrung über Ozonloch und Klimawandel. Ein Glücksgriff gelang dem neuen Sender insbesondere mit der Anwerbung von Madame Teissier. Für schlappe 1,5 Millionen Euro konnte diese den älteren Zuschauern noch wohlbekannte Moderatorin aus der Versenkung hervorgelockt werden.


ZDF International: Oft werden die Mainzelmacher als provinziell verschrieen. Daß dem nicht so ist, zeigen sie jetzt mit einem eigenen Kanal. Zuschauermagnet ist dabei die Sendung „Goodbye Mainz“, in der ZDF-Redakteure mit der Kamera begleitet werden, die sich nach Schulbesuch, Studium und Berufstätigkeit zum ersten Mal in die Fremde außerhalb von Mainz wagen, beispielsweise nach Wiesbaden oder sogar Frankfurt am Main. Moderiert wird die Sendung von Kurt Beck, der dem Konkurrenzsender SPD Comedy für 2,1 Millionen Euro ausgespannt werden konnte.


Phoenix Homeshopping Channel: Das Programmkonzept dieses kleinen, aber feinen Spartenprogramms kann nichts weniger als innovativ genannt werden. Um die Antikommerzialität zu wahren, werden nämlich alle Waren grundsätzlich nur mit freundlicher Unterstützung und per Product-Placement vorgestellt. Man will schließlich werbefrei bleiben. Und auch die Palette unterscheidet sich wohltuend von der der profitorientierten Konkurrenz. Hier bekommen die schnellsten Anrufer nicht etwa ein 523teiliges Messerset fast geschenkt dazu, sondern 523 wohlfeile Tipps zum Bau des eigenen Solar- oder Windkraftwerks. Als Moderatoren konnten für gerade einmal 2,3 Millionen Euro Claas und Joko vor einem Karriereknick bewahrt werden.


BNN – Bavarian Network News: CNN und Al Jazeera müssen sich ab jetzt warm anziehen, denn mit BNN geht ein Nachrichtensender an den Start, der weltweit Zuschauer über das Geschehen in Bayern aufklären soll. Neben Backstage-Berichten von der Super-Hitparade der Volksmusik (Moderation: Michael und Marianne, Gage 3 Millionen Euro) gibt es hier exklusive Homestories aus den wechselnden Haushalten von Horst Seehofer. In einem heißen Bietergefecht mit dem Muttersender BR konnte der vormalige Ministerpräsident Stoiber zum Schnäppchenpreis von 1,7 Mio. Euro abgeworben werden. Er moderiert „Der Situationsstadl“, wo er kontrovers mit Redakteuren des Bayernkuriers über das Weltgeschehen in München und am Flughafen diskutiert.


ARTE Prolo: Auf Breitenwirkung setzt hingegen das Geisteskind des deutsch-französischen Gemeinschaftssenders. Flakschiff-Sendung ist natürlich „Das perfekte Prolo-Dinner“. Hier treten die Kandidaten mit dem Ziel an, sich gegenseitig bei der Auswahl der Traininghosen und Tiefkühlgerichte in den Schatten zu stellen. Moderiert wird die Sendung dabei für einen ungenannten Betrag von Dieter und Naddel Bohlen. Nicht allein das dient einem guten Zweck, auch die tägliche Sportsendung „Hooligan-TV“ kommt dem Bildungsauftrag nach, genauso wie die Nachmittags-Talkshow „Ballerfrau“ mit Daniela Katzenberger (Honorar: 1,9 Mio. Euro), in der wichtige Fragen des Tages beleuchtet werden wie „Pils oder Alt - was ist besser für die Beauty?“ oder „Permanent Makeup auch für Hirnfurchen?“.





Jetzt helfen nur noch Cosmo-Bonds





                      19. August 2011, von Henning Helmhusen





An deutschem Wesen soll die Welt genesen. Nicht allein schaffte Deutschland 2010 locker die Maastricht-Kriterien von mindestens 3% Haushaltsdefizit und mindestens 60% Staatsverschuldung, auch die föderale Struktur funktioniert bestens. Das Prinzip ist ja ganz einfach: Wenn man auf der obersten Ebene gemeinsame Anleihen ausgibt, dann werden auf den niedrigeren Ebenen keine Finanzprobleme mehr auftreten.


Okay, nicht ganz. Bundesanleihen gibt es schon lange. Dennoch wurde 2009 von diversen Bundesländern gemunkelt, sie stünden vor dem Bankrott. Aber nicht viele, nur Hessen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Berlin ...


Doch Deutschland ist längst der Wirklichkeit einen Schritt voraus. Damit das nicht mehr passiert, wurde 2009 die „Schuldenbremse“ verabschiedet „mit Cyclone-Technologie“. Die wiegt nur 0 Gramm und Bundesländer, die ihren Haushalt nicht in Ordnung halten, bekommen solange Finanzausgleich, bis es paßt. Sind auch nicht viele: Bremen, Sachsen-Anhalt, Berlin, Schleswig-Holstein und das Saarland. Dafür müssen sie aber auch harte Anstrengungen unternehmen, nämlich bis 2020 ihren Haushalt sanieren. Das schafft mächtig Druck.


Hoppla, warum kämpft den plötzlich Bremen 2011 mit dem Bankrott?


Auch egal, jetzt gehts zuerst einmal um die faulen Griechen, die ihren Haushalt nicht im Griff haben. Oder die Italiener mit ihren Bunga-Bunga-Bonds. Deshalb ist Deutschland jetzt auch so böse, wenn das bei uns bewährte Prinzip einfach eine Ebene höher gehoben werden soll. Good Cop Angela Merkel verhandelt unerbittlich wie bei den bisherigen Rettungspaketen. Sie hat sogar schon eine „Schuldenbremse“ durchgesetzt, auch wenn es doch gar nicht um einen Länderfinanzausgleich geht. Und Bad Cop Wolle Schäuble will nur über seine Leiche mitmachen, wie schon die letzten Male. Nur wie viele Leben hat er noch? Wir brauchen jetzt knallharte Maastricht-Kriterien, das ist wohl klar.


Ach, die gibt’s schon?


Ich finde, das ist alles noch nicht genug. Zuerst einmal müssen an einem runden Tisch die großen Experten zusammengeholt werden - von Cristina Fernandez de Kirchner über Timothy Geithner bis hin zu Robert Mugabe und Georgios Papandreou - um weltweite Globo-Bonds mit „Schuldenbremse“ zu verabschieden. Das wäre die Verschuldung, um alle Verschuldungen zu beenden. Und wenn das alles nichts hilft, gibt es für die Welt noch den ultimativen Rettungsschirm: Wie Herman van Rompuy und Barack Obama schon in vertraulichen Gesprächen mit E.T. und Darth Vader ausloteten, dürfen Cosmo-Bonds nicht mehr tabu sein. Als Notenbankpräsident ist bereits Gordon Shumway im Gespräch, der sich um die Stabilität des flusengedeckten "Wernick" kümmern soll.


"Per Aspera ad Astra", wie wir Opelfahrer sagen.





Eine Rohheits-Statistik aus den Kreisen der Besitzenden


Abschreckende Beispiele zur Erleichterung der Metamorphose.



                      21. Januar 1876, aus Berliner Wespen




Der socialdemokratische "Volksstaat" wird unter stehender Rubrik und laufender Nummer alle ihm zur Kenntniß gelangenden Fälle von Sittenverwilderung in den Kreisen der Besitzenden sammeln, am Jahresschlusse die Summe dieser Fälle feststellen, ihre Beschaffenheit beleuchten und daraus den Beweis liefern, daß die Bourgeoisie der Arbeiterklasse an Rohheit und Sittenlosigkeit, in Qualität und Quantität der Fälle ungeheuer, wenigstens doppelt und dreifach, überlegen ist.

Wir begrüßen diese Rubrik mit der uns eigenen Herzlichkeit. Es muß denn doch endlich einmal statistisch nachgewiesen werden können, daß nur unter gewechselter Wäsche die schwärzesten Pulse schlagen und jeder Mensch, welcher seiner Arbeit, seiner Intelligenz, oder dem Glück mehr oder weniger Besitz verdankt, gewöhnlich sich, ein Diogenes des Verbrechens, vor der Dynamit-Tonne umherwälzt und die Bernburger Höllenuhr aufzieht, während der wahre Abonnent des
"Volksstaat" hungernd und nackt eine Tugend nach der andern übt.

Mit Vergnügen wollen wir das genannte Blatt unterstützen und ihm hiemit einige Nummern verderbter Sitten übersenden, welche ohne Weiteres einzustreuen sein und gewiß eine Zierde der betreffenden Statistik bilden werden.

No. 236. Ein Herr, welcher vorgestern bald nach Mitternacht aus den Kreisen der Besitzenden über die Alsenbrücke heimkehrte und sich durch das Ticken, welches aus seiner Westentasche und dem mit Piltzwerk verbrämten Ueberzieher hervordrang, als ein Herrschender verrieth, wurde daselbst von einem Beherrschten, welcher mit einer darbenden Wittwe lebt, gefragt, was die Uhr sei. Dabei mag der Arme mit seinem Spazierstock, um sich gegen den zu allen
Rohheiten bereiten Besitzbold auf alle Fälle zu schützen, etwas gefuchtelt haben, kurz, dieser Herrschling stürzte davon und ließ den armen Menschen, ohne ihm zu sagen, was die Uhr sei, mitten in der Nacht auf der Alsenbrücke stehen! Zugleich eine Rohheit und eine Frechheit!

No. 497. Gestern Abend hatte der steinarme Hausknecht eines Weinhändlers ein Dutzend Flaschen Steinberger Cabinets in ein Haus zu bringen, welches mitten imKreise der Besitzenden steht und in dessen erster Etage ein Mast-Nabob wohnt, welcher eine Gesellschaft gab. Nachdem derselbe den Wein mit Doppelkronen bezahlt hatte, welche noch von den Thränen der Waisen warm waren, ersuchte der Hausknecht ihn unter der wahrheitsgetreuen Angabe, daß seine Kinder zu Hause
nach einem Glase guten Weines schrieen, um etliche Flaschen des abgelieferten Getränks, andernfalls würde er ihm ein Fenster zertrümmern. Nach der zu erwartenden Weigerung hielt der wackere Hausknecht als Ehrenmann sein Wort und wurde verhaftet. Der Besitzende aber und sein geladener Mob tranken die Flaschen leer, während der arme Mensch auf dem Polizeibureau seinen Namen und seine Wohnung zu Protocoll geben mußte!

No. 615. Vor etlichen Tagen stellte sich abermals ein junges Mädchen, das, wie sich ergab, die Tochter eines Arbeitervampyrs ist, derart vor einen daherjagenden Schlächterwagen, daß dieser über sie hinwegfahren mußte. Die Rohheit der sittenverderbten, von Renten und Wittwenseufzern immer feister werdenden Bourgeoisie theilt sich also, wie wir sehen, auch deren Töchtern mit, welche im Uebermuth sich vor die eiligen Wagen der Schlächter stellen, um den Lenker des Gefährts in der Erfüllung seiner Pflicht zu behindern und womöglich in eine Anklage wegen fahrlässiger Tödtung oder schwerer Körperverletzung zu verwickeln. Der Zweck ist wieder erreicht, abermals wird auf dem Altar des Geldprotzenthums ein Schlächtergeselle geopfert!

Wir stellen dem "Volksstaat" noch eine Reihe ähnlicher Sittenlosigkeiten zur Verfügung und zwar im Interesse der guten Sache honorarfrei.

Die Rohheits-Reporter

der Berliner Wespen.

Abtheilung für Sittenverderbniß der Besitzenden.




Die Hölle des brutalen Marktes





                      16. August 2011, von Henning Helmhusen





Die Marktjünger beten täglich fünfmal auf ihren Gebetsteppichen gen Wallstreet und wollen uns weismachen, dass der Markt die beste aller Welten ist. Ihr Mantra ist immer dasselbe: Der Markt löst alle unsere Probleme und er liefert alles, was wir gerne hätten.

Wie falsch das ist und wie dringend wir staatliche Eingriffe brauchen, möchte ich einmal dem Leser demonstrieren. Denn der hochgelobte Markt produziert in Wirklichkeit bloß eines: ein Marktversagen nach dem andern.

Hier nun drei Beispiele aus dem Alltag:


Vor einer Diskothek.

Türsteher: Hi!

Gast (vorwurfsvoll): Grüßgott! -- Aber erstmal hätte ich eine Frage an Sie.

Türsteher: Schieß los.

Gast: Warum haben Sie nicht schon nachmittags geöffnet? Ich war um vier Uhr da, und da war alles dicht. Jetzt mußte ich bis zehn Uhr abends warten, bis ich ausgehen konnte.

Türsteher: Warum willst Du denn schon um vier Uhr ausgehen?

Gast: Meine Sache. Ich fands nur unmöglich, dass Sie da geschlossen haben.

Türsteher: Sonst noch was?

Gast: Wenn Sie so fragen. Das letzte Mal hab ich mich über die Musik geärgert.

Türsteher (teilnahmslos): Echt?

Gast: Ja, die ganze Zeit lief irgendwelcher Hiphop. Ich habe den Disko-Jockey mehrmals drauf hingewiesen, dass er Volksmusik spielen soll. Aber der hat mich nur ausgelacht.

Türsteher (muss lachen): Das ist wirklich was schwierig.

Gast: Also können Sie vielleicht mit dem Geschäftsführer sprechen, dass heute Volksmusik gespielt wird?

Türsteher (augenzwinkernd): Bestimmt!

Gast (wartet, dass der Türsteher etwas unternimmt): … Und? Gehen Sie jetzt?

Türsteher: Hey, das war doch nur ein Witz.

Gast: Das ist ja unfassbar! (Er geht wütend ab und schreibt eine antikapitalistische Petition an den Bundestag.)


Im Telefonladen.

Verkäuferin: Guten Tag!

Kunde (vorwurfsvoll): Grüßgott!

Verkäuferin: Womit kann ich dienen?

Kunde: Ich hätte gerne ein Handy mit einem ganz langen Kabel, mindestens ein Kilometer.

Verkäuferin: Tut mir leid, so was haben wir nicht. Aber wozu brauchen Sie denn überhaupt ein Kabel?

Kunde: Ich will doch nicht nur zuhause damit telefonieren. Ein Handy braucht man außer Haus. Und ein Kilometer ist dann gar nicht so weit, wie Sie vielleicht denken.

Verkäuferin: Das geht doch drahtlos.

Kunde: Das glaube ich nicht. -- Und außerdem sollte das Handy auch eine Wählscheibe haben.

Verkäuferin (verblüfft): Eine Wählscheibe?

Kunde: Ja, natürlich. Was dachten Sie denn? Soll ich mir etwa die Finger wundtippen, wenn ich mal eine SMS schreiben will?

Verkäuferin: Es gibt keine Handys mit Wählscheibe.

Kunde: Die muss es aber geben! -- Sie sind nur zu faul, im Lager nachzuschauen.

Verkäuferin: Nein, es gibt einfach keine.

Kunde: Das ist ja unfassbar! (Er geht wütend ab und gründet eine antikapitalistische Bürgerinitiative.)


In einer Eisdiele.

Eis-Dealer: Buon Giorno!

Gast (vorwurfsvoll): Grüßgott!

Eis-Dealer: Sie wünschen?

Gast: Ich hätte gerne … im Hörnchen … also … ein Bällchen Kartoffel, ein Bällchen Sauerkraut und ein Bällchen Zwiebel.

Eis-Dealer: Tut mir leid, das haben wir nicht.

Gast: Na, gut, dann statt Zwiebel eben Tzaziki, das ist ja so ähnlich.

Eis-Dealer: Nein, ich meine, das haben wir alles nicht. Aber wir haben ganz viele Sorten Fruchteis: Ananas, Banane, Mango, Kirsche --

Gast (unterbricht ihn): Wer will denn so was? Und soll das etwa heißen, dass Sie nicht mal Sorten wie Kebab, dicke Bohnen oder Blutwurst haben?

Eis-Dealer: Nein.

Gast: Das ist ja unfassbar! (Er geht wütend ab und schreibt einen Artikel für eine antikapitalistische Zeitschrift.)





Wer bekommt den Gaddafi-Preis 2011?





                      14. August 2011, von Henning Helmhusen





Nobelpreis war gestern. Obama mußte vorher und hinterher nichts leisten und bekam trotzdem seinen für den Frieden. Ganz anders steht es da mit dem "Internationalen Gaddafi-Preis für Menschenrechte". Hier genügen wirklich nur die besten den Anforderungen, wie Resident Enfant Terrible deutscher Talkshows und Preisträger des Jahres 2002 Jean Ziegler aus eigener Anschauung weiß. Nicht allein war er an der Gründung des Preises beteiligt, er saß auch in der Jury und bezeichnete den Preis als den "Anti-Nobelpreis der Dritten Welt".


Umso gespannter darf man sein, wer in diesem Jahr die hart umkämpfte Trophäe nach Hause holt. Wir werfen schon einmal einen Blick auf die Nominierten und, wie ihre Chancen stehen.


Und das sind die Kategorien:


  • "Bester Internet-Zensor": Für aufmerksame Beobachter sah es ganz nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Hosni Mubarak und Mahmoud Ahmadinejad aus. Doch in letzter Minute warf David Cameron seinen Hut in den Ring mit dem innovativen Vorschlag soziale Netzwerke ab und zu mal abzuschalten, um so Asozialen das Handwerk zu legen. Wer hier gewinnt, ist nun völlig offen.



  • In der Kategorie "Beste Fantasy-Uniform" wird es eng. Schien das Rennen lange Zeit auf einen Showdown zwischen St. Pepper's Heart Club Band und Leonid Brezhnev hinauszulaufen, preschte im letzten Monat völlig unerwartet Anders Breivik an die Spitzenposition. Für Deutschland ist leider nicht viel drin: Thomas Gottschalk und Erich Mielke können immerhin auf eine ehrenhafte Erwähnung hoffen.


  • Wenig kontrovers ist hingegen der "Life Time Award für televisierte Wutausbrüche und Unterdrückung abweichender Meinungen". Dieser geht nach allgemeiner Ansicht an den venezolanischen Operettenrevolutionär und Preisträger des Jahres 2004 Hugo "Megalo-Bolivar" Chavez. Der spanische König soll die Laudatio unter der Überschrift "¿Por qué no te callas?" halten, auch wenn der Monarch niemals eine Chance auf den Preis hätte.


  • Höhepunkt des Wettbewerbs soll schließlich die Aufnahme von Muammar Gaddafi selbst in die "Hall of Fame für Menschenrechtsaktivisten" sein.


Wenn er es nicht verdient hat, wer sonst? Hauptsache, es bleibt spannend.





Merkel und Sarkozy einigen sich auf Rettungspaket für die DDR





                      13. August 2011, von Henning Helmhusen





Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kapitalismus. Alle Mächte des alten Europa haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet, um ihm das Handwerk zu legen. Hatten sie eben erst Griechenland, Portugal und Irland aus den Klauen des Marktes gerettet, so nahm nun die Bestie einen weiteren Staat ins Visier: die Deutsche Demokratische Republik. Insider streuten das haltlose Gerücht, diese sei bankrott, nur um gleichzeitig an Leerverkäufen von Club-Cola zu profitieren, und dazu auch noch mit windigen Credit Default Swaps auf Robotron.


Am Freitag sah es beinahe so aus, als wenn die DDR von den Spekulanten in die Zahlungsunfähigkeit getrieben würde. Der Ost-Berliner Leitindex VEB markierte mit einem staatlich festgelegten Zwangsumtausch von 1:1 wieder das seit Jahrzehnten anhaltende Dauertief. Doch dann ergriffen die Mächte des alten Europas, angeführt von Angela Merkel und Nicholas Sarkozy, den Mantel der Geschichte und gingen in die Offensive. Nur wie war es zu dieser bedrohlichen Lage gekommen?


Beginnen wir am Anfang: Wie allgemein bekannt, trafen sich eines Nachts auf einem Prager Friedhof die Abgesandten der führenden Hedgefonds, um ihr Vorgehen an den Finanzmärkten abzustimmen. Einer ihrer perfiden Pläne war es dabei, den Staaten solange Geld hinterher zu werfen, bis diese die Rückzahlung verweigern würden. Dies sollte der Hebel sein, um die sozialen Errungenschaften Europas zu zerstören. Und das hervorragende Ziel in diesem Plan war natürlich die Deutsche Demokratische Republik, der erste Arbeiterbonzenstaat auf deutschem Boden.


Daß ein Staatsbankrott mitten in Europa zu unabsehbarem Chaos geführt und die Menschen in Armut gestürzt hätte, versteht sich ganz von selbst. Von daher war es alternativlos, daß Angela Merkel und Nicholas Sarkozy zur Rettung der DDR einschreiten mußten, bevor die Märkte am Montag öffnen. In fieberhaften Nachtsitzungen gelang es ihnen mit dem Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker und Vertretern des Internationalen Währungsfonds einen Plan zu schmieden. Danach sollen die Schulden der DDR komplett von der BRD übernommen werden. Im Gegenzug verpflichtet sich die Ost-Berliner Führung zu einem weitreichenden Konsolidierungsprogramm. So sollen Vermögensgegenstände von „Reichen“ beschlagnahmt und in den Westen verkauft werden. Auch an die Ausgabenseite will man gehen, so beispielsweise mit einem langsameren Ausbau der Grenztruppen und der Staatssicherheit.


Wieder einmal konnte hier eine Katastrophe nur in letzter Minute abgewendet werden. Und wir alle atmen auf, daß nun alles so weitergehen kann wie bisher!





Der Verbieter





                      1922, von Alexander Moszkowski





Und wieder in der Äonen Enteilen
War's Zeit, die Ämter der Menschheit zu teilen,
Und jedem auf seinen irdischen Geleisen
Die richtige Stellung anzuweisen.
Heut war der Tag der besondern Talente;
Da sah man Gesichter, sehr intelligente,
Die, wie dem Kenner der Augenschein lehrte,
Gehirne verrieten von höherem Werte.

Der Schöpfer nahm sich den ersten vor
Und leuchtete ihm in den Schädeltresor
Und sprach: "Da regen sich Geistesgewalten,
Du kannst das Leben zum Schauspiel gestalten,
Dir teilt sich von selbst die Welt, die kompakte,
In Bühnenbilder, in Szenen und Akte,
Dir ist auch die treffliche Kühnheit zu eigen,
Die innerste Dichterseele zu zeigen,
Fürwahr, da gibt es kein Schwanken für mich:
Zu einem Dramatiker stemple ich dich."
Gleich schob sich daneben ein Männchen herfür
Bebrillten Auges: "Und was wird mit mir?"
Der Meister untersuchte den Mann,
Und stellte die Diagnose alsdann:
"Da hast die besonderen Fähigkeiten,
Dem Dichterschaffen Pein zu bereiten,
Du siehst in deinem Sittengemüt
Versteckte Absicht, die keiner sonst sieht;
Du witterst Gefahren in tiefsten Gründen,
Weißt immer Bedenklichkeiten zu finden,
Und mußt somit zu der Dichtkunst Beschwerden
In dieser Weise beschäftigt werden.
Was jeder erschuf in des Dramas Bereichen,
Das wirst du verbieten, das wirst du streichen."
"Und du" Komm heran, auf daß ich dich prüfe!
Ich blicke in deines Hirnes Tiefe
Und sehe in seinen Ganglienzellen
Ein Maximum von bewegten Wellen.
Hier spiegelt sich ab im Vibrieren und Schwingen
Der Gegenwart Streben, Hasten und Ringen,
Du kannst der Zeiten Bewegen und Regen
In glitzernd farbige Strahlen zerlegen;
Besonders freut mich dein Enthusiasmus,
Dein Stil, deine Bildung, dein feiner Sarkasmus,
Dein Trotz, dich keinem zu unterwerfen,
Dein Trieb, das Gewissen der Mitwelt zu schärfen,
Du bist der geborene Redakteur,
Bist qualifiziert zum "Kommandeur",
So über dem Strich, als unter dem Strich, --
Zum Journalisten ernenne ich dich!"
Da war auch sofort der Bebrillte zur Stelle:
"Ich melde mich nochmals; für alle Fälle;
Ich muß mich doch auch für den Journalisten
Entsprechend der eignen Begabung rüsten."
"Gewiß! sprach der Meister, "du wirst durch die Zeiten
Den andern als steter Schatten begleiten;
Was jener geleistet in emsigem Rühren,
Das wirst du am nämlichen Tag konfiszieren;
Den Leitartikel, des Feuilletons Blüten,
Den Ernst und den Scherz, du wirst sie verbieten;
Du wirst ihn monierend, tadelnd, verhörend
Zu dir aufs Amt bestellen fortwährend;
Du wirst ihm bei häufigem Besuch beweisen,
Daß aller Beifall aus Leserkreisen,
Das alles, was er gewirkt und genützt,
Ihn nicht vor deiner Verachtung schützt;
Du wirst ihm Strafe und Buße diktieren,
Du wirst ihn nach Nummer Sicher spedieren
Und wirst, um seine Moral zu kräft'gen,
Den Mann mit Tütenkleben beschäft'gen."
So waren die Kompetenzen verteilt.
Zur rüstigen Arbeit mit Eifer enteilt,
Wer sich, von geistigem Auftrag betreut,
Des tüchtigen Intellektes erfreut.
Der eine schafft, und der andere verwehrt,
Der eine baut auf und der andre zerstört,
Der eine glänzt und der andere wütet,
Der eine wirkt und der andre verbietet.
So ist es heute, so bleibt es auch künftig,
Und Hegel sagt: "Alles, was ist, ist vernünftig!"





Auf der Datenautobahn nachts um halb 1





                      11. August 2011, von Henning Helmhusen





Ich tuckerte so schön gemütlich auf den Informationspfaden vor mich dahin - hier ein Chat, da ein Forumseintrag - als plötzlich im Rückspiegel meines Browsers ein blaues Licht zu blinken begann. Wie es einem jeden Untertan wohl an meiner Stelle genauso ergangen wäre, zuckte ich natürlich sofort schuldbewußt zusammen. Welche Ordnungswidrigkeit war mir denn diesmal unterlaufen? Und kaum einen Moment später poppte schon ein Fenster hoch: "Anhalten, aber dalli!"


Da weiß man, was zu tun ist. Ich würgte also den Browser ab und ließ meinen surfbaren Untersatz auf der Standspur ausrollen. Ein weiteres Fenster fuhr hoch, in dem mit einer Fanfare Bundesinnenminister Friedrich erschien. Er lehnte sich so weit vor, daß sein Ellenbogen fast bis auf meine Tastatur reichte.


"Ihre Papiere!"


Abwesend langte ich nach dem Handschuhfach meines Rechners, dann hielt ich inne. Papiere? Was für Papiere?


"Ihre Papiere! Wirds bald?"


"Was für Papiere meinen Sie denn?"


Mein Freund und Helfer wandte sich um, wohl zu einem Kollegen: "Erich, ich glaube, wir haben wieder einen."


Und dann zu mir: "Na, ohne Papiere im Internet surfen? Das haben wir gerne."


Ich wußte nicht, was ich sagen sollte. Aber der Minister ließ mir keine Zeit nachzudenken.


"Erich, den schauen wir uns mal was genauer an."


Besagter Erich lief nun musternd um meinen Browser herum und klopfte mal hier, mal da. Aus dem Off rief er dann dem Minister etwas zu.


"Aha, Sie haben hier einen Browser und surfen einfach irgendwo hin, ohne uns mitzunehmen. Und dabei haben Sie noch nicht mal ganz groß auf ihr Fortbewegungsmittel geschrieben, wer Sie sind!"


Seine Stimme wurde nun ungemütlicher. "Außerdem Surfen ohne Papiere, da kommt schön was zusammen."


"Aber was ist daran denn so schlimm?" fragte ich. "Ich habe das schon seit Jahren so gemacht."


"Sie müssen sich nicht selbst belasten. Aber wie Sie wollen: Wiederholungstäter sind Sie also auch."


"Wiederholungstäter?"


"Ja sicher doch. Ich muß Ihnen jetzt eine Belehrung erteilen, bevor wir Ihren Browser beschlagnahmen."


"Ich sage nichts ohne meinen Anwalt."


"Unterbrechen Sie mich bitte nicht. Die gesetzlichen Vorschriften sind nur zu Ihrem Schutz da. Ich will das mal mit einem Vergleich zum Offline-Leben erläutern. Wenn Sie mit ihrem Auto fahren, dann haben Sie doch auch ganz groß Ihren Namen und Ihre Adresse drauf geschrieben, oder? Und wenn Sie dann in eine schlechte Gegend fahren, sehen wir das. Wir können Sie dann beobachten. Und wenn Sie da zu oft sind oder etwas machen, was wir nicht verstehen, dann können wir uns das genauer anschauen. Oft ist das ein Hinweis, daß Sie ein Problem haben und später auffällig werden. Sie glauben gar nicht, wie viele Verbrecher irgendwann mal vorher in einer schlechten Gegend Auto gefahren sind. Wenn wir das früh genug wissen, können wir Psychologen und Sozialarbeiter auf Sie ansetzen, damit Sie nicht auf die krumme Bahn kommen. Und wir können Sie dann auch besser überwachen und Sie vor falschen Handlungen schützen. Im Grund genommen ist das alles nur zu Ihrem Besten!"


Das leuchtete mir natürlich sofort ein.


"Und das ist im Internet ganz genauso. Deshalb müssen wir Ihren Browser jetzt mitnehmen."


"Wir sind keine Unmenschen, wir lieben doch alle", fügte Erich von der Seite hinzu.


"Genau. Sie bekommen Ihren Browser wieder nach der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung."


"Ich muß zum Idiotentest?"


"Das sagt man nicht mehr. Ich möchte nicht wissen, wo Sie vielleicht schon waren, wenn Sie solche Wörter kennen. Aber wie mein Kollege schon sagte: Wir lieben doch alle. Dieses Mal drücken wir alle Augen zu. Eigentlich hätten Sie eine einjährige Surfsperre bekommen. Ist Ihnen das klar?"


"Nein, war mir nicht, Genosse Minister. Und natürlich vielmals danke. Danke."




Der Staat liebt Dich




                      9. August 2011, von Henning Helmhusen






Wenn ich mich mit Moses, Mohammed oder Buddha vergleiche, dann kann ich mich wirklich nicht beklagen. Weder musste ich auf einen Berg steigen noch in einer Höhle schlafen oder gar unter einem Baum meditieren. Bei mir klingelte bloß eines Tages der Postbote und sagte, er habe eine größere Lieferung.


„Größere Lieferung“ war eine milde Untertreibung. Denn als er fertig war, stand meine Wohnung so mit Paketen voll, dass ich mich kaum bewegen konnte. Noch verblüffter war ich, als ich mir den Inhalt anschaute: Bände mit Gesetzestexten, Bände mit Kommentaren, Bände mit Verordnungen. Nur langsam dämmerte mir, dass sich mir an diesem Tag das Höchste Wesen offenbart hatte.


Jeder, der schon einmal in die Verlegenheit gekommen ist, Stifter einer neuen Glaubensgemeinschaft zu werden, wird mir bestätigen, dass dies eine nicht unbeträchtliche Umstellung bedeutet. Also fragte ich zur Sicherheit beim Ordnungsamt nach, was als nächstes zu tun sei.


Die Antwort des Beamten war nicht sehr hilfreich: „Staatsgläubigkeit ist keine Religion, wenigstens keine staatlich anerkannte!“


„Doch“, und ich war selbst erstaunt, wie auf einmal eine übersinnliche Kraft durch mich zu sprechen begann: „doch, der Staat ist allwissend, er ist allmächtig und er ist allgütig.“ Und ich fuhr unverzüglich mit dem Schöpfungsmythos fort: „Zu Anfang war die Erde wüst und leer. Aber dann machte der Staat den Menschen. Und am siebten Tag schuf er den Ladenschluss. Und er fand, dass es gut sei –.“


Der Beamte unterbrach mich: „Spinner wie Sie haben wir gerne. Sie wissen, was wir letztens mit Jesus gemacht haben?“


Ich zuckte zusammen. Dass die Sache auch ein böses Ende nehmen könnte, daran hatte ich bis dahin überhaupt nicht gedacht.


In den nächsten Tagen wiegte ich mich zuerst noch in Sicherheit, als meine neuen Schäflein begierig zuhörten, wie ich von dem bald nahenden Himmelreich schwärmte, dass Politiker über Wasser gehen könnten und aus den Wasserkränen Wein strömen würde.


Aber als ich dann darauf pochte, dem Staat zu geben, was des Staates sei, nämlich alles, da zürnten sie. Nicht einmal die Drohung mit dem jüngsten Gericht mit Barbara Salesch oder einer Fatwa des Bundespräsidenten konnte sie besänftigen. Wo ich hinsah: Steuersünder, Neoliberale, Staatslästerer und Anarchisten.


Und sie alle trampelten auf meine religiösen Gefühle und schrien: „Kreuzigt ihn!“


„Staat, warum hast Du mich verlassen?“ entfuhr es mir da.


Denn mein Schicksal als Märtyrer schien ab da besiegelt. Doch wie jede solch absurde Geschichte zu enden pflegt, wachte ich plötzlich schweißgebadet auf, und alles war bloß ein Traum.





Parlaments-Feuilleton der Berliner Wespen


Sitzung vom 18. Oktober 1878





                      1878, aus Berliner Wespen





Sitzung des Deutschen Reichstages. Unter einem unerhörten Andrang des Publikums wird derselbe eröffnet. Auf den Tribünen ist kein Plätzchen freigeblieben. Von den Abgeordneten fehlt kein einziger. Man erwartet eine Vorlage, durch welche die Socialdemokratie mit Einem Schlage vernichtet werden werden soll. Die socialistischen Abgeordneten sind in tiefer Trauer erschienen, einer trägt sogar schwarze Wäsche, was aber nicht auffällt. Die Mitglieder des Centrums werden nur durch die Hoffnung, daß die Regierung im letzten Augenblick ihre Vorlage zurückziehen wird, aufrechterhalten. Im andern Fall sehen sie im Geiste die Regierung derart gestärkt, daß sie bereits einen päpstlichen Segen für Bismarck in Bereitschaft halten, um diesem auf anderm Wege beizukommen.
Am Tische des Bundesrathes: der Reichskanzler und seine sämmtlichen rechten Hände. Der Fürst sieht völlig gesundet aus, da ihn schon die Idee der Vorlage wunderbar erfrischt hat.
Die Vorlage wird an die Mitglieder vertheilt und dann verlesen. Sie hat folgenden Wortlaut:


Gesetz

gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Socialdemokratie.


§ 1.
Die Reden, welche die Herren Bebel, Hasselmann, Liebknecht, Fritzsche, Bracke und Reinders im Reichstag gehalten haben, werden auf Kosten der verbündeten Regierungen unverändert abgedruckt und jedem Deutschen in's Haus geschickt.
§ 2.
Die Behörden haben Sorge zu tragen, daß den socialistischen, socialdemokratischen und communistischen Reiserednern, wo dieselben eine Versammlung abhalten wollen, zu diesem Zweck eine hinreichend große Lokalität eingeräumt wird, damit sie von möglichst Vielen gehört werden.
§ 3.
Die socialdemokratischen Blätter, namentlich die Berliner Freie Presse und der Leipziger Vorwärts, sind auf Kosten der Regierung in den meistbesuchten Restaurants und Bierhallen, wenn erforderlich in mehreren Exemplaren auszulegen.
§ 4.
Besonders maßlose Gotteslästerungen und Majestätsbeleidigungen, welche sich in den socialistischen Blättern finden, oder welche in den Versammlungen geäußert worden sind, werden mit einfacher Angabe der Quelle im Reichsanzeiger und in allen Kreisblättern officiell weiterverbreitet und an allen Straßenecken und Säulen affichirt.
§ 5.
Es wird kein Socialdemokrat angeklagt oder verhaftet, oder nach Einführung dieses Gesetzes in Haft behalten.
§ 6.
Die Gesetz tritt für die Dauer eines Jahres sofort in Kraft. haben nach Ablauf dieses Jahres die Reden und Leitartikel der socialdemokratischen Agitatoren noch irgend eine gefährliche Wirkung, so bleibt das Gesetz noch für ein halbes Jahr bestehen.


Rauschender Beifall. Die Diskussion wird eröffnet.
Abg. Bebel. Meine Herren, es ist schwer, Ihnen zu sagen, was wir Vertreter der Socialdemokratie angesichts dieser Vorlage fühlen. Schon der Beifall, welcher der Verlesung folgte, wird Ihnen gesagt haben, daß es sich hier um eine der grausamsten Regierungsmaßregeln handelt. Ich will nur darauf hinweisen, wieviele Existenzen Sie bedrohen, wenn Sie dies Gesetz annehmen. Zahlreiche Arbeiterführer werden bald außer Brod, (Bravo!) ja, gezwungen sein, selbst zu arbeiten. (Bravo!) Most wird bis zum Buchbinden, (Oho!) Fritzsche bis zum Cigarrenarbeiten zurückgetrieben werden! (Ironisches Gelächter.) Meine Herren, nehmen Sie das Gesetz an, und eine Armee von vielleicht hundert brodlos gewordenen Agitatoren wird ihr Haupt erheben! (Heiterkeit.)
Abg. Bracke. Der geehrte Vorredner hat meine Rede bereits gehalten. Mir bleibt nur übrig, Ihnen zu sagen, daß ich auf dieses Gesetz nicht pfeife. (Hört! Hört!)
Abg. Hasselmann. Meine Herren, Sie wollen unsere Existenz vernichten, aber wir werden gegen diese Tyrannei zu kämpfen wissen, (Rufe: Schluß!) wir werden das Blut der Arbeiter verspritzen! (Lärm.) Wir brauchen, um zu leben, Verfolgung, (Aha!) und wenn uns der Reichskanzler diese verweigert und uns sogar schützt und schont, so möge er an den 18. März denken!
Der Reichskanzler. Ich will nur bemerken, daß die Reichsregierung das Gesetz nach reiflicher Ueberlegung eingebracht hat. Niemand wird uns zu Gewaltmaßregeln, von denen wir dem Reich keinen Erfolg versprechen können, zwingen. (Lebhafter Beifall.)
Abg. Reinders. Meine Herren, ich will nur wenige Worte sagen. Ich erkläre, daß Jeder, der für dieses Gesetz stimmt und somit der Socialdemokratie den Boden unter den Füßen fortzieht, ein Landesverräther ist. Der ärgste Reichsfreund konnte kein schlimmeres Gesetz erfinden! (Bravo!)
Die Debatte wird geschlossen. Das Gesetz wird einstimmig angenommen, nachdem die Socialdemokraten den Saal verlassen haben, um frische Luft zu schöpfen. Unter großem Jubel wird der Tisch des Bundesraths mit dem Fürsten Bismarck und sämmtlichen Bevollmächtigten im Saal herumgetragen. Im ganzen Reich werden die Häuser geflaggt und Illuminationen vorbereitet.



Der Mauerschwindel




                      7. August 2011, von Henning Helmhusen






Mein Gegenüber schüttelte den Kopf: „Es ist nicht zu fassen. Aber es gibt immer noch intelligente Leute, die ernsthaft glauben, dass es die Mauer wirklich gab.“


Ich fühlte mich ertappt. Etwas verunsichert gab ich zu bedenken: „Die Leute bekommen das von den Medien eingehämmert. Was wollen Sie denn jemandem sagen, der nur diese Bilder von einer Mauer quer durch Deutschland kennt?“


„Was ich dem sagen soll?“ – Erich Zündel kam jetzt richtig in Fahrt: „Das sieht ja ein Kind, dass das eine plumpe Fälschung ist – das würde ich ihm sagen. Auf den Bildern ist ein Zaun zu sehen und keine Mauer.“


„Aber in Berlin soll es eine Mauer gegeben haben“, wandte mein Nachbar zur Linken ein.


„Berlin ist eine große Stadt. Natürlich gibt es da Mauern. Jedes Haus hat sogar mehrere. Aber dann hatten nach Ihrer Logik wohl auch London und Paris die Mauer?“


„Nein, das meine ich nicht.“ – mein Nachbar versuchte es noch einmal: „Sie kennen doch diese Rede, wo Reagan davorsteht und ruft: Mr. Gorbatchev, tear down this wall! Da sieht man eine lange Mauer im Hintergrund, glaube ich.“


„Glauben Sie?“ – bellte ihn der britische Historiker Egon Irving an: „Ihr Englisch ist falsch. ‚This wall‘ wäre eine Mauer auf der Seite von Reagan. Sonst hätte er ‚that wall‘ gesagt.“


Und Erich Zündel fügte süffisant hinzu: „Ich würde ja nicht ausschließen, dass die Amerikaner eine lange Mauer zur Teilung Deutschlands gebaut haben. Kennedy hat 1961 in Berlin sogar eine Rede zur Einweihung gehalten.“


„Wie?“ rief von hinten jemand wütend dazwischen: „Ihr spinnt wohl? Ulbricht hat die Mauer gebaut.“


„Etwa alleine?“


„Nein, die Betriebskampfgruppen, jedenfalls die DDR.“


„Welche DDR?“


Endlich hatte jemand die rettende Idee: „Es gibt ein Gesetz, dass man die Mauer nicht leugnen darf. Wenn Sie nicht sofort aufhören, hol ich die Polizei.“





Europäische Ratingagentur stuft USA auf AAA+ hoch




                      6. August 2011, von Henning Helmhusen





Seit langem hat die amerikanische Börsenaufsicht gegen das Kartell der Ratingagenturen gekämpft, das sich an den wilden Märkten gebildet hat. Daß hier einiges im Argen lag, konnte aufmerksamen Beobachtern nicht entgehen. So betrieb etwa Fitch Ratings einen eklatanten Etikettenschwindel, als sie sich in den Medien als amerikanische Ratingagentur attackieren ließen, obwohl sie ein französisches Unternehmen sind.


Doch nun hat S&P mit der Abstufung des amerikanischen Staates von AAA auf AA+ zugeschlagen und wieder einmal gezeigt, wie durchsichtig die Ratingagenturen die Interessen der USA vertreten. Wie der Vortragende Rat Kevin von Weizsäcker im Namen der Europäischen Ratingagentur verlautete: „Die USA stehen mit nur 100% Staatsverschuldung deutlich besser da als etwa Spanien, Portugal oder Irland, die weniger haben. Wenn wir dem Kartell der Ratingagenturen nicht endlich ein Monopol entgegenstellen, ist bald auch das AAA-Rating von Italien und Griechenland in Gefahr. Aus all diesen Gründen müssen wir jetzt unbedingt die USA aufstufen!“


Hier nun vorab das Factsheet zum amerikanischen Staat, das uns aus für gewöhnlich gut informierten Kreisen zugespielt wurde:



USA



Harte Fakten:


Nationalgericht: Hamburger

Nationalgetränk: Coca-Cola

Bundeskanzler: Obama der Hoffnungsträger

Nationalhymne: Yes, We Can!



Ergebnisse der Hintergrundrecherche:


Gegen 18 Uhr in Dallas gelandet, begaben wir uns schnurstracks zu unserem nicht angekündigten Lokaltermin auf der „Southfork Ranch“. Der Hausherr begrüßte uns am Eingang und schwärmte von seinen Investitionen in die üppig subventionierte Solarenergie. Damit seien auch höhere Steuern für ihn kein Problem. Dankbar sei er Obama überdies dafür, daß dieser gegen ausländische Ölkonzerne wie BP und das geschäftsschädigende Offshore-Drilling vorgegangen sei. Herr Ewing drückte jedem von uns sodann ein Glas Whiskey in die Hand und geleitete uns in das Wohnzimmer der Familie. Von einer Wirtschaftskrise war hier nichts zu bemerken. Vielmehr strahlte die Ausstattung eine Opulenz aus, die wir bislang nur aus dem Fernsehen gewohnt waren. Ein Blick aus dem Fenster bestätigte dies: blühende Landschaften, wohin das Auge reichte.


Zufällig schneite da Timothy Geithner herein. Er stieß mit uns an und beruhigte uns wegen der Haushaltslage des amerikanischen Staates. Nur etwa 40% der Ausgaben würden über Neuverschuldung bestritten. Das kurbele die Wirtschaft massiv an, weil Geschäftemacher nicht mehr so viel Kapital zu sich lenken könnten. Leider hätten die Republikaner, die sich in den Kreisen des Großkapitals tummelten, den Anstieg der Ausgaben verringert. Obama der Hoffnungsträger wolle sich davon aber nicht kirre machen lassen und den Staatshaushalt weiter ausbauen. Das leuchtete uns ein, denn die Bonität des amerikanischen Staates kann nur durch eine höhere Verschuldung verbessert werden.



Fazit:


Nach Rücksprache mit unseren Vorgesetzten haben wir uns überzeugt, daß das Rating des amerikanischen Staates weiter auf AAA+ hochgestuft werden muß. Nur so lassen sich die dummen Märkte beruhigen. Ergeben sich weitere Informationen, so können wir uns vorstellen, auch weiter auf AAA++ oder sogar AAA+++ anzuheben. Only the sky is the limit!





Du ißt, was Du bist




                      4. August 2011, von Henning Helmhusen





Unlängst war ich in Kassel bei Freunden zu Besuch. Wir hatten uns eine Weile nicht gesehen, und so hatte ich etwas den Anschluss verloren, was in jener Metropole angesagt ist, die so oft den Ton in Deutschland angibt.


Als es ans Essen ging, überraschten mich meine Gastgeber: „Bei uns um die Ecke hat ein carnetarisches Restaurant eröffnet: die „Haxe“. Wir gehen sehr häufig hin und haben mittlerweile unsere gesamte Ernährung umgestellt. Uns geht es seitdem saugut.“ Ich wusste nichts damit anzufangen und fragte zurück. Die Antwort war noch rätselhafter: „Wir sind nicht so abgedrehte Carnaner. Wir sind Carnetarier!“


Ich ließ mir nichts anmerken, und wir gingen dann. Das Essen in der „Haxe“ war für meine Begriffe gutbürgerlich mit Gyros, Schnitzel und allerlei Schlachtplatten. Allein der Wirt schlug meine Bitte um Pommes Frittes als Beilage etwas barsch aus. Solchen „Fraß“ sollte ich mir beim McDonald’s kommen lassen. Nach Frankfurt zurückgekehrt, versuchte ich mehr herauszufinden. Freunde und Bekannte waren leider keine Hilfe. Von carnetarischen Restaurants hatte hier noch niemand etwas gehört, und auch mein Lexikon wußte nichts. In den großen Bibliotheken wurde ich dann endlich fündig.


Der Carnetarismus ist eigentlich gar kein neuer Trend. Vielmehr reichen seine Wurzeln bis in die graue Vorzeit zurück. Eine eigenständige Bewegung wurde er aber erst durch Hermann Gustav Gustloff. Als vollständiger Autodidakt betrieb er seine ernährungswissenschaftlichen Studien neben seinem „Broterwerb“ als Gehilfe in einem Schlachthaus.


Um 1890 kam er durch eine Fehlübersetzung aus dem Sanskrit zu der Schlußfolgerung, dass gewisse Yogi ihr extrem hohes Lebensalter einer reinen Rindfleischdiät verdankten. Das stachelte ihn zu weiteren Untersuchungen an. 1895 brach Hermann Gustav Gustloff dann zu einer Ein-Mann-Expedition nach Alaska auf. Er kehrte mit erstaunlichen Berichten von über 200jährigen Eskimos zurück, die in ihrem Leben noch nie eine Pflanze gesehen, geschweige denn gegessen hatten.


Beflügelt durch diese bahnbrechenden Erkenntnisse baute Hermann Gustav Gustloff seine eigene Ernährungslehre auf, die er in ein umfassendes System mystischer Welterkenntnis einbettete: den Carnetarismus. Der Weg zu einem langen und erfüllten Leben führe über den Verzicht auf jegliche pflanzliche Ernährung und am besten eine reine Fleischkost.


Noch zu Lebzeiten konnte Hermann Gustav Gustloff für seine Lehre mehrere Anhänger gewinnen, so z. B. nach über zehnjähriger Überzeugungsarbeit und kurz vor ihrem Tod seine Frau Isolde Gustloff-Vogts. Sein Privatleben war leider von Tragödien gezeichnet. So verstarben die drei carnetarisch aufgezogenen Kinder schon früh auf für ihn unerklärliche Weise. Als er 1910 selbst im Alter von 43 Jahren dahinschied, erlitt der Carnetarismus einen Rückschlag, von dem er sich lange Zeit nicht mehr erholen sollte.


Erst in den 60er Jahren nahm die Bewegung von den USA aus einen neuen Aufschwung. Die Lawine ins Rollen brachte ausgerechnet die rigoros vegetarische „American League of Vegetables“. Eigentlich als Abschreckung gedacht, veröffentlichte sie 1967 das Werk Hermann Gustav Gustloffs „Die Fleischeslust“ („The Carnal Pleasure“). Die große Resonanz kam völlig unerwartet. Und noch unerwarteter war die Richtung, die sie nahm:


Landesweit schossen carnetarische Lesezirkel aus dem Boden. Mit Kränzen aus Chicken-Wings im Haar zogen junge Leute in die Fleischmetropole Chicago, um den Klängen engagierter Musiker wie der „Meatles“ oder eines „Captain Beefsteak“ zu lauschen. Fleischbewegte Hippies gründeten unter der Parole „Where’s the beef?“ Landkommunen, in denen sie die neue Lebensweise praktizierten. Dabei kam es auch zu manch skurrilen Blüten, wie etwa dem Versuch, Kühe zu Fleischfressern „umzuerziehen“, die heute leider immer noch etwas das Bild des Carnetarismus in der Öffentlichkeit bestimmen.


Auf dem Umweg über die USA kehrte der Carnetarismus dann endlich auch wieder in das Land seiner Entstehung zurück. Organisationen wie „Pflanzenversuche Stopp!“, „Robin Meat“ oder „Plantpeace“ nahmen ihren Anfang und erfreuten sich ab den späten 70er Jahren eines regen Zuspruchs gerade von jungen Leuten, die sich im Angesicht von Müsli, pflanzlicher Rohkost und Tofu nach einer natürlichen Lebensweise sehnten.


Langsam differenzierte sich auch die Bewegung aus: Radikale Carnetarier machten mit „Pflanzenbefreiungen“ von sich Reden, wobei sie Zäune um Gärten und Felder niederrissen. Es spalteten sich die „Carnaner“ ab, die sogar den Verzehr von nicht-fleischlichen Produkten wie Eiern und Milch ablehnten. Und unter den Carnanern kam es wieder zum Streit darüber, ob nicht der Verzehr von Pflanzenfressern gegen die reine Lehre verstößt.


Die Begründungen, die für den Carnetarismus vorgetragen werden, sind sehr vielfältig. Zum einen wird betont, daß sich Menschen in der Urzeit vorwiegend von Fleisch (Mammuts, Säbelzahn-Ozelots, usw.) ernährt haben und unsere Art deshalb nicht für eine pflanzliche Ernährung geschaffen ist. Das bewiesen auch die hohen Lebenserwartungen in den Industrieländern mit ihrem vermehrten Fleischkonsum.


Zum anderen ist aber auch das ethische Argument für den Fleischverzehr sehr verbreitet: Pflanzen seien unsere unschuldigen und wehrlosen Mitgeschöpfe. Tiere vergingen sich an ihnen, und deshalb sei es Aufgabe des Menschen, hier durch deren Verzehr dem Pflanzenmorden einen Riegel vorzuschieben. Insbesondere in Frankreich spielt dann noch die politische Begründung des Carnetarismus eine Rolle. Man möchte auf diese Weise seinen Protest gegen die Dominanz der Amerikaner auf dem Getreidemarkt zum Ausdruck bringen. In eine ähnliche Richtung ging auch die Kampagne „Leder statt Jute“, denn natürlich darf nie die Sorge um die Dritte Welt und die Natur fehlen.


Als mir all dieses klar wurde, änderte ich meine Ernährung auf der Stelle. Zwar sind die Alkoholika etwas eingeschränkt, im Wesentlichen auf Eierlikör, aber ansonsten muss man praktisch auf nichts verzichten. Tagelang ausgekochter Pansen kann Tofu ersetzen. „Schokoladenpudding“ gibt es aus frischgepressten Nierchen. Und mit Eiern und Käse lassen sich Fleischkartoffeln zaubern, die ihren pflanzlichen Vorbildern täuschend ähnlich sehen. Die Umstellung auf die neue Kost war also kein Problem für mich. Und nach nunmehr drei Wochen kann ich die Erfahrung meiner Kasseler Gastgeber nur vollauf bestätigen. Seitdem ich mich endlich gesund ernähre, fühle ich mich pudelwohl und hatte noch keine einzige Grippe.

Aus meiner eigenen Anschauung, aber auch aufgrund der erdrückenden Beweise kann ich die Lehren Hermann Gustav Gustloffs den Lesern dieses Blattes nur wärmstens ans Herz legen. Wenn Sie durch diesen Artikel auf den Geschmack gekommen sind, schauen Sie doch einfach mal in meinem neuen Restaurant „Carpe Carnem“ in Frankfurt vorbei. Ich freue mich, Sie dort mit der noch vom Gründervater stammenden Losung „Fleisch Heil!“ zu begrüßen.




Der Lyriker und die Umsatzsteuer: 1 ½ Prozent




                      1922, von Alexander Moszkowski



Vorausgesetzt, er findet einen Verleger,
Vorausgesetzt, der Mann ist ganz integer,
Vorausgesetzt, besagter Lyrikus
Erhält ein Honorar beim Rechnungsschluß;
Vorausgesetzt, daß ihn die Muse heiligt
Mit lyrischem Gefühl, das in ihm brennt, -- --
So ist der Fiskus auch daran beteiligt,
Und zwar genau mit 1 1/2 %.

Es stieg empor aus seiner Seelen Grüften
Ein Ahnen in beseligtem Moment,
Er sang von Rosen und von Frühlingsdüften,
Vom Duften zahlt er 1 1/2 %;
Er sah der Liebsten in die keusche Seele,
Die Nachtigall bewies ihr Tontalent,
Und die besagte holde Philomele
Wird eingeschätzt mit 1 1/2 %.
Er singt vom Zephyr und vom Sturmeswüten,
Vom Lotoskelch im fernen Orient,
Der Fiskus ist bei seinen Lotosblüten
Sein Sozius mit 1 1/2 %.
Er jauchzt, er weint, er schwelget in Genüssen,
Ein Freudenkuß hebt ihn zum Firmament,
Und jeder einzelne von den Küssen
Stellt dar pro fisco 1 1/2 %.
Wie schön, daß so die ganze deutsche Lyrik
Sich einheitlich zu dem Tarif bekennt;
Ist auch die Rechnung manchmal etwas schwierig,
Das Grundmaß bleibt doch 1 1/2 %;
Und ist trotz aller Kunst des Silbenfalles
Der lyrische Poet meist insolvent,
Der Staat beteiligt sich an seinem Dalles
Unweigerlich mit 1 1/2 %.




Wer steckt hinter dem Teufels-Killer von Oslo?




                      2. August 2011, von Henning Helmhusen




In den letzten Tagen überschlugen sich die Vermutungen, wer die geistigen Brandstifter sind, die dem Massenmörder in Norwegen, der ja bekanntlich keine hatte, die Ideen gaben. Natürlich ging es hier etwas zu weit, allein wegen der gemeinsamen Haarfarbe Daniela Katzenberger anzuklagen. Genauso der Vorwurf, Thomas Gottschalk habe Gaddafi zu seinen extravaganten Uniformen angestachelt.


Doch dann frästen sich die deutschen Medien an der Reality-Soap „Big Broder Haus“ fest. Der Zusammenhang, der hier behauptet wurde, sollte dieser sein: Wer ausdauernd das düstere Szenario malt, daß in zwanzig Jahren Europa von einer kleinen Minderheit von etwa 3% Moslems übernommen wird, der schafft ein Klima, in dem sich viele auf das Äußerste bedroht fühlen. Auch wenn der Betreffende ganz ehrlich nicht will, daß gewaltsam vorgegangen wird, schürt er eine Angst, die andere - für deren Handlungen er wohlgemerkt nicht verantwortlich ist - zum Ausgangspunkt nehmen, konsequenter weiterzudenken und dann in vermeintlicher Notwehr „zurückzuschießen“.


Das ist natürlich eine völlig abwegige Argumentation, wie man an einem Blick in die deutsche Geschichte sehen kann. Als Ende der 1870er Jahre in der dem katholischen Zentrum nahestehenden Zeitung „Germania“ die Gefahr einer baldigen Übernahme Deutschlands durch die kleine Minderheit der Juden beschworen wurde, aufgrund von deren angeblich rasanter Vermehrung sowie ungehinderter Zuwanderung aus dem Osten, da wollten die Schreiber ja niemandem persönlich zu Leibe rücken, sondern nur auf einen Mißstand hinweisen, der nach ihrer Ansicht totgeschwiegen wurde. Höchstens vielleicht ein bißchen die Bürgerrechte der Juden einschränken und ihre Einwanderung unterbinden.


Und wer konnte denn damals damit rechnen, daß andere konsequentere Schlüsse aus der Bedrohungsvision ziehen würden? Entsprechend ungerecht waren die Attacken zum Beispiel der Satirezeitschrift „Berliner Wespen“ auf die „Germania“. In hysterischer politischer Korrektheit behauptete dann sogar 1880 der liberale Abgeordnete Eugen Richter im preußischen Landtag, die logische Folgerung aus den kundgetanen Ansichten sei es, die Juden über die Grenze zu bringen oder totzuschlagen. Nein, hier darf man wirklich entrüstet sein, wenn jemand Parallelen sieht!


Suchen wir also die dunklen Hintermänner. Daß von Anders Breivik, dem ehemaligen Freimaurer, offensichtlich verborgene Verbindungen zu den Illuminaten führen, ist viel zu einfach für eine Verschwörungstheorie. Nach meiner Ansicht weist das falsche Zitat von John Stuart Mill den richtigen Weg. Dieser zynische Utilitarist war ja bekanntermaßen ein fanatischer Vertreter von Frauenrechten, die letztlich zur Auflösung auch der Breivikschen Familie führten. Und das zeigt tiefenpsychologische Verletzlichkeiten einer vaterlosen und ödipalen Gesellchaft, die die Tat letztlich als verzweifelten Hilferuf erscheinen lassen. Nur wo, frage ich, sind hier eigentlich Margarete Mitscherlich und Horst-Eberhard Richter, um uns das alles zu erklären?


Außerdem war John Stuart Mill ja auch ein unbelehrbarer Apostel nicht nur der individuellen Freiheit, sondern auch des atomisierenden Kapitalismus. Da ist es natürlich kein Zufall, daß Anders Breivik sich nicht nur als Unternehmer versuchte, sondern auch als Einzeltäter handelte. Und damit schaffen wir es endlich, die Tat in unser Weltbild einzufügen. Die vom Abstieg bedrohten Mittelschichten können sich nicht zu ihrem Schicksal verstehen, mit dem Prekariat für eine gerechtere Gesellschaftsordnung zu kämpfen, sondern laufen den rechten Rattenfängern hinterher, wie wir sie umstandslos bei der deutschen Tea Party FDP ausmachen können. Wer Steuersenkungen predigt, der wird Massenmörder ernten. Basta!


Meine aufrichtige Entschuldigung nur an Sigmar Gabriel und Sarah Wagenknecht, falls ich ihre Analyse vorweggenommen haben sollte.




Öko-Auto fährt mit Wasser




                      1. August 2011, von Henning Helmhusen




Was Wissenschaftlern über Jahrzehnte Kopfzerbrechen bereitete, scheint an der Fachhochschule Bad Münstereifel einer studentischen Arbeitsgruppe im Fachbereich ökologischer Maschinenbau gelungen zu sein: ein Auto, das mit Wasser fährt.



Dabei ist das Prinzip ganz einfach. 'Also, wir nageln drei mit Wasser gefüllte Ein-Liter-Flaschen auf die Motorhaube', erläutert einer der jungen Erfinder die Funktionsweise. "Und in den Schraubverschluss bohren wir oben ein kleines Loch. Wenn mensch auf einem Hügel losfährt, dann wird das Auto von der Masse des Wassers beschleunigt. Gleichzeitig läuft aber auch das Wasser aus, so dass der Schwung nicht abgebremst wird, wenn mensch wieder bergauffährt. Oben brauchen wir dann nur noch eine Wassertankstelle, um die Flaschen wieder aufzufüllen."



Anlässlich einer Probefahrt mit dem Öko-Auto versprach Umweltminister Nobbi Röttgen großzügige Unterstützung. So soll, um den Wissenschaftsstandort Eifel zu sichern, ein eigenes Forschungsinstitut 'Öko-Auto 2020' gestiftet werden, dessen 10 neugeschaffene C5-Stellen zu gleichen Teilen unter Bewerbern und Bewerberinnen ausgelost werden. Darüber hinaus kündigte der Minister eine Investitions-Initiative des Bundes unter dem Motto 'Unsere Zukunft liegt im Wasser' an.



Allerdings gibt es noch einige kleinere Probleme. "Erstens braucht das Öko-Auto momentan noch einen konventionellen Motor um beim Bergauffahren nachzuhelfen", so merkt eine Studentin an. "Was uns aber größere Sorgen macht, ist, dass die Flaschen mit den durchstochenen Schraubverschlüssen nicht so gut recyclet werden können." Und einer ihrer Kommilitonen ergänzt: "Außerdem wird das der Großindustrie nicht schmecken, dass sie bald gar nicht mehr Dritte-Welt-Länder wie Bahrain, Kuweit oder Saudi-Arabien ausbeuten kann."





The Great Disappointment Reloaded




                      31. Juli 2011, von Henning Helmhusen




Wenn es einen Tipp für Endzeitpropheten gibt, dann diesen: Sich niemals festlegen!


Aber nicht alle hören auf mich. So warnte im Januar diesen Jahres Timothy Geithner, daß die Schuldengrenze bis zum 31. März erreicht sein würde und das mit katastrophalen Folgen. Dann korrigierte er sich, daß der Termin der 5. April sei. Tatsächlich erreichte die Verschuldung aber erst am 16. Mai die Grenze, und nichts passierte. Vorsorglich hatte Geithner aber schon im April eine neue Prognose in Umlauf gebracht, nämlich die, daß die USA nach allen Anstrengungen und ohne neue Schulden bis zum 8. Juli bankrott sein würden. Als nächstes verschob er den Tag für den Weltuntergang auf den 2. August.


Als investigativer Journalist in den deutschen Medien muß man sich dabei nichts denken, wenn der amerikanische Finanzminister mehrfach weit daneben liegt, wie es um die Finanzen der USA bestellt ist. Stattdessen posaunt man immer die gerade aktuelle Prognose aus vollem Hals heraus. Es wäre ja unethisch zu denken, daß der Mann einfach wider besseres Wissen die Öffentlichkeit hinters Licht führt. Das kann nicht sein, weil dann ja auch Obama ein Lügner wäre, und Obama ist der Hoffnungsträger.


Trotzdem hat Timothy Geithner einen Fehler gemacht, als er nicht rechtzeitig eine neue Prognose ausstreute und somit am 2. August hängen blieb. Daß das kein Beinbruch sein muß, zeigt das historische Beispiel von William Miller aus dem Jahre 1844. Denn, wenn man erst einmal genügend Jünger hat, die emotional investiert sind, dann kann jeder noch so schlagende Widerspruch verkraftet werden. Für Timothy Geithner sieht es von daher trotz seinem Patzer sehr gut aus.


William Miller hatte eine Schar von Anhängern um sich geschart, die Milleriten. Mit höherer Arithmetik las er aus der Bibel heraus, daß Christus irgendwann im Jahre 1843 wiederkehren würde. Als ihn seine Anhänger drängten, doch bitte etwas genauer zu sein, legte er sich auf den Zeitraum vom 21. März 1843 bis zum 21. März 1844 fest. Die Milleriten irritierte es nicht weiter, als bis zum Ende des Zeitraums nichts passiert war. Miller hatte nämlich inzwischen den 18. April 1844 für den Weltuntergang ins Rennen geschickt. Wieder geschah nichts, aber Miller blieb dabei, daß der Tag der Wiederkehr Christi nah bevorstand. Bis August hatte er noch einmal nachgerechnet und herausgefunden, daß der 22. Oktober 1844 der große Tag sein würde. Mittlerweile war die Erwartung unter seinen Anhängern auf Fieberniveau gestiegen. Sie zogen sich am 22. Oktober 1844 weiße Himmelfahrtsgewänder an und warteten und warteten und warteten ...


Und es passierte nichts.


Halt, noch nicht lachen! Der komische Teil kommt erst noch. Auch wenn dieser Tag in die Geschichte als das „Great Disappointment“ einging, gaben die meisten Milleriten nicht auf. Stattdessen überschlugen sie sich, Erklärungen zu finden, warum die Vorhersage doch richtig gewesen war. Eine Richtung fand beispielweise heraus, daß es sich um keinen weltlichen Untergang handelte, sondern um einen im Himmel. Andere behaupteten, Christus sei tatsächlich zurückgekehrt, nur unsichtbar geblieben. Und wieder andere verlegten den Weltuntergang auf April, dann Juli und schließlich Oktober 1845. Millers Bewegung tat all dies keinen Abbruch. So gibt es eine der Nachfolgeorganisationen, die Seventh-Day-Adventisten, bis auf den heutigen Tag.


Wir können von daher Timothy Geithner Mut machen. Auch wenn am 2. August absolut nichts passieren wird, hat er das Zeug dazu, eine neue Religion zu stiften, die Geithneriten. Die erste Erklärung, die seine Jünger verkünden werden, ist die, daß am 2. August tatsächlich ein Zahlungsausfall stattfand, dieser einfach nur unsichtbar blieb. Eine andere Richtung wird den 2. August bloß für etwas verfrüht halten und weiterhin den baldigen Bankrott vorhersagen. Und da nach dieser korrigierte Prognose der Weltuntergang weiter vor der Türe steht, hatte Geithner eigentlich im Prinzip ja doch recht. Und dann wird es viele geben, die Obama und Geithner mit immensem Lob überhäufen. Schließlich haben die beiden das Unmögliche geschafft, nämlich den sicheren Zahlungsausfall doch noch zu verhindern. Das ist umso bewundernswerter, als sie bis zur letzten Woche noch keine konkreten Pläne für die Zeit nach dem 2. August zu haben schienen. Keiner wird sich allerdings dazu verstehen, die beiden einfach als Bluffer zu bezeichnen.


Mein einziger Wunsch: Obama und Geithner sollten am 2. August weiße Himmelfahrtsgewänder anlegen. Etwas Stil muß schon noch sein.



Nachtrag: Heute ist der 2. August und im Verlauf des Tages wurde nach dem Repräsentantenhaus gestern ein Gesetz zur Anhebung der Schuldengrenze auch vom Senat verabschiedet und muß bloß noch vom Präsidenten unterzeichnet werden, um Gesetz zu werden. Das sollte dann eigentlich zu spät sein, um den Default abzuwenden. Denn dummerweise fielen heute gar keine Zahlungen aus. Wie erklären wir das? Einfach: die Behauptung war ja nur, daß die „Zahlungsunfähigkeit droht“, nicht daß Zahlungen ausfallen!





Zahlen beweisen! (Aus der „Germania!“)


                      26. September 1879, aus Berliner Wespen





Des leeren Wortgefechtes müde und die Unmöglichkeit erkennend, auf dem abstracten Boden der Logik, Religion und Metaphysik zu allgemein überzeugenden Resultaten zu gelangen, haben wir, die Redacteure der "Germania", der Zeitung für das deutsche Volk, beschlossen, uns in Zukunft einer stricteren Beweisführung zu bedienen. Wir werden fortan lediglich auf statistischen Quellen fußen, mit der Zahl operiren und dadurch unsere Schlüsse bis zur Evidenz, mathematischer Lehrsätze erheben. Im Kampfe gegen die Juden soll künftig die Addition unser Panzer, die Subtraction unser Schild, die Multiplikation unser Panier und die Division unser Schwert sein. Mit den vier Species wollen wir sie umstellen, mit Regel de tri zusammenschließen, und auf Logarithmentafeln werden wir Halali blasen!


Schon in einer der letzten Nummern unseres Blattes haben wir aus dem Umstande, daß innerhalb der letzten fünf Jahre 196 per Mille Juden, dagegen nur 240 per Mille Katholiken nach Berlin zugezogen sind, bewiesen, daß die jüdische Zuwanderung die relativ bedeutendste ist. Ohne die Anziehung statistischen Materials wäre uns dies natürlich unmöglich gewesen.


Schreiten wir auf diesem Wege fort und betrachten wir die Zustände in anderen Städten! Welche ein schaudervolles Bild entrollt sich da vor unseren Augen! In einer schlesischen Kleinstadt, die wir speciell zu diesem Zweck untersucht haben, stellt sich nach amtlichen Quellen das Verhältniß etwa so: Die Einwohnerzahl betrug 15,000, darunter 12,000 Protestanten, 6000 Katholiken und 300 Juden. In dieser Stadt giebt es mithin dreimal mehr Juden als Protestanten, fünfmal mehr Juden als Katholiken, also fast siebenmal mehr Juden als Protestanten und Katholiken zusammengenommen. Rechnet man die Garnison des Ortes zu etwa 1100 Mann, so ergiebt sich das erschreckende Factum, daß in dieser deutschen (!) Stadt auf je einen Christen 13, sage dreizehn, Semiten kommen.


Hierzu rechne man die unglaubliche Fruchtbarkeit jenes Stammes. Von fünf eigens zu diesem Zwecke statistisch untersuchten jüdischen Ehepaaren hatten zwei eine Nachkommenschaft von je drei, eines eine solche von zwei Kindern, während zwei Paare kinderlos waren. Mithin stellt sich der durchschnittliche Kindersegen der Juden auf 11 Stück pro Familie. Ließe man jene 5 Paare sich ungehindert fortentwickeln, so würden sie bereits in der vierten Generation zu der enormen Menge von acht Trillionen Menschen angeschwollen sein und schon lange vorher alle Christen in den Ocean gedrängt haben. Die elementare Pflicht der Selbsterhaltung gebietet mithin, dem Zustandekommen jener Progression bei Zeiten durch Ausrottung einen Riegel vorzuschieben.


Es erscheint dies um so nothwendiger, als die Methode des Gelderwerbs bei den Juden mit der Zeit zu den größten Unzuträglichkeiten führen muß. Der Normaljude verdient -- was bei der Schlauheit der Race eher zu niedrig gegriffen ist -- eine halbe Mark in der Minute, wovon etwa 45 Pf. auf unlauteren Erwerb entfallen. Rechnet man den Tag zu nur 5000 Minuten, so ist Jener nach einem Monate bereits Millionär. Ließe man eine der obenerwähnten Familien ungestört fortmanövriren, so würde sie nach Verlauf eine Schaltjahres die erste Kubikmeile Gold besitzen; die folgende Generation würde aus der Goldmenge bereits eine Kugel zu bilden im Stande sein, innerhalb deren der Mond seine Wanderung um die Erde bequem ausführen könnte. Also seid auf dem Posten, Germanen!





Amis sind doof



                      29. Juli 2011, von Henning Helmhusen




Die Ansprüche an eine Führungsmacht sind leider bedenklich gesunken. Früher mußte ein Land noch Philosophen vom Kaliber eines Hegel oder Heidegger und Soldaten im Stechschritt aufbieten, um in der Champions League mitzuspielen. Aber heute?


Wenn ich mir mal die Amerikaner nehme, die spinnen doch einfach. Sie haben keine GEZ wie wir, sie haben keine Wachtmeister, die im Internet Streife fahren, und sie haben noch nicht mal Einwohnermeldeämter. Ich würde mich ohne Personalausweis ja richtig nackt fühlen. Aber nicht die Amis. Liegt wohl daran, daß sie überhaupt keinen Check von anderen Ländern haben und immer nur ihre Waffen putzen. Deshalb sind sie auch so stur und lernen nichts von uns.


Dabei kann man so viel von uns lernen. Die Amis könnten auf dem Weg auch viel über sich selbst erfahren. Vielleicht liest wider Erwarten einer von ihnen ja doch mit. Deshalb schreibe ich mal alles zusammen, was man über die USA wissen muß. Ich bitte meine deutschen Leser vielmals um Entschuldigung, wenn ich sie damit langweile.


Zuerst einmal muß man wissen, wer überhaupt in Amerika lebt. Es gibt zwei Gruppen: die Cowboys und die Bürgerrechtler. Die Cowboys leben im Wilden Westen, also an der Pazifikküste, z. B. in Texas, wo auch George Bush herkommt. Sie haben total viele Waffen und trennen ihren Müll nicht so wie wir. Überhaupt machen sie sehr viel Müll, besonders aus Plastik, das wieder aus Öl gemacht wird. Texas kam ja schon als Stichwort. Das Öl wird auch für die monströsen Autoschlitten gebraucht. Die Cowboys sind alle fundamentalistische Christen, die sich von Fernsehpredigern einseifen lassen und viel von Freiheit reden, aber bis vor kurzem noch Sklaven hatten. Sie wählen eigentlich immer erzkonservative Rechtspopulisten wie die Republikaner oder die Tea Party. Außerdem fangen sie überall Kriege an, siehe Eisenhower in Korea und Nixon in Vietnam. Mit Hollywoodfilmen wie Rambo verdummen sie dazu auch noch die ganze Welt und sich selbst, nur nicht uns Deutsche. Leider gibt es sehr viele Cowboys, mehr als Kühe, die sie hüten können.


Auf der anderen Seite stehen die Bürgerrechtler, die für die Rechte der Sklaven kämpfen. Die meisten kommen von der Ostküste, z. B. aus Arkansas (Ar-kän-ses) wie die Clintons. Ihr Vorbild ist der Gründer der demokratischen Partei, Abraham Lincoln, der zusammen mit Martin Luther King gegen die Republikaner in den Südstaaten, ich meine, im Wilden Westen gekämpft hat. Die Bürgerrechtler haben einen schweren Stand, weil die Reichen in den USA gegen sie sind. Die Reichen zahlen nämlich überhaupt keine Steuern und kaufen sich obendrein auch noch Politiker, um durch Steuersenkungen noch weniger Steuern zahlen zu müssen. Die Bürgerrechtler kommen aus kleinen Verhältnissen und sind meist Demokraten. Beispiele sind Franklin D. Roosevelt, John F. Kennedy oder Al Gore. Auch praktisch alle Hollywood-Stars sind nebenbei Bürgerrechtler. Trotzdem schaffen es die Bürgerrechtler nur selten, den Präsidenten zu stellen. Von den letzten zehn Präsidenten waren nur fünf Demokraten. Gegen alle Widerstände hat es Obama zusammen mit Hillary 2008 trotzdem geschafft, übrigens als der erste und einzige Gewerkschaftsboß in der Geschichte der USA. Obama ist der Hoffnungsträger.


Um sicher zu gehen, daß der Ami, der sich hierhin verirrt hat, auch alles verstanden hat, stelle ich nun einen Frage zum Text. Weil er das sowieso nicht kapiert, habe ich gleich noch die Musterlösung hinzugefügt:


Frage:


Du mir mal erklären (Amis duzen sich doch alle!), warum die Schuldengrenze gegen allen gesunden Menschenverstand immer noch nicht angehoben wurde.


Lösung:


Die Demokraten sind vernünftig. Sie kämpfen für das Bürgerrecht auf höhere Steuern. Aber die Cowboys, besonders die Milliardäre mit ganz vielen Kühen, haben sich eine perfide Sache ausgedacht. Sie haben die ultrareaktionäre und rechtspopulistische Tea Party erfunden, mit der sie die Republikaner unter Druck setzen, dieselbe Politik zu machen, die sie schon immer gemacht haben. Weil die Republikaner gegen jede Ausweitung des Staates sind und eine Anhebung der Schuldengrenze seit langem dauernd abgelehnt haben, hat Obama die riesigen Staatsschulden von George Bush geerbt.


Aber die Republikaner machen unverdrossen ihre brutale Blockadepolitik weiter, indem sie im Repräsentantenhaus einen Gesetzentwurf zur Anhebung der Schuldengrenze verabschiedet haben. Darauf sind die Demokraten nicht reingefallen und wollen den Entwurf im Senat natürlich ablehnen. Obama ist verständlicherweise böse auf die sturen Republikaner, die mit ihrer Haltung bereits eine Panik an den Märkten ausgelöst haben. So sind die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen diese Woche weiter auf 2,82% gesunken. Damit zeigen die Märkte, daß sie Angst haben, die USA könnten ihre Schulden nicht zurückzahlen, wenn sie nicht mehr Schulden machen.


Der junge und gut aussehende Timothy Geithner muß jetzt dafür sorgen, daß das Geld zusammengekratzt wird, das nach seinen eigenen Angaben gar nicht da ist. Wenn er das nicht schafft, dann bekommen die Armen in Amerika keine Sozialhilfe mehr, schon deshalb, weil es die in Amerika gar nicht gibt. Am 2. August ist Schluß mit lustig und die USA sind pleite, weil der Staat nur noch so viel Geld ausgeben kann, wie er einnimmt. Die Cowboys interessiert das alles nicht. Hauptsache sie haben ihre Waffen. Unser altes Staatsmotto „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“ kennen sie nicht. Stattdessen drücken sie den einfachen Bürgern ihren Unsinn über die New York Times, Washington Post, MSNBC und CNN gnadenlos rein, bis diese gegen ihre wahren Interessen für die Republikaner stimmen. Und die Opfer sind dann natürlich vor allem in Deutschland zu beklagen.



Zusatzfrage: Ich habe im Text 2371 Fehler versteckt. Wer weniger als einen findet, kann sich sofort als Amerikaexperte bei Spiegel, Bild, Stern, Zeit, Süddeutsche oder einer beliebigen Fernsehanstalt bewerben. Ich wünsche viel Erfolg dabei!




Ueber den heiligen Krieg



                      1. Juni 1877, aus den Berliner Wespen




Nach den canonischen Gesetzen des Islam braucht der heilige Krieg der "Dschihad", nicht vom Scheikh-ul-Islam, sondern kann, wie die Korancommentatoren schon im 8. Jahrhundert erklärten, von jedem Schriftkenner und im Nothfalle sogar von jedem Moslem erklärt werden.


Ueber die nähere Ausübung dieses höchsten Majestätsrechts seitens des Durchschnittstürken haben uns Quellenstudien im Koran folgendes ergeben:


Sobald der gemeine Moslem sich von einer auswärtigen Großmacht nahegetreten fühlt, ernennt er sich zum vortragenden Rath und dann zum Großvezier und läßt sich als solcher von Ersterem die Sache objectiv vortragen, während er subjectiv zuhört.


Je nach Bedürfniß tritt er dann in diplomatische Verhandlungen mit der Großmacht, oder er erläßt ein Ultimatum an dieselbe. Erhält er wider Erwarten umgehend keine Antwort, so erklärt er ihr den Dschihad und läßt sich die Fahne des Propheten waschen und rollen.


Alsdann verleiht er sich den Medschidjeh-Orden erster Classe mit krummen Säbeln und läßt sich zum Generalissimus (Serdar Ekrem) aufrücken, worauf er in die feindlichen Gefilde wie ein Heuschreckenschwarm einfällt.


Hat er die feindlichen Heersäulen aufgerollt, wozu er nach dem Koran verpflichtet ist, da ein Dschihad programmmäßig mit der Vernichtung des Gegners enden muß, so verzichtet er großmüthig auf Contributionen und Annexionen, geht heim, degradirt und entflittert sich wieder und thut, als ob Nichts vorgefallen wäre.





Verbietet endlich Facebook!



                      27. Juli 2011, von Henning Helmhusen




Ich bin wirklich langmütig. Aber was zu viel ist, ist zu viel.


Zugegeben, das weltweite Interweb hat auch manches Gute gebracht, wie beispielweise einen Vorwand für die Öffentlich-Rechtlichen, die GEZ-Gebühren anzuheben. Oder bequem von zuhause die Öffnungszeiten von Behörden abzufragen. Doch in letzter Zeit mehren sich bedenkliche Entwicklungen, die auch eingefleischte Techniknarren zum Nachdenken angeregt haben. Um nur ein Beispiel zu nennen: Jedesmal, wenn ich meinen Rechner mit dem Schraubenzieher ausschalte, stürzt mir Word ab, und Kolumnen, an denen ich lange und mühevoll gearbeitet habe, werden auf Nimmerwiedersehen in die Datennetze abgesaugt. Oder Google. Wie ich gehört habe, sammeln die alle meine Daten und verkaufen sie zu horrenden Preisen an multinationale Konzerne, die sie dann in Nullen und Einsen umwandeln und an irgendwelche Hedgefonds verscherbeln. Und am Schluß werden die Informationen einfach gelöscht, weil bei dieser ungeheuren Datenflut keiner recht eigentlich sich für mich interessiert.


Doch nun hat Facebook wirklich den Vogel abgeschossen. Viele Leser meiner Kolumnen werden bestimmt nicht wissen, was sich hinter diesem schillernden Begriff verbirgt. Dabei sagt der Name eigentlich schon alles. Auf entmenschlichte Weise werden hier quasi Gesichter („faces“) in ein Buch („book“) gepreßt. Und das sind nicht einfach irgendwelche Gesichter, sondern die Gesichter von ganz konkreten Menschen. Als Mitglied wird man nämlich gezwungen, nicht nur ein Gesicht zu haben, sondern auch sogenannte „Likes“ (ein englischer Begriff für Vorlieben) für oft zweifelhafte Belange auszusprechen. Daß hier die totale Vereinsamung unserer Gesellschaft droht oder eigentlich schon Wirklichkeit geworden ist, stört dabei niemanden. Bei Facebook zählt halt nur der Profit, und das ohne Rücksicht auf Verluste.


Wie unerbittlich die Marktstrukturen arbeiten, zeigen insbesondere die Facebook-Partys, die in der letzten Zeit so viel von sich reden gemacht haben. Denn, wenn die Einsamkeit der Gesichtsbüchler sich bis zum Unerträglichen gesteigert hat, schlägt die latente Gewalt in offene Begegnungen um. Entfremdete Konsumsklaven versammeln sich an willkürlichen Orten und wollen plötzlich ihren Spaß haben, der sich nur als Surrogat verdinglichen läßt, wie ich aus meiner Proseminararbeit über postmoderne Medienkritik nur zu gut weiß.


Und nicht nur das: die Facebook-Partys kündigen auch unseren gesellschaftlichen Konsens auf. Seit wann darf man sich einfach ohne Anmeldung oder Genehmigung friedlich und ohne Waffen versammeln? Es ist gerade so, als wenn wir nichts aus der Geschichte gelernt hätten. Hat nicht so einmal ein kleiner Gefreiter aus Braunau mit seinen SA-Horden angefangen? Und wissen wir nicht, wo das hingeführt hat? Doch. Aber wir wollen einfach nicht wahrhaben, daß sich die Geschichte, um ein Wort von Marx abzuwandeln, heute als „Face“ wiederholt. Da paßt es natürlich nur zu gut ins Bild, daß sich ein Schreibtischtäter wie John Stuart Mill als Rattenfänger in diesen zunehmend asozialen Netzwerken eingenistet hat und dort seine obskuren Theorien verbreitet, auf die so mancher Entrechteter oder Neurechter dann hereinfällt. Siehe Norwegen.


Aus all diesen Gründen bleibt mittlerweile nur noch ein Mittel: Facebook muß verboten werden, und zwar so schnell wie möglich. Wehret den Anfängen, solange es noch nicht zu spät ist!





Trödelmarkt der Beliebigkeiten



                      25. Juli 2011, von Henning Helmhusen




Ich gebe es zu, ich weiß immer noch nicht viel über Norwegen. Aber dank der hiesigen Medien ist meine Lernkurve halsbrecherisch flach nach oben gerichtet. Der leichte Teil war natürlich, die Hintergründe aufzudecken: Der Attentäter Anders Breivik ist christlicher Fundamentalist, weil er sich nur mäßig gläubig nennt, also wesentlich mehr als wohl die meisten bei uns. Und seine pro-israelische Haltung weist ihn eindeutig als Nazi aus. Dann ist das mal geklärt. Nun sofort zur Einordnung.


Wenn etwas auf der Welt passiert – wir erinnern uns an Fukushima – geht es ja immer in erster Linie um die Opfer in Deutschland. Unter größter Gefahr für Leib und Leben begibt sich so beispielsweise heute morgen ein Reporter von n-minus-tv in ein Ferienlager in Deutschland, um sich über die Gefahrenlage zu orientieren. Und der Hamburger Verfassungsschutz ruht auch keine Minute, die Verbindungen des Attentäters zu Neonazis in der Hansestadt aufzuklären. Wir sind alle beruhigt, als sich keine Verbindungen herausstellen. Nur wieso hatte man welche vermutet? Es gab keinen Grund, die Hamburger Behörde war nur am schnellsten an die Presse geprescht.


Wohltuend wie auch schon bei früheren Gräueltaten wenden sich wieder viele gegen „feige Anschläge“, so auch Präses Schneider von der EKD, der meint, so etwas sei durch nichts und niemanden zu rechtfertigen. Dem kann ich nur zustimmen: mutige Attentate machen für mich auch viel mehr Sinn. Aber dann würde ja dieser Vorschlag entfallen, den jemand in einer amerikanischen Diskussion macht, nämlich Anders Breivik für den Friedensnobelpreis zu nominieren. Schließlich hat Arafat für sowas auch einen bekommen!


Und weiter geht es mit den Vorschlägen, wie man aktivistisch werden kann. So fordert die Gewerkschaft der Polizei eine Erfassung aller „auffälligen Personen“ im Internet. Auch wenn das sehr umfassend werden könnte, würde ich hier noch viel weiter gehen. Wäre nicht eine Registrierungspflicht für Attentäter viel besser und das zwingende Tragen von auffälligen Armbinden? Zum Beispiel grüne für islamistische Attentäter und braune für rechtsextreme? Das würde den Zugriff durch die Polizei massiv erleichtern.


Auch aus Belgien kommen hilfreiche Vorschläge. Außenminister Steven Vanackere (die haben wieder eine Regierung?) fordert eine europaweite Debatte über schärfere Waffengesetze. Gut beobachtet der Mann. In Belgien gab es 2007 pro 100 Einwohner 17,2 Waffen, in Deutschland 30,3 in Norwegen 31,3. Und entsprechend gab es 2007 pro 100.000 Einwohner in Norwegen 0,64 Tötungsdelikte, in Deutschland 0,92 und in Belgien 1,96. Das sieht ja vielversprechend aus. Ein Seitenhieb auf die amerikanischen Waffennarren sollte aber trotzdem drin sein.


Was ich mir noch wünsche, aber vielleicht habe ich es einfach nur verpaßt: (1) mehr Kickertische für Rechtsextreme, (2) ein Verbot von allen Computerspielen, (3) mehr Beten mit Margot Käßmann, (4) runde Tische mit allen sich gesellschaftlich wichtig nehmenden Gruppen, (5) Vorzensur bei YouTube und natürlich (6) einen Streßtest, der nicht veröffentlicht wird.


Dann wird bestimmt alles gut, und wir können Herrn Breivik nur gratulieren, bei uns so viele Verbesserungen angestoßen zu haben. Germany: twelve points. L'Allemagne: douze points.





Der unsichere Reichskanzler




                      23. Juli 1880, aus den Berliner Wespen






Die Mittheilungen einiger Journale, der Polizeipräsident von Madai sei in Friedrichsruh gewesen und habe die für die Person des Reichskanzlers getroffenen Sicherheitsmaßregeln als ungenügend bezeichnet, wird nicht nur uns beunruhigt haben. Indeß ist mit der uns und unsere Leser persönlich beschleichenden Unruhe ungemein wenig gethan und geholfen, und wir wollen uns daher bemühen, dem verehrten Polizeipräsidenten einige Andeutungen zu geben, wie die Sicherheit des Reichskanzlers zu vergrößern sein wird.


Gegen die den Reichskanzler bekanntlich ärgende Fliege an der Wand dürfte die Gendarmerie nicht mit Erfolg zu verwenden sein, so lange dieselbe nicht speciell auf den Fliegenfang einexercirt ist. Wir empfehlen bis zur Einführung eines Fliegengesetzes die Fliegenflasche und die Fliegenstöcke. Erweisen sich diese als ungenügend, so sind sofort und zwar auf Reichskosten die Wände der Bismarck'schen Stuben mit dem bekannten Fliegenpapier zu tapeziren und Decken und Fußböden mit Fliegenleim zu bedecken. Zum Feuchthalten der Tapeten und täglichen Erneuerung der Leimschicht ist eine Abtheilung unserer Feuerwehr als Fliegenwehr nach Friedrichsruh zu kommandiren.


Die Interviewer sind mit List zu bekämpfen. Der Polizeipräsident lasse von Herrn Castan einen Wachskanzler anfertigen und setze solchen in den Empfangssalon der Bismarck'schen Wohnung. Die Figur wird, bevor der Interviewer eindringt, aufgezogen und nickt dann mit dem Kopf oder schüttelt das Haupt. Nach einer halben Stunde findet eine Handbewegung statt, welche den Interviewer entläßt.


Für die Momente, in welchen der Reichskanzler Grillen fängt, sind solche bereit zu halten, damit der Lenker der Politik nicht in einer vergeblichen Jagd eine geplante Unsicherheit seiner Person zu erblicken im Stande ist.


Ein Beamter ist an dem linken Fuß des Reichskanzlers anzustellen, damit solchergestalt verhindert werde, daß der Reichskanzler mit besagtem Fuß zuerst aus dem Bett komme. Geschieht dies, so sieht der Reichskanzler den ganzen Vormittag seine Sicherheit als gefährdet an. Aus demselben Grunde haben andere Beamte dafür zu sorgen, daß dem Reichskanzler Nichts über den Weg, über die Leber u. s. w. läuft.


Eine große Gefahr liegt allerdings in der Vermehrung der Schutzmannschaft und Gendarmerie, da eine Beamtenanhäufung allerlei Unannehmlichkeiten nach sich zieht. Solche zu beseitigen, sind besondere Beamte aufzustellen.





Reporter ohne Quellen



                      22. Juli 2011, von Henning Helmhusen




Ich gebe es offen zu, ich weiß fast nichts über Norwegen. Die Hauptstadt ist Oslo, es gibt viele Fjorde und Mette Marit, es hängt irgendwie mit den Nobelpreisen zusammen und, wenn ich einen Politiker nennen sollte, fällt mir – sorry, lieber Norweger – nur Quisling, aber nicht sein Vorname ein.


Als ich also heute hörte, daß in Oslo eine Autobombe hochgegangen war und jemand in einem Ferienlager um sich geschossen hatte, tat mir das leid für die Opfer. Das letzte, was mir einfiel: mich sofort als Experte zu den Hintergründen zu äußern. Ich habe meine Meinung geändert.


Die Hintergründe liegen eigentlich auf der Hand. Man muß dazu nicht mal recherchieren. Attentate werden grundsätzlich nur von Moslems verübt, womit die Tätergruppe schon weitgehend eingegrenzt ist. Aber was treibt diese Leute an, solche Tagen zu verüben? Daß Norwegen und ein sozialdemokratisches Ferienlager keinen erkennbaren Symbolwert hat, paßt hier gut ins Bild. Es sind natürlich nicht alle Moslems, sondern Islamisten, die dahinterstecken. Und was treibt die nun wieder an?


Die Antwort ist einfach, wie ich von meinem Lieblingssender n-minus-tv erfuhr: Norwegen ist ja fast Dänemark. Und daß es hier Verärgerung wegen der Mohammed-Karikaturen gab, wissen wir. Damit war schon einmal sehr schnell eine Verbindung aufgedeckt. Aber reicht das?


Nein, besser noch eine andere Verbindung: Norwegen nimmt auch am Einsatz in Libyen teil. Jetzt ist alles klar. Die Islamisten sind auch verärgert darüber, daß Gaddafi unter Beschuß ist. Geschickterweise wollen sie den selbst ablösen, weil er zwar so ziemlich jede üble Richtung unterstützt hat, aber nicht die Islamisten vom Schlage der Al Qaeda. Macht Sinn: aus Ärger darüber verüben sie einen Anschlag in Norwegen.


Hoppla, der vermutliche Attentäter ist ein blonder Norweger. Aber das sollte nicht verblüffen, wie die Expertin auf CNN meint. Schließlich ist ein Migrationshintergrund noch nicht ausgeschlossen. Könnte ja auch ein Konvertit sein, Oder fragen wir doch mal jemand, der es wirklich weiß. Der Nachrichtensender n-minus-tv hat sofort jemand an der Hand: den Schauspieler Georg Uecker. Der hat sich in der Lindenstraße als Dr. Flöter natürlich ein profundes Wissen zu allen Themen angeeignet. Und er ist sogar halber Norweger. Was mehr kann man verlangen? In einer brillianten Analyse erklärt er, daß es in Norwegen keine Rechtsextremen gibt, was jetzt eigentlich fast die letzte Hoffnung war.


CNN läßt sich von der Nachricht über den blonden norwegischen Tatverdächtigen nicht irritieren und macht sich Sorgen, daß eine Welle der Ablehnung von Immigranten in Norwegen ansteht. Ein Experte erklärt, daß Oslo eine sehr „grüne“ Stadt ist mit viel öffentlichem Nahverkehr. Eigentlich sollte es da keinen Terror geben.


Mir ist das alles nicht genug. Ich muß hier auch noch meine zwei Cent dazuwerfen. In den Fjorden wird ja oft nach Lachsen gefischt, vermute ich. Lachse sind aber wie andere Fische nicht „halal“, wenn sie keine Schuppen und Flossen haben. Über diese Schiene klappt es: Die Islamisten denken vielleicht, daß Lachse solche Fische sind. Schließlich kommen sie meist abgepackt als orange Scheiben vor. Und aus Wut über die Verletzung der Vorschriften rächen sie sich an den Norwegern.


Es ist noch besser. Wie kommen Mette Marit und Quisling denn in die Gleichung? Quisling ist klar, Rechtsextremist. Aber Mette Marit? Nun, die hat doch mal Drogen genommen. Und das ist gegen den Koran. Und der Nobelpreis? Easy. Den hat doch Obama bekommen, von dem man munkelt, daß er insgeheim selbst ein Moslem ist.


Fertig. Jetzt ist alles geklärt. Bleiben Sie dran bis nach dieser kurzen Werbeunterbrechung!





Don't Re-elect Gary Johnson in 2016!




Washington, July 29, 2015




You don't have to follow politics closely to know the first term of President Gary Johnson has had its share of problems. Like when European President Nicolas Merkel went live on television to denounce the „deep sucking sound“ of jobs flowing to America, and asking the US to raise tax rates to a „fair level.“ But also domestically the President has recently come under considerable pressure. It may not show in his high approval ratings yet, but images of former IRS agents on a desperate search for productive jobs have touched a soft spot with even the most die-hard proponents of small government.


To be sure, some of the attacks against President Johnson have gone too far. There may have been some truth in what Senator Mitt Biden had to say about balancing the budget. But talk of a „Do Nothing President“ who blows a hole in our deficit, missed the point that we need both: higher taxes AND more spending. Same for hysterical claims from Congresswoman Tipper Santorum that legalizing marijuana would only be the first step to repealing the 18th amendment.


Yet, there have also been sensible criticisms leveled against the President. With his „markets work better than government“ mantra, he has done away with institutions which used to protect Americans from themselves. Case in point: the FCC. Admittedly, the reach of CNN and FOX had been in steep decline before, but letting them fail even after their merger as FOCN News, left viewers with the unregulated anarchy of the Internet where the First Amendment is often taken at face value. This is scary stuff.


So is it inevitable that President Johnson will be re-elected to a second term? As a neutral observer, I am inclined to think it is not. What gives me hope is a grassroots movement that has sprung up across the country: the Tax Party Movement. We all recall its first stirrings when ordinary people got dressed up in red coats and took back their right to warrantless searches. But now it has grown into a movement which has swept the nation.


Without a doubt, the icon of the Tax Party Movement is Michele Pelosi. No equivocating like we saw before. When asked about her favorite Founding Father on the Glenn Kouric Show, she did not need a hint and was quick to name King George. Here is an outspoken candidate who would not only eliminate „Land of the Free“ from the national anthem, but also stand firm against anyone doubting the literal truth of „Das Kapital“ and the Bible.


We should not count President Gary Johnson out, though. Over the past four years he has been very apt at pandering to special interests like being left alone by the government. If the Tax Party Movement has any chance of defeating Gary Johnson, it has to appeal not only to fiscal liberals, but also to social conservatives. But then we can. It doesn't matter whether it is a candidate from the Right or the Left or both who runs against Gary Johnson (I have to admit that George W. Gore looks like a winner to me). It only matters that we stop the insanity which has been going on in the White House way too long. Or as Hillary Gingrich put it so succinctly: „Gary Johnson is a One. Term. President.“ Let's hope she is right.







EHEC 21 darf nicht sterben!



                      18. Juli 2011, von Henning Helmhusen




Heute in den frühen Morgenstunden besetzten etwa ein Dutzend vermummte Personen den Gärtnerhof Bienenbüttel, der von Medien und Politik als die Quelle der EHEC-Epidemie ausgemacht worden war. Als die Polizei eintraf, gaben die jungen Leute sich als Mitglieder der „Faulen Bazillen“ zu erkennen und entrollten mit Fingerfarben bemalte Transparente.


Joghurt ist Mord“, war da zu lesen und: „Antibiotika? Nein Danke!“ Dann ketteten sich die Besetzer an einem Zaunpfahl fest und begannen unbestimmt zu singen.


Die Ordnungshüter merkten sofort, daß es sich um ein tief gefühltes Anliegen handelte. Aus internen Schulungen wußten sie, daß in solchen Fällen jede Konfrontation vermieden und dalli dalli deeskaliert werden muß. Sie zogen sich also zurück. Kurz darauf trafen mit mehreren Übertragungswagen die Journalisten ein, um nichts von den Breaking News zu verpassen. Eine Phalanx von Mikrophonen streckte sich in Richtung der Hofbesetzer: „Was wollen Sie erreichen? Warum haben Sie sich hier angekettet?“


Wir wurden provoziert“, wimmerte eine der Zivilungehorsamen.


Ja, und wir wollen ein Zeichen setzen. Bakterien sind unsere Mitgeschöpfe. Und nun soll die Sprossenproduktion einfach kaputtgemacht werden. Wir müssen alle irgendetwas tun! Wenn wir jetzt nicht aktiv werden, dann werden unsere Kinder und Enkel uns anklagen, weil wir ihnen eine Welt ohne EHEC hinterlassen haben.“


Die Bakterien sind unsere Freunde. Sie haben niemand etwas getan.“


Aber es sind viele Menschen an EHEC gestorben“, wandte einer der Journalisten aus Versehen ein.


Das ist eine große Lüge“, schallte es ihm da entgegen: „Und außerdem geschieht es den Umweltfeinden doch nur recht, wenn sie Sprossen ohne Rücksicht auf die Keime fressen. Das ist --“ In diesem Moment wurde das gesunde Umweltbewußtsein unterbrochen. Denn plötzlich bog eine Motoreskorte in die Auffahrt zum Biohof ein. Sicherheitsleute stürmten von allen Seiten heran und drängten die Journalisten ab. Sie bildeten eine Gasse zu einem gepanzerten Fahrzeug, ein Lakai öffnete die Türe und heraus stieg Umweltengel Nobbi Röttgen. Ohne große Umschweife postierte sich dieser vor den Bakterienschützern und winkte die Journalisten mit ihren Kameras wieder heran.


Die Krawatte zurechtgezupft hob er tiefernst an: „Ich bin fest davon überzeugt: Wir müssen jetzt die Verantwortung für die Schöpfung übernehmen und eine runde Ethikkommission einsetzen, die prüft, wie die Anliegen dieser jungen Leute schnellstmöglich umgesetzt werden können. Die Bundesregierung wird hier nicht zögern zu tun, was zu tun ist.“


Wir verlangen einen Streßtest“, skandierten die Besetzer: „Ohne Streßtest gehen wir hier nicht weg!“


Das ist doch schon seit langem die Forderung der Bundesregierung“, begütigte sie Röttgen: „Ich habe gerade eben mit Heiner Geißler telefoniert, der natürlich wieder den Schlichter machen will. Wir werden ergebnisoffen die Wiederaufnahme der Sprossenproduktion befürworten.“


Nicht allein das versprach der Minister, sondern auch den Ausstieg aus der Antibiotikaproduktion bis 2020 und die sofortige Schließung des Robert-Koch-Instituts. Als sich so alles in Wohlgefallen aufgelöst hatte, reichten sich die Anwesenden die Hände und sangen gemeinsam: „Wo-ho-ho-ho Penizillin, das letzte Signal vor dem Overkill“. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.





Europäische Ratingagentur stuft griechischen Staat mit AAA und Review auf Upgrade ein


                      17. Juli 2011, von Henning Helmhusen




Endlich ist es so weit: Nicht länger bestimmen skrupellose Geschäftemacher aus den USA, ob die europäischen Staaten solvent sind, sondern die Staaten selbst. Wer sonst würde über so viele Informationen verfügen? Wer sonst kann sich hier unabhängig ein Urteil bilden, unabhängig von eingefahrenen Meinungen und Fakten? Hier nun das Factsheet zum griechischen Staat, das uns aus für gewöhnlich gut informierten Kreisen zugespielt wurde:



Griechenland



Harte Fakten:


Nationalgericht: Gyros

Nationalgetränk: Ouzo

Bundeskanzler: Kostas Papa-irgendwas

Nationalhymne: „Griechischer Wein“ (bitte noch mal prüfen!)



Ergebnisse der Hintergrundrecherche:


Gegen 19 Uhr betraten wir das Restaurant von Herrn Sarikakis. Die Lokalität macht einen gepflegten Eindruck und ist reichlich mit Gipsfiguren aus der hellenischen Götterwelt versehen. Da wir nicht reserviert hatten, mußten wir etwa eine halbe Stunde warten, bis ein Platz frei wurde. Als wir uns kaum gesetzt und gerade einmal bestellt hatten, kam zufällig als Dr. Dreßler verkleidet unser Finanzminister Wolfgang Schäuble vorbei. Wir luden ihn zu uns an den Tisch, und er begann sofort bitter darüber zu klagen, wie ihn die Märkte im Atem hielten. Auch Momo und Iffi fanden das total blöd, und wir waren uns einig, daß wir alle etwas tun müssen. Nach dem fünften Ouzo und etwas Retsina war ich nachher doch etwas knülle und kann mich nicht mehr genau daran erinnern, was wir besprochen haben. In meiner Manteltasche fand ich aber einen Zettel mit Notizen.



Fazit:


Wir hier in der Lindenstraße von Mutter Merkel bis zu Gung haben nichts von irgendwelchen Zahlungsproblemen des griechischen Staates mitbekommen und vermuten stark, daß es sich hierbei um Gerüchte handelt, die von anonymen Hedgefonds gestreut wurden. Unser Konsens geht dahin, den griechischen Staat vorsichtshalber erst einmal nur auf AAA einzustufen. Bei Vorliegen noch besserer Informationen halten wir aber auch eine Hochstufung auf AAAA oder AAAAA für denkbar. Leider muß ich jetzt aufhören, weil meine Mutter mich zum Abendessen ruft.




Die Steuer-Ausstellung (Bericht aus dem Jahre 1890)




                      21. Mai 1880, von Alexander Moszkowski





Heute Vormittag 10 Uhr wurde die internationale Steuer-Ausstellung auf dem Tempelhofer Felde eröffnet. Die Feier ward vom herrlichsten Wolkenbruche, bei dem man vom Regen in die Traufe kam, begünstigt. Der Gedanke, die verschiedenen Leistungen aller Völker auf dem Gebiete des Steuerfaches zu einem übersichtlichen Gesammtbilde zu vereinigen, ist für uns um so schätzbarer, als sich bei dieser Gelegenheit wieder einmal auf's Deutlichste herausstellt, daß das so viel geschmähte Deutschland auch in diesem Zweige nicht nur jede Concurrenz mit den andern Staaten getrost aushalten kann, sondern selbige in vielen Punkten weitaus überflügelt. Indem der preußische Finanzminister in seiner Eröffnungsrede diesen Gesichtspunkt besonders betonte, gab er zugleich der Hoffnung Ausdruck, daß die aus der neuen Ausstellung zu ziehenden Erfahrungen Veranlassung zu neuen Anstrengungen auf dem schwierigen, aber dankbaren Felde der Steuerfabrikation bieten werden.

Es folgte sodann der Rundgang der Geladenen durch die Ausstellungsräume. Die Aufmerksamkeit galt zunächst den sinnreich arrangirten Zimmereinrichtungen: man sieht der Reihe nach ein deutsches, englisches, französisches etc. Zimmer, in welchen der Steuermann nebst nachfolgendem Executor gehaust haben. Schon hier zeigt sich die Ueberlegenheit unseres Vaterlandes unzweifelhaft, denn das deutsche Zimmer ist total leer; selbst die Nägel in der Wand und die Gardinenhaken sind abgepfändet.


Von hier gelangt man zu dem prachtvollen Wilberg'schen Cyklorama "New-York", welches als Allegorie der durch fortgesetzte Anwendung der Steuerschraube bewirkten Auswanderung aufzufassen ist. Gleich darauf sieht man eine doppelte Ausstellung vergoldeter Pyramiden, deren erste den Goldwerth der in verschiedenen Staaten jährlich erzielten Steuern darstellt, während die zweite den Werth der versprochenen und nicht gehaltenen Steuererlässe versinnbildlicht. In beiden Reihen steht die deutsche Pyramide als Siegerin da. Daneben haben Castan und Präuscher einige besonders merkwürdige Wehrsteuerpflichtige in Wachs ausgestellt, doch ist ein längeres Betrachten für Schwachnervige nicht rathsam. In dem anstoßenden Quittungssteuersaale begegnen wir unter Anderm den wohlbekannten Markstempeln, welche den Theaterbillets, wie den Fünfzigpfennigstempeln, welche den Fahrscheinen der Pferdebahn aufgeklebt werden.


Wir gelangen von hier aus in eine wegen ihres Inhalts höchst merkwürdige Rotunde. Sämmtliche in ihr aufgestellten Gegenstände stammen nämlich aus dem Auslande und waren trotzdem frei von jeder Eingangssteuer. Wir erwähnen hier namentlich die Skelettfragmente von Ichthyosauren, Plesiosauren und Pterodaktylen, ferner Wasser vom heiligen Ganges und echten Staub aus der Sahara. Auch einiges steuerfreies Vieh, wie Hirschkäfer, Ochsenfrösche, weiße Mäuse etc. ist in dieser Rotunde vertreten.


Wie überall auf Ausstellungen so begegnen wir auch hier einer Anzahl von Dingen, die mit dem strengen Grundcharakter der Veranstaltung nicht ganz harmoniren. Treten wir in den Garten, so bemerken wir links eine Würfelbude, zu deren Besuch die Passanten von einem speculativen Gedächtnißkünstler eingeladen werden. Jeder Wurf mit 3 Würfeln kostet 10 Pfg. excl. Knobelsteuer. Wirft man über dreizehn, so sagt der Budenbesitzer sämmtliche deutschen Steuern ohne Steckenbleiben und Anstoßen her, wirft man unter dreizehn, so hat man verloren und der Mann sagt nichts.


Wie schon bei früheren ähnlichen Gelegenheiten haben auch hier wieder die Herren Friedländer und Sommerfeld in einem besonderen Pavillon eine Filiale ihres Bankgeschäfts eingerichtet. In dieser finden Liebhaber der Börsensteuer reichlich Gelegenheit, ihre Neigung zu befriedigen. Auch sind die Loose zur Ausstellungslotterie à 1,75 Mark (incl. 75 Pf. Loosstempel) zu haben.


Diese Lotterie beschäftigt die Ausstellungsbesucher schon jetzt auf das Lebhafteste, und in der That sind auch die zur Verloosung angekauften Gegenstände durchaus geeignet, das allgemeine Interesse zu erregen. Da finden sich hübsche Papierkörbchen, welche denen nachgebildet sind, in die die Steuerbehörden die Reklamationsgesuche zu werfen pflegen, ferner artige Spielwaaren, unter denen wir die automatischen nationalliberalen Bewilligungs-männchen hervorheben. Nicht übel wird dem resp. Gewinner auch ein Fäßchen Steuerschnaps bekommen, mittelst dessen jeder Steuer-Aerger betäubt werden kann. Weitere Gewinnste sind: ein Flakon mit Steuer (Ess-)Bouquet, ein Buch betitelt "Der kleine Steuerzahler in der Westentasche, oder die Kunst, auf 24 Arten sein Vermögen in Steuern durchzubringen", etc.


Schon hier wollen wir in Kurzem der internationalen Jury gedenken, welche am Schlusse der Ausstellung Medaillen, Ehrenpreise und Diplome an die besten Leistungen vertheilen wird. Die große goldene Medaille soll an den Aushecker der hervorragendsten Steuer, das heißt derjenigen Steuer, die bei größter Belästigung des Publikums und kleinster Controlirbarkeit den relativ geringsten Betrag abwirft, vergeben werden. Man nimmt an, daß diese Medaille in Berlin bleiben wird.


Auch von Industriellen aller Art ist die Ausstellung reichlich beschickt worden. Wir finden hier beispielsweise Mikroskope, mittelst deren die modernen unter dem Einfluß der Korn-, Mahl- und Backsteuer erzeugten Semmeln sichtbar gemacht werden, wie auch dauerhafte Stricke, Revolver und Chemikalien, durch deren Anwendung geplagte Steuerpflichtige weiteren Zahlungen vorbeugen können.


Für die Erfrischung ist durch den kleinen, den mittleren und den großen Poppenberg gesorgt. Da die Ausstellung von Einschätzungscommissarien wimmelt, so durfte sich der Referent, der unvorsichtigerweise beim großen Poppenberg gespeist hatte, nicht wundern, bereits beim Nachhausekommen eine Zuschickung vorzufinden, derzufolge er um drei Steuerstufen erhöht worden war.




Freibier für alle!




                      15. Juli 2011, von Henning Helmhusen





Kommt der Staat in die Kneipe und hat die Spendierhosen an. Ruft er: "Freibier für alle!"

Alle sind begeistert.

Wie sie zur Theke stürzen, schaut der Staat, wieviel er dabei hat. Sind nur 10 Euro und sind sogar nur geliehen. Wo der Wirt das vierte Bier gezapft hat, wirft sich der Staat dazwischen und ruft: "Das ist jetzt genug Freibier für heute!"

Die Leute sind sauer und wollen dem Staat was tun.

Also steigt der Staat auf die Theke und hält eine Rede. Ihm sei schon länger aufgefallen, dass Egoismus und Anspruchsdenken bedenklich zugenommen hätten. Jeder denke nur an sich, niemand an den Staat. Und alle müssten nun den Gürtel enger schnallen, alle anderen natürlich.

Die Menge kocht immer noch.

Da macht der Staat ein Angebot: "Ich rette Euer Freibier. Ich nehme einfach für jedes Bier 5 Euro. Zwei Euro brauch ich für Verwaltung, 50 Cent, weil ich leben muss. -- Aber der Clou: Ihr habt Freibier so viel Ihr wollt!"

Alle sind begeistert, und so wird es gemacht.

Nach einer Weile hat einer doch einen lichten Moment. Fragt er: "Leute, wäre es nicht besser, wenn jeder sein Bier selber zahlt? Kostet nur 2 Euro 50!"

Weil das aber leider eine Parabel ist, gellt ihm da aus einer Kehle entgegen: "Du Scheiß-Neoliberaler willst uns unser Freibier wegnehmen!"

Dann werfen sie ihn raus.





Futtern wie bei Führern




                      12. Juli 2011, von Henning Helmhusen





Als Gastro-Tester sind wir ja einiges gewöhnt. Aber dass ein Schnellrestaurant in einem Luftschutzbunker einquartiert ist, ist selbst für uns etwas Neues. Im Fall des seit den Wahlen in Sachsen und Brandenburg ultratrendigen "Hinden-Burgers" finden wir das allerdings auch sehr passend.


Gleich am Eingang begrüßt uns der Blockwirt Holger Apfel, dem man nachsagt, er sei für die Zeit nach dem Endsieg als Minister für Eintopfsonntage und Volksernährung eingeplant. Mit stolzer Miene überreicht uns der etwas feiste Herr unsere mageren Rationierungskarten. Schließlich sei in seiner Location das Geld abgeschafft, um dem internationalen Finanzsystem das Wasser abzugraben.


Auch wir halten dies für einen coolen Gimmick, auf den wir seit den Volksküchen der Roten Khmer lange warten mussten. "Braune Khmer" korrigiert uns allerdings sofort der diensthabende Sturmbrennführer, "rot" sei eine alliierte Fehlübersetzung. Dann zeigt er uns, wie in der nationalen Alternative zu McDonald's Fleisch zubereitet wird. Man begnüge sich nicht mit kurzem Anbraten. Stattdessen werde das Fleisch in frisch gesprengten Bombentrichtern mit Benzin übergossen und gut durchgebrannt.


Als nächstes dürfen wir uns in eine Schlange zum Essenfassen einreihen. Wohltuend fallen uns dabei gleich die Damen an den Gulaschkanonen auf. Kein penetrantes Ami-Dauerlächeln, sondern mürrische Gesichter umrahmt von strengen Gretelfrisuren und feldgrau bestickten Dirndln. Jeder merkt da sofort, dass im "Hinden-Burger" Gemeinnutz vor Eigennutz geht.


Endlich an der Reihe wählen wir aus der übersichtlichen Karte ein "Nazi Göring - extrafett" und eine Portion "Chicken NsGoebbels", die, wie man uns versichert, nur aus arteigenen Klumpfüßen bereitet werden. An das Zigeunerschnitzel trauen wir uns eher weniger, auch wenn man uns damit zu beruhigen versucht, dass die Namensgeber aus Nordindien stammen und somit als reine Arier zu gelten haben.


Ein weiterer Pluspunkt: Die Mahlzeiten werden im "Hinden-Burger" nicht träge im Sitzen, sondern als Standgerichte abgehalten. Zum Runterspülen lassen wir uns dazu noch jeweils einen "Blut und Boden" kommen. Dieser auch als großdeutscher Caipirinha bekannte Cocktail wird aus unreifen Stachelbeeren, heimischem Rübenzucker und "Zinn 88" gemixt und erhält seine braune Farbe durch ein geheim gehaltenes Naturprodukt.


Nach zackigem Zählappell robben wir schließlich zum Ausgang. Hier hat man für uns etwas ganz Besonderes vorbereitet. Der Führer persönlich tritt auf -- sehr realistisch dargestellt von Horst Mahler -- und zeichnet uns mit zittrigem Klaps auf die Schulter und einer Salve eiserner Kreuze für unsere Tapferkeit vor dem Feind der deutschen Küche aus. Tief befriedigt verlassen wir so den Essschauplatz und sind uns sicher, dass dem "Hinden-Burger" schon bald Deutschland und dann die ganze Welt gehören wird.




Politisches Programm




                      25. März 1881, aus den Berliner Wespen






Von mehreren Seiten werden wir aufgefordert, schon jetzt eine Uebersicht über diejenigen Hetzen möglich zu machen, welche nach der Beendigunge der Katholiken-, Socialisten- und Judenhetze zu erwarten sein werden. Es ist dies schon deshalb keine leichte Aufgabe, weil die eben genannten drei Hetzen noch nicht beendet sind. Trotzdem glauben wir, wenn nicht alle Zeichen trügen, die folgenden mit einiger Sicherheit als unausbleiblich bezeichnen zu dürfen, allerdings nur für den Fall, daß die innere Politik dieselbe bleiben sollte.


Es sind vorläufig zu erwarten:


Die Hanseatenhetze.


Treitschke hat die Bewohner Hamburgs und Bremens bereits als Un- und Mißpatrioten bezeichnet. Varnbüler wird sie als lauter eingeborene Störtebecker an den Pranger stellen. Minnigerode dürfte nicht zögern, ein für allemal den Satz aufzustellen, daß die Hanseaten überhaupt keine Deutschen, sondern Nachkommen der alten westindischen Filibustiers sind. Eine Antihanseatenliga wird gebildet, und in der ersten Versammlung derselben gedenkt Finn zu behaupten, der Schlüssel im Bremer Wappen sei ursprünglich ein Nachschlüssel. Hessel bereitet eine Petition an den Reichskanzler vor, den Hamburger Hafen zuzuschütten und die Alster mit Wasserpest zu füllen. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schwört, die Hamburger Schiffsrheder müßten so klein werden, daß sie auf Kinderbillets fahren. In einer antihanseatischen Versammlung werden Männer, welche, weil sie gute Cigarren rauchen, für Bremer gehalten werden, insultirt und herausgeprügelt. Kardorff erfindet in derselben Versammlung das Wort vom Hanseatenring. Einem Wirth in der Leipzigerstraße, welcher Hamburger Rauchfleisch auf der Speisekarte hat, werden die Fenster eingeworfen. Ein aus Hamburg kommendes Mitglied der Berliner Stadtverordneten-Versammlung, welches sich eines Abends in einem Club ein Streichholz, um sich eine Cigarre anzuzünden, genommen, wird von Ruppel in dem eigends dazu gegründeten Journal "Der Knote" des Holzdiebstahls beschuldigt. In der "Post" wird nachgewiesen, daß die Mehrzahl der Verbrecher Bremer und Hamburger sind.


Die Hanseatenhetze dauert fort, während bereits wüthet:



Die Freihändlerhetze.


Dieselbe wird in dem Antifreihändler-Organ "Der Manchesterspiegel" damit eröffnet, daß die Freihändler officiös als den Nihilisten verwandt erklärt werden. Stumm dringt im Reichstag auf ein Gesetz zum Schutz gegen die Freihändler, indem er darauf hinweist, daß in der Wohnung Richters Bomben und Sprengstoffe vorhanden seien. Wehrenpfennig will für die Behausungen der Freihändler eine besondere Dynamitsteuer eingeführt wissen. Die Norddeutsche Allgemeine Post telegraphirt sich aus St. Petersburg, daß die Mörder des Zaren Freihändler seien, desgleichen die Minenleger in der dortigen Gartenstraße. In einer Versammlung der Antidynamiten werden bimetallene Mosle-Medaillen vertheilt, während Stöcker nachweist, daß der Brudermörder Kain Freihändler gewesen sei. Nach Schluß der Versammlung werden unter Absingen des Liedes "Schutzzoll, Schutzzoll über Alles" Rickert die Fenster eingeworfen. In der Reptilienpresse wird warnend bekannt gemacht, daß sich unter den Schutzzöllnern sehr viele Freihändler befinden, man möge sich vor ihnen in Acht nehmen, sie hätten Bomben im Schnupftuch, das Körnchen Wahrheit des Herrn Stumm müsse in's Rollen kommen und den Freihändlerring zerquetschen. Das Corps "Deliria" erklärt, jeden Freihändler und Nihilistengenossen von der Mitgliedschaft ausgeschlossen zu haben. Mosle bezeichnet in einer Rede, welche später gratis vertheilt wird, die ganze freihändlerische Agitation als einen Hexentanz um die goldene 110 zur Erlangung kostenfreier Garderobe, trotzdem seien aber die 700,000 Rubel, welche in St. Petersburg bei einem Nihilisten in zwei Koffern gefunden wurden, freihändlerischen Ursprungs. Der "Reichsbote" verbreitet das Gerücht, Bamberger bewerbe sich um die Hand Louise Michel's. Alle bereits verstorbenen freihändlerischen Schriftsteller werden von Bachem für Meuchelmörder erklärt.


Während die Freihändlerhetze fortdauert, beginnt plötzlich



Die Verfassungshetze.


Große Vereinigung aller hetzerischen Elemente zu einem imposanten Ganzen. Es wird überall verkündet, daß die deutschen Verfassungstreuen hängen müssen, aber nicht an der Verfassung des Reiches. Das neue reactionäre Kümmelblättchen "Rhein- und Main-Eid" erklärt die Liberalen für eingewanderte, volksverrathende und volksverkaufende Jünglinge. Es entstehen Kegelclubs, in denen kein Verfassungstreuer mitkegeln darf. Circulation einer bereits von der Unterschrift Mirbach's bedeckten Petition an den Reichskanzler, die Verfassung für bessere Zeiten aufzuheben und anstatt der Zügel die Peitsche der Regierung zu ergreifen. Der preisgekrönte Entwurf zu dem neuen Reichstagsgebäude geräth durch Unvorsichtigkeit in Brand. Liberale, welche löschen wollen, werden als die Brandstifter in Haft genommen. Ein neues Concurrenzblatt der Vossischen, welches sich "Reineke de Vossische Zeitung" nennt, enthält täglich Dutzende von Anzeigen, in welchen Beamte ihre Entbindung von einem gesunden Verfassungseid bekannt machen. Es bricht sich die Ansicht Bahn, daß die Verfassungstreuen, welche man nirgends finde, wo geprügelt wird, überhaupt keine Germanen sind. In einer Versammlung des neuen "Antiparagraphen-Vereins" wird ferner behauptet, die Verfassungstreuen seien schon deshalb keine Deutschen, weil sie nicht zwei Seidel vertragen könnten, die man ihnen an den Kopf werfe. Die Hetzpamphletenverleger machen mit einer Broschüre: "Der Antheil der Verfassungstreuen an den Verbrechen gegen die Sittlichkeit" gute Geschäfte, da sie, auf Norddeutschem Allgemeinem Papier gedruckt, gratis vertheilt und weil für jedes an den Mann gebrachte Exemplar 20 Pfennig aus dem Reptilienfonds bezahlt wird. Der Handel mit Eisbein und Sauerkohl nähert sich einer Epoche der höchsten Blüthe.


Wir behalten uns über die dann zu erwartende Hetze weitere Mittheilungen vor. Vielleicht kommt eine allgemeine Menschenhetze.




Hit the Road, Che ...




                      10. Juli 2011, von Henning Helmhusen





Wie war Ernesto Guevara, genannt "Che", wirklich? Wer war der Mensch hinter der Aufmachung als lateinamerikanischer Operetten-Revolutionär? Was trieb ihn an, sein Leben dafür zu opfern, als Poster in Kinderzimmern und WG-Küchen zu enden?


Fragen über Fragen! Doch lange Zeit mussten wir uns mit schablonenhaften Antworten begnügen. Che Guevara, hieß es da beispielweise, sei eine Pop-Ikone. Nur was ist eine Pop-Ikone? Ein Centerfold für Waldorfschülerinnen mit geheimer Schwäche für Machos? Oder eine Gebetsvorlage für Sozialisten mit seichtem Musikgeschmack? Niemand wusste genaueres.


Umso löblicher erscheint es uns deshalb, dass neuerdings aus allen Richtungen Annäherungen an den großen Unbekannten über uns hereinschwappen, die mehr Antworten bereithalten, als wir jemals Fragen zu stellen gewagt hätten. Um den Lesern einen Überblick zu verschaffen, wollen wir nun die wichtigsten vorstellen.


Aus dem Hause Disney kommt der monumentale Zeichentrickfilm "Das Dschungelbuch des Che Guevara". Mit gewohnter Detailverliebtheit wird hier die Lebensgeschichte des drolligen Zigarrenrauchers als unterhaltsames Musical für die ganze Familie aufbereitet. Störend wirken dabei nur einige sachliche Ungereimtheiten, wie etwa das Song-Duett "Surfing on the Bay of Pigs" zwischen dem Bären Crutchie (Nikita Chruschtschow) und König Artus (John F. Kennedy).


Mehr um authentisches Lokalkolorit bemüht ist hingegen die Verfilmung der "Motorcycle Diaries". Als verwegener Easy-Rider kämpft sich hier der junge Medizinstudent Ernesto mit seinem Sidekick durch Lateinamerika. Dabei wird bereits der spätere Menschenfreund Che Guevara greifbar, der Terroristen wie Bin Laden mit dem Vorschlag das Wasser abgraben wollte, Atombomben auf New York zu werfen.


Vom Erfolgsgespann Zucker und Zucker kommt eine amüsante Neuinterpretation des "Bolivianischen Tagebuchs". In "Die nackte Kalaschnikoff 444 1/4" werden die Mühen des wackeren Revolutionärs geschildert: von seinem erfolglosen Versuch, auch nur einen Bolivianer für seine Ziele zu gewinnen, bis hin zur tragischen Ermordung durch seine Feinde, die es vorziehen, sich nicht für die gute Sache an die Wand stellen zu lassen, sondern perfide zurückschießen.


Eine Schülergruppe aus Castrop-Rauxel hat Che Guevara auch die Türe zum Theater aufgestoßen. Im Rahmen einer Projektwoche brachte sie unter Anleitung ihres Sowi-Lehrers ein mehr als zwanzigminütiges Stück zur Aufführung, in dem Che Guevara etwas unhistorisch mit der "Weißen Rose" den Sturz Hitlers vorbereitet und schließlich am 20. Juli den Tod findet.


Und natürlich lassen auch die Printmedien und das Fernsehen nichts aus, um uns Ernesto Guevara näherzubringen. Völlig überraschend wartete etwa der "Spiegel" mit der fünfundzwanzigsten Titelgeschichte "Mythos Che" auf, während sämtliche öffentlich-rechtlichen Kultursendungen in der Rhetorik des marxistisch-leninistischen Parteihochschülers nach einer lyrischen Note fahndeten.


Das Bild wird abgerundet durch eine eigene Che-Guevara-Quizshow in SAT1 und die Castingshow "Wer wir Revolutionär?" mit Günter Jauch im Konkurrenzsender RTL. Selbst das Sex-Leben des Übermannes wird nun entzaubert. Lilo Wanders präsentierte einen exklusiven Bericht über die romantische Freundschaft zwischen Che und Fidel Castro. Interessantes Detail: der "líder máximo" habe kubanische Schwule ins Gefängnis werfen lassen, um den "Liebling der Revolution" nicht zu verlieren.


Nimmt man noch das weite Feld des Merchandising hinzu, von Kondomen mit aufgedrucktem Konterfei bis hin zum Golf "Ernesto Che Guevara", so wird man nicht umhinkönnen, sich einzugestehen, dass nun endlich alles über den unverstandenen Helden des 20. Jahrhunderts gesagt ist. In diesem Sinne: "… and don't you come back no more, no more, Ernesto!"





Die allerneuesten Beitrittsländer





                      9. Juli 2011, von Henning Helmhusen





Jeder kennt die Klage: "Europa ist nicht dynamisch." -- In Nebendingen wie Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft mag das angehen, aber nicht in der großen Politik. Denn kaum waren die Osteuropäer aufgenommen, da konnten auch schon fünf weitere Länder begrüßt werden. Angela Merkel schwärmte: "Sie sind seit langem ein integraler Bestandteil des europäischen Projektes gewesen. Sie lassen sich einfach nicht aus Europa wegdenken."


Der Anschluß von Ikarien, Utopia und der Civitas Solis gestaltete sich dabei wegen des ähnlichen Gesellschaftssystems ganz reibungslos. Hingegen war die Aufnahme des Märchenlandes hart umkämpft. Eine Koalition aus Attac, Gewerkschaften und Konservativen protestierte, nun drohe ein Ansturm von Billigarbeitern und Kriminellen. Die Kampagne verlief dann allerdings schnell im Sande, als sich die vierzig Räuber allesamt als V-Leute herausstellten und die EU-Kommission den Heinzelmännchen das Arbeiten für 1001 Nacht verbot.


Doch das räumte nicht die Bedenken auf der Märchenseite aus: In Brüssel arbeite man an einer Gleichstellungsrichtlinie für Ritterinnen, und das tapfere Schneiderlein müsse sich demnächst wegen unerlaubtem Waffenbesitz verantworten. -- Der Präsident des Märchenlandes brachte schließlich mit seinem Plädoyer die Wende. "Liebe Mitbürger und Prinzessinnen", hob er an: "Um den amerikanischen Traum zu besiegen, braucht Europa das totale Märchen. Wenn wir erst einmal Mitglied sind, werden uns die Regierungen in Berlin und Paris unsere Dukaten-Esel und Tischlein-Deck-Dichs aus den Händen reißen. Das kurbelt unsere Wirtschaft an und schafft Arbeitsplätze!"


Am delikatesten war schließlich der Beitritt des Schlaraffenlandes. Broilerbuden drohten mit Selbstverbrennungen wegen des unlauteren Wettbewerbs durch unerlaubt fliegende, gebratene Tauben. Als dann aber ausgehandelt wurde, daß der anti-bulimische Grießbreiwall bis auf weiteres erhalten bleibt, war letztlich doch alles in Butter. -- Pech nur für El Dorado. Wegen der Furcht vor Reichtumsdumping muß das Goldland so lange draußen bleiben, bis das Maastricht-Kriterium von mindestens drei Prozent Staatsdefizit erreicht ist.




Das Handwerk des Satirikers





                      7. Juli 2011, von Henning Helmhusen






Der Wachtmeister war so zuvorkommend, wie es die Situation erlaubte. Ich müsse ihn bitte verstehen, das sei alles nur seine Pflicht. Und wenn es nach ihm ginge, dann würde er in meinem Fall bestimmt das Auge des Gesetzes zugedrückt haben. Aber!


Ich kann gar nicht sagen, wie leid mir der arme Mann tat. Er schlotterte am ganzen Leib und konnte seine Dienstwaffe nur mit Mühe halten. "Schießen Sie schon los," ermunterte ich ihn schließlich: "Mir ist doch auch klar, dass das Gemeinwohl Opfer verlangt. Sonst wäre es ja einfach nur das Wohl eines jeden einzelnen. Was ist es denn diesmal?"


"Herr Helmhusen, viele halten Sie für einen Meister der Satire. Aber --", er stockte: "Aber bei Durchsicht unserer Akten mussten wir leider feststellen, daß Sie nie eine Meisterprüfung abgelegt haben. Sie sind nicht einmal Satiriker-Geselle oder auch nur -Azubi. Zum Schutz der Verbraucher muss ich leider Ihre spitze Feder beschlagnahmen."


Da war nichts zu machen. Aber um nun zu vermeiden, dass der staatstragende Leser diese Zeilen in der Sorge beiseite legt, ich könnte ihn in illegale Handlungen verwickeln, möchte ich gerechterweise auch schildern, wie der Staat mich aus meiner Arbeitslosigkeit wieder herausholte. Ich hätte ja nie gedacht, wieviele Möglichkeiten mir ab nun offenstanden.


So empfahl mir die örtliche Satire- und Humorkammer, einen unfähigen Meistersatiriker einzustellen und unter seinem Namen mein Geschäft fortzuführen. Kostengünstiger war hingegen der Vorschlag der Bundesagentur für Klamauk. Zwar meinte mein Rehumorisierungshelfer, dass ein Studium zum Diplom-Satiriker mit anschließender Promotion zum "Dr. rer. sat." für mich nicht in Frage käme, aber durch die neue "Einbildungsabgabe" habe jetzt jeder eine Chance, seiner Berufung zu obliegen.


Der Rest lief ganz einfach: Ich wurde zuerst Bergmann im Ruhrgebiet, was mich nach einigen Jahren zu einer Umschulungsmaßnahme in den neuen Bundesländern berechtigte. Von da ging es mit Mitteln aus dem EU-Förderprogramm für humorschwache Gebiete zu einer Molkerei im Münsterland, wo ich Kalauer für das hauseigene Käseblatt verfasste. Dann noch ein soziales Jahr in einem Karnevalsverein, Prüfung zum staatlich beglaubigten Humoristen, und -- rapp zapp -- schon bin ich wieder hier!




Reichsmusikalische Zukunftsbilder.

Auszug aus dem Reichstagsbericht vom 1. April 1910.


                      1895, von Alexander Moszkowski


Abg. Klingemann: … Und deshalb, meine Herren, muß der Ruf nach Staatshilfe zu einer allgemeineren Forderung erweitert werden; wir brauchen, um es kurz zu sagen, die Verstaatlichung der Musik! Angesichts des ungeheuren, von allen Seiten zugestandenen Einflusses der Tonkunst auf die Volksseele kann es uns nicht gleichgiltig sein, in welcher Weise sie ausgeübt und gehandhabt wird. Geben wir endlich die manchsterliche Anschauung auf, nach der es jedem unbetitelten Stümper frei stehen soll, sich in der musischen Arena so breit zu machen, als es ihm irgend beliebt; bringen wir Zucht, Ordnung, Oberaufsicht, amtliches Wesen in die Sache!
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Endlich kümmert sich jemand drum



                      5. Juli 2011, von Henning Helmhusen




Mit sorgenvoller Miene trat am Montag Ursula Engelen-Kefer vor die Presse und wies auf einen Missstand hin, der von der Öffentlichkeit bislang sträflich vernachlässigt worden war: die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen von Terroristen. So hätten etwa die Mitglieder der Hamburger Zelle von Al Qaida jahrelang ohne einen Betriebsrat auskommen müssen. Beiträge zur Rentenversicherung seien nicht abgeführt worden. Und wie die DGB-Vorsitzende mit sichtbarer Empörung hinzufügte: "Es gibt nicht einmal einen Flächentarifvertrag für Terroristen."


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Der Bund der Maikäferhändler



                      1896, von Julius Stettenheim




Die in diesem Jahr besonders schwer nothleidenden Maikäferhändler haben sich zu einem Bund zusammengeschlossen, welcher die geeigneten Schritte thun soll und wird, die herzzereißende Lage, in welche die Maikäferhändler gebracht worden sind, in das Gegentheil zu verwandeln.


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Nichts ist möglich, Wartburg!



                      4. Juli 2011, von Henning Helmhusen



Wäre die DDR, der erste Arbeiterbonzenstaat auf deutschem Boden, vielleicht doch noch zu retten gewesen? Diese Frage stellen sich all diejenigen immer wieder, die befürchten, ohne die real existierende Globalisierungskritik mit Mauer, Stacheldraht und Selbstschussanlagen könnte dem Neoliberalismus die Alternative abhanden gekommen sein. Doch war der Untergang dieses von Josef Stalin so hoffnungsvoll ins Leben gerufenen gesellschaftlichen Experiments wirklich derart unabwendbar, wie immer behauptet wird?


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